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Glutenunverträglichkeit: Was Sie über Zöliakie wissen sollten | BR24

© picture alliance / dpa Themendienst/ Fotograf: Florian Schuh

Am 16. Mai ist Welt-Zöliakie-Tag. Er ist Menschen gewidmet, die an Glutenunverträglichkeit leiden - in Deutschland sind das rund 800.000.

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Glutenunverträglichkeit: Was Sie über Zöliakie wissen sollten

Wer Gluten nicht verträgt, leidet möglicherweise an Zöliakie. In Deutschland sind das rund 800.000 Menschen. Was das Krankheitsbild für Betroffene bedeutet und worauf sie besonders achten müssen, darauf will der Welt-Zöliakie-Tag aufmerksam machen.

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Zöliakie (früher bei Erwachsenen auch als "einheimische Sprue" bezeichnet) ist eine Magen-Darm-Erkrankung, die durch eine Unverträglichkeit von Gluten - einem Klebereiweiß, das in Getreidearten wie Weizen, Roggen, Dinkel und Gerste enthalten ist - verursacht wird. Die Unverträglichkeit löst eine Entzündung der Dünndarm-Schleimhaut aus, die zu Mangelerscheinungen und zu weiteren Erkrankungen führt. Rund ein Prozent der Bevölkerung in Deutschland leidet an Zöliakie.

Zöliakie ist keine Allergie

Obwohl Zöliakie auch Merkmale einer Allergie aufweist, zählt sie zu den Autoimmunerkrankungen. Damit unterscheidet sich die Zöliakie sowohl von der Weizenallergie als auch von der sogenannten Nicht-Zöliakie-Nicht-Weizenallergie-Weizensensitivität.

Die Zöliakie hat wohl vor allem genetische Ursachen. Aber auch das Immunsystem, Infektionen, die Ernährung und Umweltfaktoren scheinen die Entwicklung der Krankheit zu beeinflussen. Die komplexen Zusammenhänge sind bisher noch nicht vollständig geklärt.

Was ist Gluten?

Gluten ist ein Klebereiweiß, das im Mehlkörper des Korns sitzt. Viele Getreidearten wie Weizen, Gerste, Roggen und Hafer enthalten Gluten. Das Klebereiweiß sorgt dafür, dass beim Mischen von Wasser und Mehl eine gummiartige, elastische Masse entsteht, die gut gebacken werden kann. Ohne Gluten würde Teig auseinanderfallen und im Ofen hart werden.

Was löst Zöliakie im Körper aus?

Im Dünndarm von Zöliakie-Betroffenen verursacht Gluten Entzündungen der Dünndarmzotten, die für die Nährstoffaufnahme zuständig sind. Durch die Entzündungen bilden sich die Darmzotten zurück, was die Nährstoffaufnahme durch den Dünndarm vermindert.

Symptome der Zöliakie

Die typischen Symptome einer Zöliakie sind Bauchschmerzen und Durchfall. Daneben können zahlreiche weitere Symptome auftreten, die durch die mangelnde Nährstoffaufnahme bedingt sind.

Im Kindesalter sind typische Anzeichen für eine Zöliakie:

  • Eisenmangel,
  • Wesensveränderungen,
  • Unzufriedenheit oder Weinerlichkeit sowie
  • stagnierendes Wachstum.

Weitere Folgen einer Zöliakie können sein:

  • Osteoporose, Knochenerweichung und Knochenentkalkung
  • Blutarmut
  • Schlaflosigkeit,
  • Müdigkeit,
  • Depressionen oder gar Unfruchtbarkeit
  • wichtige Bestandteile in der Ernährung können nicht verdaut werden.

Diagnose einer Zöliakie

Vor allem Kinder, die entsprechende Symptome aufweisen, sollten unbedingt auf Zöliakie getestet werden. Eine Zöliakie kann nur mithilfe eines Bluttests und einer Dünndarmbiopsie (Spiegelung) diagnostiziert werden. Endgültige Gewissheit über das Vorliegen der Zöliakie schafft allerdings nur eine Gewebeprobe des Dünndarms. Sie sollte man vor der Umstellung auf glutenfreie Nahrungsmittel durchführen.

Auf was Betroffene bei einer Zöliakie achten müssen: die Therapie

Wer an Zöliakie leidet, muss sich ein Leben lang glutenfrei ernähren. Denn nur so kann sich die Dünndarm-Schleimhaut regenerieren und eine normale Nährstoffaufnahme gewährleisten. Medikamente gegen Zöliakie gibt es nicht.

In den meisten Fällen tritt bereits wenige Wochen nach der Ernährungsumstellung eine Besserung ein und die Krankheitssymptome verschwinden. Aber Achtung: Bereits die Aufnahme kleinster Mengen an Gluten kann erneut zu Entzündungen und Beschwerden führen.

Wie erkenne ich glutenfreie Lebensmittel? – Kennzeichnungspflicht

Insbesondere Backwaren wie Semmeln, Kuchen und Pizza enthalten Gluten. Aber auch Nudeln und Bier können Gluten enthalten. Grundsätzlich gilt: Alles, was Weizen, Roggen, Dinkel und Gerste enthält, beinhaltet auch Gluten. Ausnahmen gibt es aber bei industriell hergestellten Lebensmitteln. Sie können auch dann Gluten enthalten, wenn sie eigentlich ohne glutenhaltige Zutaten hergestellt wurden. Das ist möglich, wenn gleichzeitig glutenfreie und glutenhaltige Lebensmittel produziert werden.

Seit November 2005 müssen alle verpackten glutenhaltigen Produkte entsprechend gekennzeichnet sein. Seit 13. Dezember 2014 gilt dies auch für sogenannte lose Ware. Lebensmittel gelten als glutenfrei, wenn sie nicht mehr als 2 Milligramm auf 100 Gramm Gluten enthalten. Die Deutsche Zöliakie Gesellschaft e.V. hat eine Auswahl glutenfreier Lebensmittel in einer Liste zusammengestellt.

Auch auf Verpackungen von an sich glutenfreien Lebensmitteln ist häufig der Hinweis "kann Spuren von Gluten enthalten" zu finden. Da dies aufgrund der industriellen Herstellung möglich ist, dient er der rechtlichen Absicherung der Hersteller. Auf die Kennzeichnungspflichten glutenhaltiger Lebensmittel verweist unter anderem die Deutsche Zöliakie Gesellschaft e.V..

Der Welt-Zöliakie-Tag

Der Welt-Zöliakie Tag wurde 2002 von den Europäischen Zöliakie Gesellschaften (AOECS - Association of European Coeliac Societies) ins Leben gerufen. In vielen europäischen Ländern finden rund um den Welt-Zöliakie-Tag verschiedene Aktionen, Feste oder auch Demonstrationen statt. Der Tag soll auf die Probleme Zöliakie-Kranker aufmerksam machen. Seit 2014 ist der 16. Mai der offizielle Welt-Zöliakie-Tag.

© Bayerischer Rundfunk

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