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Halloween-Verkleidungen
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Alexandra Klockau
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Halloween-Verkleidungen

In der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November kostümieren und schminken sich die einen stundenlang. Nur, um danach möglichst tot auszusehen. Die anderen verrammeln panisch die Tür und stellen sich dann tot, wenn's klingelt. Vor der Tür fordern nämlich Monster, Zombies, Skelette, Vampire, Hexen und andere schauerliche Gestalten Süßes, sonst gibt's Saures. Am 31. Oktober ist schließlich Halloween, was seit einigen Jahren auch bei uns ausgiebig gefeiert wird.

Halloween stammt aus Irland

Von vielen wird der Brauch als amerikanische Spinnerei abgetan. Richtig ist, dass Halloween in den USA in etwa so beliebt ist wie bei uns der Fasching. Allerdings ist Halloween ein ureigen europäischer Brauch. Erste Belege dafür finden sich im späten Mittelalter vor allem in Irland, aber auch in Schottland. Damals luden die Menschen dort am Vorabend von Allerheiligen zu Festessen ein. Vom "All Hallows' Eve" leitet sich auch der Name Halloween ab. Zugleich zogen Kinder von Haus zu Haus und erbettelten Spenden. Lange Zeit hieß es, Halloween gehe auf rund 2.000 Jahre alte keltische Wurzeln zurück. Das gilt inzwischen als widerlegt.

Die Iren nahmen Halloween mit in die USA

Mitte des 19. Jahrhunderts verließen viele Iren aufgrund von Hungersnöten ihre Heimat und wanderten in die USA aus. Ihr Halloween-Fest nahmen sie mit. Höhlten sie in Irland noch Zuckerrüben aus, um der Legende vom Hufschmied Jack gerecht zu werden, der mit einer von innen beleuchteten Rübe umherirrte, nahmen sie jetzt ersatzweise Kürbis, um ihr Haus zu dekorieren. In den USA ist Halloween zu einem ungezwungenen Familien- und Nachbarschaftsfest geworden. Die Kinder ziehen verkleidet von Haus zu Haus und rufen "Trick or treat". Der Schlachtruf bedeutet, dass sie jedem, der ihnen nicht freiwillig Süßigkeiten aushändigt, einen Streich spielen. Für die meisten Erwachsenen dort ist es Ehrensache, ausreichend Naschereien im Haus zu haben und die Süßigkeitenjäger damit zufriedenzustellen.

Von den USA kam Halloween zu uns

Über in Europa stationierte US-Soldaten, Filme und Serien ist Halloween bei uns bekannt geworden. Laut der Kulturwissenschaftlerin Monique Scheer wird Halloween seit den 1990er-Jahren bei uns immer häufiger gefeiert. Sicherlich auch, weil die Industrie den Brauch für sich entdeckte: Laut einer Studie des Marktforschungsinstituts YouGov haben die Deutschen für Halloween 2017 fast eine halbe Milliarde Euro ausgegeben - für Süßigkeiten, Kostüme und Accessoires. Laut YouGov ist Halloween auch nicht nur ein Fest für Kinder: 56 Prozent der 18- bis 24-Jährigen und 41 Prozent der 25- bis 34-Jährigen zählten sich 2017 zu den Halloween-Fans.

Wir gruseln uns gerne

Menschen gruseln sich gerne und auch den deutschen Halloween-Freunden gehe es vor allem um den Grusel-Aspekt, sagt Scheer: Totenköpfe, Hexen und Geister prägen die Outfits und die Deko. In den USA dagegen ist das Motto "Hauptsache verkleiden" - Halloween sei dort auch ein wenig Ersatz für Fastnacht.

Ausschlafen nach Halloween

Halloween ist aber auch aus einem ganz praktischen Grund bei uns beliebt: Am Folgetag ist Allerheiligen - und in vielen Bundesländern Feiertag. Für die Großen gibt es auf Halloweenpartys schaurige Kostüme und eklig benannte Getränke. Für die Kinder Süßes, sonst droht schließlich Saures. Nach Scheers Einschätzung hindern jedoch sozialräumliche Gegebenheiten das Fest daran, für die ganz junge Generation zum Erfolg zu werden: "In den USA ist Halloween ausgelegt auf die Vororte mit Einfamilienhäusern, wo die Kinder von Tür zu Tür ziehen. So leben aber in Deutschland die wenigsten Familien."

