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Heizen mit Holz: klimaneutral, aber nicht immer umweltfreundlich | BR24

© francisco/stock.adobe.com

Ein Kamin mit einem Feuer (Symbolbild).

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    Heizen mit Holz: klimaneutral, aber nicht immer umweltfreundlich

    An kalten Abenden gibt es für viele nichts schöneres als ein knisterndes, warmes Kaminfeuer. Heizen mit Holz gilt zudem als "klimaneutral" - was aber nicht automatisch auch gut für Gesundheit und Umwelt ist. Eine Übersicht, was es zu beachten gilt.

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    Die Energiewende stockt – nicht nur beim Verkehr, sondern auch beim Heizen. Immer noch setzen viele Haus- und Wohnungseigentümer auf fossile statt auf erneuerbare Energien. Neu installierte Heizsysteme waren 2019 zu 85 Prozent Öl- oder Gaskessel - und das obwohl der Umbau etwa zu zentralen Holzheizungen von der Bundesregierung bezuschusst wird.

    Dagegen boomen kleine Kaminöfen fürs Wohnzimmer, die vor allem mit Holz befeuert werden. Aber wie klima- und umweltfreundlich sind solche Öfen?

    Experte: Heizen mit Holz grundsätzlich "klimaneutral"

    Heizen mit Holz wird von Fachleuten wie dem Forstwissenschaftler und Professor für Nachhaltige Betriebswirtschaft der Hochschule Weihenstephan, Hubert Röder als "klimaneutral" eingestuft, denn Holz ist ein nachwachsender Rohstoff. Beim Verbrennen von Holz entweicht nur so viel klimaschädliches Kohlendioxid in die Atmosphäre wie der Baum zuvor in seiner Wachstumsphase gebunden hat.

    Die Gesamtbilanz ist natürlich nur dann klimaneutral, wenn im Wald genauso viel Holz wieder nachwächst wie entnommen wird. In Deutschland ist das der Fall: Hier wächst sogar mehr Holz nach als abgeholzt wird. "Das CO2, das da gebunden ist, das wächst gerade in diesem Moment wieder rein in diesen Wald", erklärt Röder. "Und damit ist es neutral. Zusätzlich substituieren wir damit fossile Ressourcen".

    "Holzenergie hat ihre Vorteile in der Speicherbarkeit"

    Während Heizen mit Öl bis zu 400 Gramm CO2 pro Kilowattstunde erzeugter Wärme verursacht, sind es bei Holz nur etwa 20 bis 40 Gramm, die bei der Bewirtschaftung des Waldes, der Verarbeitung des Brennholzes und beim Transport entstehen.

    Holz hat eine wichtige Eigenschaft, die anderen erneuerbaren Energien fehlt, sagt Dr. Hans Hartmann vom Technologie- und Förderzentrum (TFZ) im Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe in Straubing: "Die Holzenergie hat ihre Vorteile in der Speicherbarkeit und wir müssen die Nutzung daran messen, ob sie dazu beiträgt unser Energiesystem zu stabilisieren, ob sie beispielsweise dazu beiträgt, in den Zeiten, wenn Wind und Solarenergie eben nicht das Angebot liefern, dann diese Phasen zu überbrücken."

    Weil sich Holz lange lagern lässt, kann man damit – anders als mit anderen erneuerbaren Energien – einen dauerhaften Energievorrat anlegen, der jederzeit verfügbar ist.

    Weniger gefährliche Emissionen bei richtiger Bedienung

    Das Problem: Bei der Holzverfeuerung entstehen Feinstaub und viele andere Schadstoffe, zum Beispiel polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), die krebserregend sind. Anders als zentrale Holzheizungsanlagen haben Kachelöfen und kleine Kaminöfen fürs Wohnzimmer meist keine Filter oder Staubabscheider um Schadstoffe abzufangen. Besonders ältere Modelle können echte Schadstoff-Schleudern sein. Doch auch neue, als emissionsarm deklarierte Kaminöfen emittieren häufig zu viele Schadstoffe.

    Am TFZ am Hochschulcampus in Straubing prüft der Ingenieur Hartmann moderne Kaminöfen auf Funktion und Umweltfreundlichkeit. Er ist der Frage auf den Grund gegangen, warum oft so viele Schadstoffe entweichen, obwohl die Kaminöfen technisch auf dem neuesten Stand sind. "Neben dem Kohlenmonoxid als Leitgröße für die Verbrennungsemissionen schauen wir auch die Kohlenwasserstoffemission an", so Hartmann. "Das ist das, was man geruchlich wahrnimmt. Also wenn eine Geruchsbelästigung stattfindet, bedeutet das, dass die Verbrennung nicht korrekt ist."

    Hans Hartmann hat festgestellt: Ein Großteil der gesundheitsschädlichen Emissionen könnte ganz einfach vermieden werden, wenn die Öfen gemäß Anleitung korrekt bedient würden. Während bei falscher Bedienung bis zu 142 Milligramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft freigesetzt werden können, sind es nach seinen Messungen bei richtiger Bedienung nur etwas mehr als 20 Milligramm – der gesetzliche Grenzwert liegt bei 40 Milligramm pro Kubikmeter.

    How to Kaminöfen – Worauf man achten sollte

    Selbstverständlich sollte es sein, dass kein Holz verbrannt wird, das mit Holzschutzmitteln oder Lack behandelt wurde, denn dabei können hochgiftige Dioxine und Furane entstehen. Papier sollte ebenfalls nicht im Kaminofen landen.

