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Grippewelle während der Corona-Pandemie | BR24

© picture alliance/dpa Themendienst

Ärzte beobachten im Moment nicht nur einen Anstieg der Zahl der Corona-Infektionen, sondern auch anderer Atemwegserkrankungen.

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    Grippewelle während der Corona-Pandemie

    Winterzeit ist Virenzeit: Neben den vielen leichten Atemwegserkrankungen, die die kalte Jahreszeit mit sich bringt, wird auch wieder eine Grippewelle hereinbrechen - zusätzlich zur Corona-Pandemie, deren Ende noch immer nicht absehbar ist.

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    Wer in diesen Tagen die Menschen auf dem Münchner Odeonsplatz fragt, stellt schnell fest, dass sich viele Gedanken machen: Einige geben sich entspannt, andere besorgt:

    "Ich habe eine Autoimmunerkrankung, deswegen mache ich mir Sorgen." / "Ich lass mich impfen und meine Tochter wird auch geimpft, gegen die Grippe, auf jeden Fall, dass wir da abgesichert sind." / "Für mich macht das keinen Unterschied. Ja, COVID-19 ist schon etwas, und deswegen tragen wir alle Masken aber ansonsten, die Grippe für mich, die war ja immer da."

    Der Impfstoff ist knapp

    Auch Ärzte beobachten im Moment nicht nur einen Anstieg der Zahl der Corona-Infektionen, sondern auch anderer Atemwegserkrankungen. Noch sind es insbesondere die leichten Bagatellinfekte. Bald wird aber die nächste Grippewelle einsetzen. Dann könnte es, zusammen mit der gestiegenen Zahl an Corona-Infektionen, zu Engpässen in den Intensivstationen kommen. Darum hat die Staatsregierung 550.000 zusätzliche Impfdosen geordert. Ob das ausreicht, da hat der Münchner Hausarzt und Impfexperte Markus Frühwein Zweifel: "Wir haben eine deutlich erhöhte Nachfrage nach Influenzaimpfungen. Das merken wir in den Praxen. Der Impfstoff ist im Moment nicht übermäßig gut verfügbar, es kommt aber wieder Impfstoff nach. Ob der wirklich ausreicht, ist für mich in der aktuellen Nachfrage ziemlich fraglich."

    Die jährliche Grippewelle trifft auf die Corona-Pandemie

    Markus Frühwein kann die Sorge der Menschen nachvollziehen. Die Corona-Pandemie habe das Bewusstsein in der Bevölkerung für Infektionskrankheiten insgesamt geschärft. Außerdem gebe es da keine Erfahrungen: Was passiert, wenn eine Grippe- und die Coronawelle zusammentreffen, fragt sich Markus Frühwein.

    "Wir haben zwischen 10.000 und 30.000 Tote, jedes Jahr, durch die Influenza. Hier ist die Frage nach einer Grippeimpfung durchaus berechtigt. In der aktuellen COVID-Situation besteht das Risiko, von Co-Infektionen, auch wenn wir nicht genau wissen, wie schwer die dann am Ende verlaufen. Ich glaube aber, dass wir einen Grund haben, uns da Gedanken zu machen." Markus Frühwein, Hausarzt und Impfexperte

    Wir haben es in der Hand

    Ulrike Protzer, Professorin am Lehrstuhl für Virologie an der TU-München, sieht aber auch positive Signale: "Es ist ein bisschen meine Hoffnung, dass wir im Winter zwar einen Anstieg kriegen werden, sowohl von den bekannten Atemwegsinfekten, als auch von Corona, dass aber durch die Maßnahmen, die wir ergreifen, das ganze Geschehen begrenzt bleibt."

    Einige Indizien sprächen tatsächlich dafür, dass die Grippewelle in diesem Jahr milde ausfallen könnte, so Ulrike Protzer: Zum einen, weil die Impfbereitschaft in diesem Jahr überdurchschnittlich hoch sei, und weil auf der Südhalbkugel, wo der Winter gerade zu Ende geht, die Grippewelle sehr schwach war.

    Die Hygienemaßnahmen helfen auch gegen die Grippewelle

    Tatsächlich scheinen sich die Maßnahmen, die eigentlich gegen Corona eingeführt wurden, auch als hochwirksame Mittel gegen die Grippe zu bewähren: Abstand halten, Atemschutz, lüften und Hände waschen. Dafür sprechen auch die Beobachtungen, die die Wissenschaftler bei uns, zum Ende der letzten Grippewelle, in diesem Frühjahr gemacht haben, berichtet Ulrike Protzer.

    "Wenn man sich die Grippewelle von diesem Jahr anschaut, deren Ende war ja genau dann, als Corona bei uns auftauchte. Als dann alle angefangen haben Abstand zu halten, all die Hygienemaßnahmen zur ergreifen, da ist dann die Grippewelle schlagartig abgebrochen. Das spricht absolut dafür, dass die Maßnahmen, die wir ergreifen, insgesamt die Atemwegsinfektionen von uns fernhalten." Ulrike Protzer, Professorin am Lehrstuhl für Virologie an der TU-München

    Jeder Einzelne kann etwas tun

    Beide Mediziner, Ulrike Protzer und Markus Frühwein betonen aber auch, dass weder Hygieneregeln, noch die beste Medizin allein, etwas ausrichten können. Es komme besonders auf die Menschen an und darauf, dass möglichst viele mitmachen, dafür plädiert Markus Frühwein.: "Ich glaube, es ist wichtig, dass man sich zumindest an diese ganzen Grundmaßnahmen hält, mit der Maskenpflicht, mit Abstand halten und so weiter. Hier hat man einfach sehr viel Verantwortung für andere. Das driftet aber im Moment manchmal in die falsche Richtung: Eine Wirtshaus-Wiesn ist hier sicher nicht zuträglich."

    So sieht es auch Ulrike Protzer: Denn, dass wir bisher so gut durch die Krise gekommen sind, sei besonders der Solidarität, in den letzten Monaten, zu verdanken. "Alle Menschen haben mitgemacht und das war ganz ganz wichtig. Insofern ist schon das agieren miteinander, aber auch das füreinander da zu sein, so wichtig. Selbst wenn ich nicht so betroffen bin, weil ich jung bin, weil ich gesund bin und damit kein hohes Risiko habe. Es ist das Füreinander, für ältere Menschen, für Menschen mit Vorerkrankungen", sagt Protzer.

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