BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© dpa-Bildfunk/Marijan Murat
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Marijan Murat

Hecke wird gestutzt

13
Per Mail sharen

    Hecke schneiden: Welche Regeln gelten denn jetzt?

    Hecke schneiden heißt manchmal auch Raupen schreddern und Amseln obdachlos machen. Selbst dann, wenn man die gesetzlichen Vorschriften beachtet. Aber es geht auch anders.

    13
    Per Mail sharen
    Von
    • Ursula Klement

    Hecken als Sichtschutz im Garten – da kommt es darauf an, dass sie gerade in kleinen Gärten möglichst wenig Raum einnehmen und regelmäßig geschnitten werden. Doch was heißt das zum Beispiel für den Buchfink, der in der Hecke brütet, Schmetterlinge und Käfer? Inwieweit kann der Gartler sie in seinem Pflegeplan berücksichtigen?

    Hecke schneiden: Was ist wann erlaubt?

    Hecke schneiden ist nicht gleich Hecke schneiden. Man muss unterscheiden:

    • Hecken ganz absägen oder auf den Stock setzen, also auf ca. 30 cm abschneiden darf man nur von Oktober bis Februar. Das bestimmt das Bundesnaturschutzgesetz, die Regelung gilt grundsätzlich für alle Gehölze, das heißt auch für lebende Zäune und einzeln stehende Sträucher.
    • Die Schnitthecke wieder in Form bringen, den Zuwachs zurückschneiden, damit sie vital bleibt, ist dagegen den ganzen Sommer über erlaubt. Wenn man sich zuvor vergewissert hat, dass in der Hecke kein Vogelnest mit Eiern oder Jungvögeln versteckt ist.
    • Würde man Buchfink, Amseln, Ammern oder andere Vögel bei der Aufzucht stören, darf man nicht einmal einen Formschnitt machen – das steht auch im Bundesnaturschutzgesetz.
    • Damit der Nachbar nicht bei der Siesta aufschreckt, muss man die geltenden Ruhezeiten einhalten. Zumindest dann, wenn man eine elektrische Heckenschere nutzt.

    Beim Heckenschnitt an alle denken – auch an die Insekten

    Dass man es darf, heißt noch nicht, dass es sinnvoll ist. Denn die Regelung im Bundesnaturschutzgesetz ist auf die Bedürfnisse von Vögeln ausgerichtet, nicht auf den Schutz von Insekten, sagt Wolfgang Weisser, Professor für Terrestrische Ökologie an der Technischen Universität München-Weihenstephan. Er empfiehlt erst im Juli zu schneiden und dann auch nicht zu stark.

    Immerhin fressen die Raupen von 68 Schmetterlingsarten Rotbuchenblätter. Von den Blättern der Haselnuss ernährt sich zum Beispiel die Raupe der vom Aussterben bedrohte Kupferglucke. Die Kupferglucke ist ein Nachtfalter, der aussieht wie ein welkes Blatt. Auch etliche Blattwespen, Käfer und Spinnenarten leben in Hecken. Deswegen sollte man den Rückschnitt keinesfalls häckseln oder in einen abgeschlossenen Kompostbehälter werfen. Entweder unter die Hecke rechen und damit sowohl Nährstoffkreisläufe schließen als auch den Raupen eine Chance geben, dass sie wieder zurück auf die Zweige können. Oder die Zweige alle in eine Ecke legen, in der sie nicht stören, und dort ein Totholzquartier etablieren.

    Damit die Hecke eine gute Figur macht

    Mitte Juni bis Ende August ist die optimale Zeit, um Schnitthecken zu schneiden. Im Hinblick auf die Form empfehlenswert: Konisch zuschneiden, nicht rechteckig.

    Der Grund: Sind die Seiten schräg, fällt das Licht gleichmäßiger auf alle Blätter. Wird sie andererseits im unteren Bereich zu schmal gehalten, kann sie leicht verkahlen.

    Lieber geschnittene Kornelkirsche als naturbelassener Kirschlorbeer

    Viel wichtiger als der behutsame Schnitt ist allerdings das, was unters Messer kommt. Die Auswahl der Heckenpflanzen entscheidet darüber, ob ein Garten Lebensraum ist oder nicht. Der Schnitt ist da zweitrangig. Denn die beim Gartler beliebten Heckenpflanzen Kirschlorbeer (eigentlich Lorbeerkirsche), Thuja, Stachelberberitze und Scheinzypresse zum Beispiel bieten Vögeln und Insekten weder Nektar, noch Pollen und kaum Beeren. Und meistens auch keine Unterkunft. Also lieber Kornelkirsche, Buche, Hasel, Schlehe, Pfaffenhütchen und andere einheimische Sträucher pflanzen.

    Lässt man sie mindestens einen Meter breit werden, kann man außen herum auch immer wieder einen Formschnitt machen, ohne dass man die Vögel, die darin nisten, übermäßig stört. So die Einschätzung von Prof. Wolfgang Weisser. Wenn man die Artenvielfalt fördern will, kann man mit einer Kirschlorbeerhecke also auch mit einem behutsamen Schnitt keinen Schmetterling retten. Und bei einer breiten Weißdornhecke kann man dagegen kaum was verkehrt machen.

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!