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Gift im Mehl: Welche Folgen hat Mutterkorn für die Gesundheit? | BR24

© picture-alliance/dpa

Weizenähre mit Mutterkorn

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    Gift im Mehl: Welche Folgen hat Mutterkorn für die Gesundheit?

    Anfang der Woche wurde Roggenmehl aus dem Handel zurückgerufen. Grund: Im Mehl waren erhöhte Mengen von Alkaloiden. Diese stecken im sogenannten Mutterkorn. Aber was genau ist das und was hat das für Folgen für die Gesundheit?

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    Das Unternehmen Kunstmühle Reisgang rief in Bayern verkauftes Roggenmehl zurück. Betroffen sind Produkte mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum 17.07.2020. In dem Produkt "Roggenmehl Type 1150" sei eine erhöhte Konzentration sogenannter Alkaloide festgestellt worden, teilte das Unternehmen am Montagabend mit. Diese Alkaloide finden sich hauptsächlich im Mutterkorn, das auf Getreideähren und Gräsern wächst.

    Was ist Mutterkorn?

    Das dunkel gefärbte, zwei bis fünf Zentimeter lange, giftige Mutterkorn ist der Dauerkörper des Pilzes "Claviceps purpurea". Dieser befällt verschiedene Gräserarten - darunter auch Getreidesorten wie Roggen, Weizen, seltener Gerste und Hafer. Besonders wenn der Frühsommer feucht ist, tritt der Pilz häufiger auf.

    Gesundheitliche Auswirkungen des Mutterkorns

    Fünf bis zehn Gramm frisches Mutterkorn können für einen Erwachsenen tödlich sein. Es kann zu Atemlähmungen und Kreislaufversagen führen. Heutzutage wird das Getreide streng kontrolliert, sodass für die Verbraucher keine Gefahr besteht.

    Die Mengen im zurückgerufenen Mehl sind nicht lebensbedrohlich, könnten aber gegebenenfalls zu Übelkeit, Kopfschmerzen, Bluthochdruck - und "in seltenen Fällen" zu Halluzinationen führen.

    Antoniusfeuer - Geißel im Mittelalter

    Im Mittelalter allerdings war das Mutterkorn eine häufige und qualvolle Todesursache. Man wusste lange nicht, wodurch das sogenannte Antoniusfeuer ausgelöst wurde. Vergiftungen durch Mutterkorn führten zu Darmkrämpfen, Halluzinationen und zum Absterben von Fingern und Zehen aufgrund von Durchblutungsstörungen, weil sich die Gefäße verengten.

    Woher hat das Mutterkorn seinen Namen?

    Das Mutterkorn wurde auch bewusst eingesetzt, um Abtreibungen durchzuführen, denn es hatte eine wehenauslösende Wirkung. Daher hat es wohl seinen Namen. Es hat im Laufe der Geschichte immer wieder zu Massenvergiftungen geführt - noch in den 20er-Jahren führte in Russland mit Mutterkorn verseuchtes Getreide zu 11.000 Erkrankungen.

    Bis heute kann man Getreide nicht zu 100 Prozent von Mutterkorn reinigen. In der EU gilt derzeit für Lebensmittelgetreide ein Grenzwert von 0,05 Prozent, also einem halbem Gramm pro Kilo Mahlgetreide.

    Getreide wird genau auf Mutterkorn untersucht

    2004 war das Jahr, in dem Mutterkorn häufig in Getreide auftrat. Doch in Bayern ist der Pilz keine Gefahr, denn in der Regel werden die Mutterkörner bei der Reinigung des Getreides in der Mühle entfernt. Dort wird das Getreide genau untersucht - durch Sieben und Sichten, den Einsatz eines Farbscanners, der die dunkleren Mutterkörner erkennt oder durch die sogenannte Windsichtung, wobei Mutterkörner durch ihre andere Dichte von den Getreidekörnern getrennt werden.

    Weniger Gift durch Backen

    Das Backen reduziert den Gehalt von Mutterkornalkaloiden um 25 bis 50 Prozent. Die von den Lebensmittelkontrolleuren gefundenen Mutterkorngehalte liegen alle weit unter dem Grenzwert und seien gesundheitlich unbedenklich. Sichtbare Mütterkörner bekommen die Prüfer des Landesamtes noch seltener zu Gesicht.