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Gold ist von Dauer: Kulturgeschichte eines Metalls | BR24

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Goldbarren

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    Gold ist von Dauer: Kulturgeschichte eines Metalls

    Von der Himmelsscheibe von Nebra über antike Münzen bis zur Gegenwart: Gold hat Menschen von jeher fasziniert. Doch was so glänzt, hat auch gewaltige Schattenseiten - die bisweilen tiefe Wirtschaftskrisen oder den Untergang ganzer Völker auslösten.

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    Das einzig wirklich Besondere sind seine chemischen und physikalischen Eigenschaften: Gold korrodiert nicht und es ist säurebeständig, sein Glanz von Dauer. Das allein ist der Ursprung von Magie, Mythos und Macht.

    Dass Gold überaus wertvoll war, lange bevor es als Tausch- und Zahlmittel im materiellen Sinn benutzt wurde, zeigen prähistorische Funde. Das wohl bedeutendste Artefakt dieser Art in Deutschland ist die sogenannte Himmelscheibe von Nebra.

    Prähistorische Sterne aus Gold

    Sie ist benannt nach dem kleinen Ort in Sachsen-Anhalt, in dessen Nähe die Scheibe Jahrtausende im Boden vergraben war. Ausgestellt ist sie heute im Museum für Vor-und Frühgeschichte in Halle. Museumsführer begrüßen Besucherinnen und Besucher in der Regel mit folgenden Worten: "Hier ist nun die Himmelsscheibe im Original zu sehen und sie ist mit der Datierung von 3.600 Jahren die älteste konkrete Darstellung des Kosmos."

    Gold wurde aus Cornwall geholt

    In dem Raum im zweiten Obergeschoss herrscht nahezu Dunkelheit, damit das goldene Funkeln auf der kreisförmigen, grün oxidierten Bronzeplatte besonders zur Geltung kommt: Mondsichel, Sonne und über zwanzig Sterne, das heißt alle kosmologischen Applikationen dazu noch eine abstrahierte Barke sind aus Gold.

    Dieses Metall stammt nachweislich aus Cornwall in England. Im vierten Jahrtausend von Christus war Menschen in Mitteleuropa offensichtlich ein Gegenstand, der sowohl wissenschaftlichen als auch kultischen Charakter hatte, so wichtig, dass sie dafür ein Metall von unendlich weit her mit unendlich viel Mühe heranschafften. Sie wussten, dass Gold quasi unverwüstlich ist – außerdem rar.

    Krösus soll Goldmünzen eingeführt haben

    Der lydische König Krösus soll der Erste gewesen sein, der (550 v. Chr.) offiziell gültige Goldmünzen prägen ließ. Cäsar belohnte seine Legionäre nach erfolgreichen Schlachten mit hohen Goldsummen. Die römischen Kaiser lebten und regierten auf großem Fuß, die Staatsverschuldung nahm zu. Irgendwann wurden die Machthaber gezwungen, den Goldanteil der Münzen zu verringern. So wurde im Römischen Reich etwas in die Welt gesetzt, das Volkswirte bis heute fürchten.

    Erste Inflationen durch weniger Goldgehalt

    "So, dass die Kaiser den Wert der Goldmünzen quasi reduziert hatten, und das hat dann natürlich einen massiven Preisdruck ausgelöst und das hat entsprechende Inflationen erzeugt", erklärt Gerhard Illing, Professor für Makroökonomie an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

    Trotzdem hielten sich in Europa Goldmünzen als Zahlungsmittel stabil über Mittelalter und Neuzeit bis zur Wende zum 20. Jahrhundert. Der Vorteil: Gold wurde, egal in welchem Land geprägt und mit welchem Herrscher-Konterfei, überall zwischen Schweden und Spanien akzeptiert.

    "El Dorado" beflügelte die spanischen Eroberer

    Gold löste aber auch gewaltige politische Disruptionen und gesellschaftliche Dynamiken aus: Im 16. Jahrhundert strömten die spanischen Konquistadoren nach Südamerika, angelockt vom prachtvollen Schmuck der in ihren Augen "primitiven Wilden".

    "El Dorado – der Goldene", nannten die Spanier einen sagenhaften Ort, irgendwo jenseits des Amazonas-Tieflandes, der angeblich vor Gold nur so starrte. In Südamerika ging deshalb eine Hochkultur in Gier und Gemetzel unter.

    Währenddessen stiegen die Könige aus der Linie der spanischen Habsburger dank des neuen Reichtums zu den mächtigsten Herrschern ihrer Zeit auf. Goldfunde in Kalifornien und Alaska führten im 19. Jahrhundert zu Migrationen und Besiedelung bislang kaum beachteter Regionen

    Der Schatz des Priamos ging nach Berlin

    Artefakte aus Gold haben bis heute einen hohen Symbolwerte. Im Mai 1873 gelang es dem deutschen Hobby-Archäologen Heinrich Schliemann, den sogenannten Schatz des Priamos auszugraben. "Jeder kennt das Bild, wie seine Frau Sofia dann dieses Goldgeschmeide getragen hat", sagt Antikenexpertin Katarina Horst.

    Schliemann stahl damals den berühmten Goldschatz aus türkischem Boden und schenkte ihn Berlin, der Hauptstadt des gerade frisch gegründeten deutschen Kaiserreiches. Ganz große Symbolik. Aber das war es immer: vom biblischen Tanz ums goldene Kalb bis zur wertvollsten Leiche der Filmgeschichte, das nackte Bond-Girl, das ganz mit Gold überzogen wird und deshalb einen ikonischen Tod stirbt. Gold als Metapher weit über seinen materiellen Wert hinaus.

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