Zurück zur Startseite
Wissen
Zurück zur Startseite
Wissen

Geisternetz in der Ostsee: Todesfalle für Fische und Vögel | BR24

© Wolf Wichmann/archaeomare/dpa

2014: Ein Dorsch hat sich in einem Geisternetz in der Ostsee vor Rügen (Mecklenburg-Vorpommern) verfangen

Per Mail sharen
Teilen

    Geisternetz in der Ostsee: Todesfalle für Fische und Vögel

    Ein 500 Meter langes Geisternetz hat die Umweltstiftung WWF aus der Ostsee vor Warnemünde geborgen. Taucher sahen darin viele verhedderte tote Fische und Kormorane.

    Per Mail sharen
    Teilen

    Wie die Umweltorganisation WWF mitgeteilt hat, haben die Taucher am 7. August 2018 auf einem Erkundungstauchgang das Geisternetz in der Ostsee entdeckt. Darin befanden sich 60 bis 70 tote Fische. Vor allem Schollen, Flundern, Steinbutte und auch einige Dorsche hätten sich dort verstrickt. Auch für zwei Kormorane wurde das Geisternetz zur Todesfalle: Sie erstickten.

    Todesfalle auch für Wale und Robben

    "Das Geisternetz stand in Teilen noch aufrecht am Meeresboden, sodass sich Fische und Meeresvögel weiter darin verfangen haben", sagte Andrea Stolte, Projektmanagerin für Geisternetze beim WWF in Stralsund. In den herumgeisternden, verlorenen Stellnetzen könnten sich zudem Robben und Schweinswale verheddern und sterben.

    Kennzeichnungspflicht für Stellnetze wichtig

    Ein Mitarbeiter der Universität Rostock habe das Geisternetz beim Schnorcheln entdeckt und den WWF darauf aufmerksam gemacht, erklärte Stolte. Das Netz sei nicht mit Bojen oder Fähnchen gekennzeichnet gewesen. Dies sei illegal, so Stolte: "Gerade solche Funde zeigen, wie wichtig es ist, die Kennzeichnungspflicht für Stellnetze auch durchzusetzen."

    Was sind Geisternetze?

    Als Geisternetze werden herrenlose Fischernetze bezeichnet, die sich von Fangschiffen gelöst haben, oder Stellnetze, die bei Sturm losgerissen sowie von anderen Schiffen überfahren und nicht wieder eingesammelt werden. Einige von den Geisternetzen verhaken sich an Hindernissen am Meeresboden. Zudem entsorgen Fischer ihre kaputten Netze nicht ordnungsgemäß im Hafen sondern einfach auf See.

    Meer voll Geisternetze

    Nach WWF-Angaben besteht etwa ein Zehntel des weltweiten Plastikmülls im Meer aus verlorenem Fischereigerät. Greenpeace schätzt, dass jährlich bis zu 25.000 Fischernetze in europäischen Meeren landen. Gemäß einer polnischen WWF-Studie sollen allein in der Ostsee jährlich 5.000 bis 10.000 Netze und Netzteile verloren gehen.

    Geisternetze als dauerhafter Plastikmüll im Meer

    Sie treiben als Plastikmüll umher, sinken auf den Meeresboden und werden zu tödlichen Fallen für Meeresbewohner. Zudem zerfällt das Plastik nur sehr, sehr langsam. Laut WWF könne es 400 bis 600 Jahre dauern, bevor sich ein Netz aus Kunststoff im Meer zersetzt. Größere Plastikstücke und -teile werden immer kleiner und feiner und belasten das Meer schließlich als Mikroplastik. Über Meerestiere gelangen diese Mikroteilchen auch in die menschliche Nahrungskette. Da Fischereinetze fast immer aus einem Kunststoff-Materialmix bestehen, lassen sich ausgediente Netze bisher noch nicht sinnvoll recyclen.