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Häufig gestellte Fragen zu den Corona-Statistiken | BR24

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Zahlen und Statistiken zu Corona gibt es viele. Doch wie sind diese zu verstehen?

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    Häufig gestellte Fragen zu den Corona-Statistiken

    Zahlen und Statistiken sind ein großer Streitpunkt, wenn es um Corona geht: Es gibt sehr viele, doch wie sind sie zu verstehen? Wir haben die wichtigsten Fragen zum Thema Corona-Statistiken gesammelt und versuchen, diese hier zu beantworten.

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    Faktenchecks zum Thema Corona finden Sie beim BR24-#Faktenfuchs und bei den Kollegen vom ARD-Faktenfinder. Außerdem empfehlen wir die aktuellen Corona-Erklärvideos von #fragBR24.

    Warum unterscheiden sich die Zahlen aus unterschiedlichen Quellen?

    Die offiziellen Zahlen, wie viele Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus SARS-CoV-2 infiziert sind, werden vom Robert-Koch-Institut (RKI) erhoben. Dort laufen die einzelnen Meldungen aus den Gesundheitsämtern der Stadt- und Landkreise sowie den zuständigen Gesundheitsämtern der Länder zusammen. Das RKI bekommt mehrmals am Tag Daten geliefert und veröffentlicht diese auf seiner Webseite. Weil es aber ein bis zwei Tage dauert, bis die Daten von den lokalen Behörden das RKI erreichen (Meldeverzug, siehe unten), sind diese Zahlen nicht immer ganz aktuell. Das RKI beliefert außerdem noch internationale Organisationen mit den Zahlen für Deutschland. Dazu gehören unter anderem die europäische Gesundheitsbehörde ECDC und die Weltgesundheitsorganisation WHO.

    Die Johns-Hopkins-Universität (JHU) ist eine US-amerikanische Privatuniversität aus Baltimore. Die Universität sammelt die Daten für ihre interaktive Karte aus hunderten Einzelquellen. Die Zahlen für Deutschland kommen von der Berliner Morgenpost, Zeit Online und dem Tagesspiegel, welche die Daten direkt bei den jeweiligen Landesämtern abfragen. Dadurch sind die Zahlen aktueller und damit am jeweiligen Tag auch höher als die offiziellen Zahlen des RKI.

    Beide Ansätze sind vertretbar: Die Johns-Hopkins-Universität versucht, möglichst aktuelle Zahlen zu liefern, das RKI hingegen versucht, möglichst genaue Zahlen zu liefern. Die Daten beider Quellen sind brauchbar, wenn man sie verantwortungsbewusst einsetzt.

    Wie wirkt sich der Meldeverzug auf die Zahlen aus?

    Der Meldeverzug beschreibt die Zeit, wie lange es dauert, bis ein positives Testergebnis an die zuständige Behörde gemeldet wird. Die sogenannte Meldekette fängt bei den Ärzten und Laboren an, führt über die Gesundheitsämter bis zum Robert-Koch-Institut (RKI). Daher kann es ein bis zwei Tage dauern, bis die Daten aus den Landkreisen das RKI erreichen. Dieser zeitliche Unterschied erklärt, wieso auf den Webseiten der örtlichen Behörden teilweise deutlich höhere Fallzahlen ausgewiesen werden als auf der Webseite des RKI. Im Grunde sind es dieselben Daten, doch unterschiedliche Momentaufnahmen davon.

    Vereinzelt werden positive Testergebnisse erst viele Tage später nachgemeldet und vom RKI erfasst. Der Grund dafür können uneindeutige Tests oder Verzögerungen bei der Analyse im Labor sein. Mittlerweile zeigt das RKI die Zahl der nachgemeldeten Fälle in ihrer interaktiven Übersicht unter dem Stichwort Übermittlungsverzug.

    Welche Rolle spielt die Dunkelziffer?