Vorsicht vor Straftaten an Halloween

Vor Strafe gefeit sind jedoch auch die bestverkleidetsten und jüngsten Halloween-Fans nicht. Der 31. Oktober ist kein rechtsfreier Tag ist. Nach dem Schlachtruf "Süßes oder Saures" darf man nicht auf die Herausgabe von Süßigkeiten bestehen, das Saure sollte eine spaßige Drohung bleiben. Denn Hauswände und Autos mit Eiern zu bewerfen oder Mülltonnen und Briefkästen zu demolieren, ist selbstverständlich auch an Halloween verboten und strafbar. Wer bei einer Sachbeschädigung erwischt wird, muss mit Geldstrafen oder bis zu zwei Jahren Haft rechnen. Bis zu drei Jahre Haft drohen sogar bei einer sogenannten gemeinschädlichen Sachbeschädigung, wenn öffentlich genutzte Güter wie zum Beispiel Parkbänke kaputt gemacht werden. In einer Gruppe können auch die bestraft werden, die nicht selbst Schaden angerichtet haben, sondern "nur dabei" waren. Ihnen drohen dann Strafen wegen gemeinschaftlicher Sachbeschädigung.

"Wenn fremdes Eigentum beschädigt, beispielsweise ein Auto beim Einwickeln mit Toilettenpapier zerkratzt wird, ist das eine Sachbeschädigung. Sachbeschädigungen werden mit einer Geldstrafe und sogar mit bis zu zwei Jahren Gefängnis geahndet. Hinzu kommt, dass die Täter den entstandenen Schaden ersetzen müssen." Joachim Schneider, Geschäftsführer der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes

Eltern sollten auf ihre Grusel-Kinder aufpassen

Halloween setzt natürlich auch nicht die Aufsichtspflicht außer Kraft. Wenn kleinere Kinder zum Süßigkeitenbetteln losziehen, sollte immer ein Erwachsener dabei sein. Eltern sollten ihren Nachwuchs auch für die Streiche sensibilisieren. Zwar können Kinder bis zum 14. Lebensjahr strafrechtlich nicht belangt werden, weil sie noch nicht schuldfähig sind. Aber schon Siebenjährige oder - bei Verletzung der Aufsichtspflicht - die Eltern, können für die Wiedergutmachung entstandener Schäden zur Verantwortung gezogen werden.

"Es ist wichtig, dass Eltern ihre Kinder darüber aufklären, was noch als Streich durchgeht, was eine Sachbeschädigung ist und welche Konsequenzen daraus folgen." Joachim Schneider, Geschäftsführer der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes

Wer erwischt wird, muss für den Schaden aufkommen. Wird kein Verursacher gefunden, kann eine Wohngebäudeversicherung Betroffenen Schäden, die durch mutwillige Beschädigung entstanden sind, zumindest teilweise ersetzen. Verkleidet zu klingeln und nach Süßigkeiten zu fragen oder auf der Halloweenparty Spaß zu haben, ist bis auf Weiteres jedoch nicht verboten.

Unfälle an Halloween vermeiden

Auf dem Weg durch die Straßen oder zur Feier sollten die Gruselgestalten jedoch gut aufpassen: Kanadische Wissenschaftler haben Verkehrsdaten aus den USA aus 42 Jahren analysiert. Sie fanden heraus, dass bei Verkehrsunfällen zwischen Autos und Fußgängern an Halloween im Durchschnitt viermal mehr Menschen getötet werden als an anderen Tagen. Die Forscher empfehlen den Fußgängern deshalb Reflektoren an den Kostümen und eine Taschenlampe, damit sie von den Autofahrern trotz ihrer dunklen Kostüme frühzeitig gesehen werden. Allen Verkehrsteilnehmern raten sie Masken, die das Sichtfeld nicht einschränken.

Wir wünschen fröhliches und sicheres Gruseln!