    Hubert Röder hat sich am Hochschulcampus Straubing bei Hans Hartmann informiert, wie er seinen neuen, modernen Scheitholzofen bedienen muss, damit er möglichst umweltfreundlich heizt.

    Wichtig ist:

    - der richtige Wassergehalt des Holzes: Er sollte höchstens 20 Prozent betragen, damit das Holz viel Wärme abgeben kann und umweltfreundlich verbrennt. Dafür muss frisch geschlagenes Holz ein bis zwei Jahre trocknen.

    - das richtige Stapeln: die Holzscheite müssen möglichst luftig längs und quer übereinander gestapelt werden. Der Feuerraum darf nicht zu voll sein, die Scheite dürfen nicht zu lang sein.

    - das richtige Anzünden: bei einem Ofen mit Rost werden die brennenden Anzündhölzchen unter das Scheitholz gelegt, bei anderen Öfen oben drauf.

    - und besonders wichtig: die richtige Belüftung. Bei modernen Öfen lässt sich diese genau steuern. In der Anheizphase braucht es viel Frischluft, später dann weniger.

    Welche Heizfehler sich leicht vermeiden lassen

    Bei einem Scheitholzkaminofen hat sich herausgestellt, dass es zwei sehr schlimme Fehler gibt", erklärt Hartmann. "Der eine, dass man vergisst nach dem ersten Abbrand die Rostluft zuzumachen, also die Luft, die anfangs nötig ist um die Verbrennung rasch in den Gang zu bekommen. Wenn das unterbleibt ist das ein schlimmer Heizfehler. Und es gibt weitere Heizfehler, wie zum Beispiel das sehr späte Nachlegen. Wenn also die Verbrennung der sehr wenigen Glut sehr langsam in Gang kommt, dann schwelt das Holz sehr lange und hinterlässt große Schadstoffemissionen über den Schornstein."

    Weitere Tipps zum richtigen Heizen

    vom Umweltbundesamt: https://www.bmu.de/heizen-mit-holz/

    vom TFZ Straubing: https://www.tfz.bayern.de/heizenmitholz

    Mit diesen Tipps fährt Hubert Röder gut. So braucht er nur noch ein Drittel der Holzmenge, die er früher mit seinem alten Kaminofen verheizt hat. Weil er auf dem Land lebt und der Wald ganz in der Nähe ist, muss das Holz nicht transportiert werden. Hier führt auch der verbleibende Schadstoffausstoß nicht zur Feinstaubbelastung.

    "Schwierig wird es natürlich in Ballungsgebieten, wenn ich sehr viele von diesen Kaminöfen auf engem Raum hab und wenig Luftaustausch", sagt Röder. "Dann kann das trotzdem noch zu Problemen führen. Das kennen Sie aus diesen Tallagen von Großstädten, wenn da die Frischluftschneisen fehlen, dann sammeln sich natürlich diese Emissionen und dort ist es sicherlich eher problematisch wie hier am Land."

    Pellets-Kaminöfen – die bessere Lösung

    Mit Holz befeuerte Kaminöfen fürs Wohnzimmer sind häufig "Wohlfühlöfen", die eine zentrale Heizungsanlage lediglich ergänzen. Ein hoher Schadstoffausstoß und eine Belastung der Luft in Wohngebieten sollte dabei auf keinen Fall akzeptiert werden. Hans Hartmann ist überzeugt davon, dass es dafür technische Lösungen geben muss: "Die Aufgabe der Technik muss es sein, den Einfluss des Bedieners völlig auszuschalten. Das tut sie bei automatischen Steuerungen, in der sich Brennstoff und Luft selbständig anpassen."

    Solche automatischen Steuerungen finden sich bei modernen Pellets-Kaminöfen, die genau wie Scheitholzöfen im Wohnzimmer aufgestellt werden können. Ohne Zutun des Benutzers wird der Brennstoff Pellet für Pellet dosiert in die Brennstoffkammer geführt und die Luftzufuhr wird völlig automatisch geregelt.

    "Holzentnahme" für Wälder nicht problematisch

    Kann der Wald genügend Holz liefern, um noch mehr Heizungen auf Holz umzustellen? Forstwirte, Forstwissenschaftler und Forstökologen bejahen das fast ausnahmslos. Zum einen fällt aufgrund der Trockenheit, der Stürme und des Borkenkäferbefalls der letzten Jahre viel so genanntes Schadholz an. Zum anderen muss der Wald umgebaut werden: viele Fichten müssen in den nächsten 20 Jahren abgeholzt werden, um den Wald klimaresistenter zu machen. Und auch im klimafesten Wald der Zukunft werden bei der Bewirtschaftung Holzreste anfallen, die für die Verbrennung geeignet sind.

    In den Sägewerken wird das Stammholz – also der größte Teil eines Baumes - zu Balken und Brettern und damit zu langlebigen Holzprodukten verarbeitet. Bei dieser Verarbeitung fallen Reste wie Baumrinde, Sägespäne und Sägemehl an, die zu Hackschnitzeln oder Pellets verarbeitet werden und bei der Verbrennung fossile Brennstoffe wie Öl oder Gas ersetzen können.

    Langfristig sollte man jedoch versuchen, auch die Holzreste vermehrt zu langlebigen Holzprodukten wie etwa Holzdämmplatten zu verarbeiten. In einer so genannten Kaskadennutzung wird das Holz dann erst nach langer Zeit der Nutzung als Baustoff oder Möbelstück verbrannt. Wenn man außerdem die Häuser immer besser dämmt, wird auch weniger Heizenergie benötigt.

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