    Die Dunkelziffer beschreibt die tatsächliche, momentan aber noch unbekannte Zahl aller Menschen, die sich mit dem neuartigen Coronavirus infiziert haben. Die offiziellen Fallzahlen hingegen beziehen sich nur auf die Zahl der Menschen, die positiv auf das Coronavirus getestet wurden. Die Dunkelziffer dürfte daher deutlich höher sein als die bekannten Fallzahlen. Das liegt unter anderem auch daran, dass es sehr viele milde Krankheitsverläufe ohne starke Symptome gibt. Das hat zur Folge, dass Menschen nicht zum Arzt gehen und daher auch nicht getestet werden können. Hinzu kommen Studien, die zeigen, dass fast die Hälfte der infizierten Personen das Virus übertragen, noch bevor sie Symptome zeigen.

    Um herauszufinden, wie hoch die Dunkelziffer ist, werden derzeit Studien durchgeführt, bei denen die Bevölkerung stichprobenartig, nach genau festgelegten Kriterien, getestet werden soll. So auch in München: Vom 5. April an werden Blutproben aus 3.000 zufällig ausgewählten Haushalten nach Hinweisen auf das Coronavirus SARS-CoV-2 untersucht.

    Kann man die Zahlen einzelner Länder miteinander vergleichen?

    Die Zahlen unterschiedlicher Länder lassen sich nur schwer miteinander vergleichen. Zwischen den einzelnen Ländern gibt es große Unterschiede in der Demografie, dem Gesundheitssystem und vor allem in der Art und Weise, wie getestet wird. Der demografische Unterschied lässt sich gut am Beispiel Italien erklären: Die Menschen, die dort getestet werden, sind durchschnittlich älter als die Menschen in Deutschland. In diesem Fall testet man also zwei unterschiedliche Gruppen, die anders auf die Krankheit reagieren. Dass die Demografie eines Landes großen Einfluss auf den Verlauf und die Schwere einer Epidemie hat, zeigt auch eine Studie der Universität Oxford. Hinzu kommen auch gesellschaftliche Unterschiede, auf die der Epidemiologe Tobias Kurth im Interview mit der Deutschen Welle hinweist. In Italien seien ältere Menschen besser in das Sozialleben integriert. "Das ist in der Regel eine gute Sache. Aber in diesem Fall erhöht sich so die Wahrscheinlichkeit, sich anzustecken", sagt Kurth.

    Um die unterschiedliche Entwicklung der Pandemie in den einzelnen Ländern zu vergleichen, kann es aber hilfreich sein, die Entwicklungskurven, wie sie jeweils vom Tag der ersten Infektion in einem Land ausgehen, übereinander zu legen.

    Was sagt die Zahl der gemeldeten Todesfälle aus?

    Die Zahl der gemeldeten Todesfälle ist zumindest in Deutschland ein guter Maßstab für die Entwicklung der Corona-Pandemie. Umstritten ist jedoch die Frage, wie die Zahl der Todefälle richtig erfasst und gezählt werden soll. Momentan wird nicht unterschieden, ob Patienten "mit Covid-19" oder "an Covid-19" sterben. Sprich: Ob ein Mensch an der durch das Coronavirus verursachten Krankheit stirbt oder an einer etwaigen Vorerkrankung, ist oftmals unklar. RKI-Präsident Lothar Wieler verteidigt diese Vorgehensweise mit dem Hinweis, dass virologische Untersuchungen im Nachhinein schwierig seien und unnötige Obduktionen verhindert werden sollen. Außerdem gehe er davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Covid-19-Todesfälle zur Zeit eher unterschätzt und die Todesrate ansteigen werde. Die Aussage, dass nur alte und schwache Menschen an Corona sterben ist jedoch nachweislich falsch.

    Wenn man die Zahlen für Deutschland mit anderen Ländern vergleicht, dann fällt auf, dass die Sterblichkeitsrate hierzulande vergleichsweise niedrig liegt. Dieser Unterschied lässt sich nicht alleine durch Unterschiede in der Demografie, den Testverfahren und der Qualität des Gesundheitssystems erklären. Wie viele Menschen tatsächlich durch das Coronavirus gestorben sind, wird sich vermutlich erst im Nachhinein, zum Beispiel durch die Berechnung der sogenannten Übersterblichkeit (erhöhte Zahl von Sterbefällen während einer bestimmten Zeitspanne, verglichen mit der zur selben Jahreszeit normalerweise erwarteten Sterblichkeit), feststellen lassen.

    Gibt es genaue Angaben zur Zahl der genesenen Menschen?

    Nein, das RKI erfasst diese Zahlen nicht, da es keine Meldepflicht für Genesungen gibt. Die Zahl der genesenen Menschen ist eine ungefähre Schätzung und beschreibt die Zahl der erkrankten Menschen, die zum jetzigen Zeitpunkt wieder gesund sein müssten. Das RKI gibt diese Schätzung in ihrem täglichen Lagebericht als eine Art "Mindestanzahl" an. Hinter der Schätzung steckt eine statistische Modellierung. Vereinfacht ausgedrückt lässt sie sich so erklären: Erkrankt ein Mensch an Covid-19, dann wird er nach zwei Wochen wieder gesund oder stirbt. Da die tatsächliche Zahl der Erkrankten aber unbekannt ist (Stichwort Dunkelziffer), kann auch niemand genau sagen, wie viele Menschen bereits genesen sind. Die tatsächliche Zahl der Genesungen dürfte daher weitaus höher liegen. In der Pressekonferenz am 7. April sprach Lothar Wieler, Chef des RKI, von 33.000 genesenen Menschen und nannte das eine "erfreuliche Zahl".

    Ob genesene Menschen vollständig und langfristig immun gegen das Coronavirus sind, ist noch nicht vollständig geklärt. Es ist jedoch davon auszugehen, dass das Risiko, nach einer Genesung erneut zu erkranken, deutlich geringer ist.

    Was ist die Reproduktionszahl?

    Die Reproduktionszahl (R) gibt an, wie viele weitere Menschen eine infizierte Person im Durchschnitt ansteckt. Mit dieser Zahl lässt sich einschätzen, wie schnell sich das Virus verbreitet. Dieser Wert ist nur eine statistische Berechnung und basiert auf den Fallzahlen der letzten ein bis zwei Wochen. Allerdings ist die tatsächliche Zahl der Corona-Fälle nicht bekannt (siehe Dunkelziffer) und die Reproduktionszahl sollte nur als ungefähre Schätzung verstanden werden.

    Forscher gehen im Falle des Coronavirus von einer Basisreproduktionszahl (R0) zwischen 2,4 und 3,3 aus. Das heißt, ohne Eindämmungsmaßnahmen würde jeder Infizierte im Durchschnitt 2 bis 3 Menschen anstecken und das Virus würde sich sehr schnell verbreiten. Das Ziel der derzeit geltenden Kontaktsperren und Ausgehverbote ist es deshalb, die Reproduktionszahl unter 1 zu halten. So kann sichergestellt werden, dass zum Beispiel die Krankenhäuser und Intensivstationen nicht durch eine plötzlichen Anstieg der Neuinfektionen überlastet werden.

    Wie kommt die Berechnung der Verdopplungszeit zustande?

    Die Verdopplungszeit gibt an, wie lange es braucht, bis sich die Fallzahlen verdoppelt haben. Dieser Zeitraum wird meistens in Tagen angegeben. Anhand der Verdopplungszeit kann man gut sehen, wie schnell sich eine Epidemie ausbreitet. Die Verdopplungszeit ist jedoch kein feststehendes Maß, sondern verändert sich je nachdem, wie viele Tage man zurückblickt, um die Verdopplung zu berechnen. Wie groß dieser Berechnungszeitraum ist, hängt vor allem davon ab, ob eher die kurzfristige oder die langfristige Entwicklung im Vordergrund steht. Da die Zahl der Neuinfektionen zur Zeit eher abnimmt, führt ein längerer Berechnungszeitraum zu kürzeren Verdopplungszeiten (schlechter). Umgekehrt ergibt ein kürzerer Berechnungszeitraum eine längere Verdopplungszeit (besser).

    Für unsere Berechnungen verwenden wir die Fallzahlen der letzten fünf Tage, ausgehend vom Vortag. Die Verdopplungszeit ist auch davon abhängig, wie der Wachstumsfaktor berechnet wird. Im Vergleich zum Berechnungszeitraum hat dieser jedoch eine deutlich geringere Auswirkung auf das Endergebnis.

    Wie zuverlässig sind die Tests?

    Die überwiegend eingesetzten PCR-Tests gelten als sehr zuverlässig. Dabei wird eine Probe auf Spuren des Virus-Erbguts untersucht. Bis das Testergebnis bekannt wird, dauert es meistens ein bis zwei Tage, manchmal auch länger. Ist das Ergebnis eines Tests positiv, ist das Virus eindeutig nachgewiesen. Ist der Test negativ, heißt das aber nicht zwangsläufig, dass die getestet Person virusfrei ist. Denn um die Infektion nachzuweisen, werden Abstriche im Mund-, Nasen- oder Rachenraum durchgeführt. Das Virus lässt sich dort in der ersten Woche gut nachweisen, in der zweiten Woche ist es nach Untersuchungen von Epidemiologen aber in die Lunge weiter gewandert und lässt sich vor allem im Hustensekret feststellen. Deshalb können Tests in der zweiten Woche der Infektion negativ ausfallen, obwohl ein Patient an Covid-19 erkrankt ist, wie Christian Drosten im NDR-Podcast erklärt.

    Außerdem ist häufiger die Rede von Schnelltests. Gemeint sind damit meistens sogenannte Antikörpertests. Bei diesen Tests wird nachgewiesen, ob sich im Blut des Patienten Antikörper gegen das Coronvirus gebildet haben. Diese Antikörper entstehen in der Regel aber erst ein bis zwei Wochen nach der Ansteckung. In dieser frühen Phase können die Tests daher keine validen Ergebnisse liefern. Argumente für die Antikörpertests sind der günstigere Preis und der oftmals schnellere und einfacher Nachweis des Coronavirus durch Blutproben. Richtig eingesetzt und erforscht, können die Antikörpertest daher ein wichtiges zusätzliches Diagnosewerkzeug sein.

    Wie viele Tests werden jeden Tag durchgeführt?

    Die meisten offiziellen Angaben beziehen sich entweder auf die Testkapazität oder auf die Anzahl der bislang durchgeführten Tests. Die Testkapazität ist die geschätzte Zahl der Tests, die an jedem Tag durchgeführt werden können, vorausgesetzt, dass es keinen Lieferengpass bei den benötigten Labormaterialien gibt. In mehreren Bundesländern, unter anderem in Bayern, gibt es eine Verordnung, die Labore dazu verpflichtet, die Anzahl aller positiven und negativen Testergebnisse an die jeweiligen Landesämter zu melden. Die Zahl der durchgeführten Test ist ein wichtiger Maßstab, um beurteilen zu können, ob beispielsweise der Anstieg der Fallzahlen auf mehr Infektionen in der Bevölkerung oder einfach nur auf mehr durchgeführte Tests zurückzuführen ist.

    Die Testkapazität in Deutschland wird zur Zeit auf 200.000 bis 500.000 Test pro Woche geschätzt. Das Robert-Koch-Institut hat Anfang April eine Untersuchung zur Zahl der durchgeführten Tests veröffentlicht. In der letzten Märzwoche sind nach diese Angaben ungefähr 350.000 Tests durchgeführt worden. In Bayern sollen zukünftig bis zu 13.000 Tests pro Tag möglich sein, wie das Bayerische Gesundheitsministerium in einer Pressemitteilung Anfang April bekannt gab.

    Eine sehr ausführliche Übersicht zum Thema Corona-Test gibt es beim WDR-Wissenschaftsmagazin Quarks.

    Wenn Sie weitere Fragen zum Thema "Corona und Zahlen" haben, könne Sie uns gerne eine E-Mail schreiben. Sie erreichen uns unter data@br.de. Wir werden diese Liste bei Bedarf ergänzen und aktualisieren.