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Gefährliche Keime: So bleibt die Waschmaschine hygienisch sauber | BR24

© dpa-Bildfunk/Oliver Berg

Gefährliche Keime können über Waschmaschinen verbreitet werden.

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Gefährliche Keime: So bleibt die Waschmaschine hygienisch sauber

Sauber und porentief rein - was Waschmittelwerbung suggerieren mag, stimmt häufig leider nicht. Denn selbst die duftigste Wäsche kann gesundheitsgefährdende Keime enthalten. Tipps für eine saubere Waschmaschine.

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Dass Wäsche, die in der Waschmaschine gewaschen wurde, hundertprozentig sauber und keimfrei ist, ist ein Trugschluss. Denn in Waschmaschinen tummeln sich unzählige Keime, die unsere Gesundheit gefährden können - vor allem im Spülfach und in der Gummidichtung. Diese Vermutung ist nicht neu und wurde im September 2019 in einer Untersuchung bestätigt. In dieser wurden antibiotikaresistente Keime in der Babywäsche eines Kinderkrankenhauses gefunden.

Waschen bei 60 oder 95 Grad?

Diese Ergebnisse haben auch Konsequenzen für den häuslichen Bereich. Denn aus Umweltschutzgründen geht bei üblichen Haushaltsmaschinen der Trend zu niedrigeren Temperaturen deutlich unter 60 Grad Celsius. Dies ist im Prinzip eine positive Entwicklung, weil dadurch Energie eingespart und das Klima geschont wird. Doch so handelt man sich schnell Bakterien und Schimmelpilze in der Waschmaschine ein.

Tipps gegen Keime und Schimmelpilze in der Waschmaschine

  • Pilzbefall in der Waschmaschine erkennen Sie an kleinen schwarzen oder grünen Punkten sowie einem muffigen Geruch (auch der Wäsche) oder schleimigen Belag in der Einspülkammer. Die Waschmaschine sollte man zweimal im Monat reinigen. Dazu zuerst die Waschmittelschublade herausnehmen und gründlich mit einer Bürste reinigen.
  • Um die Bildung von Biofilmen vorzubeugen, sollte jede fünfte Wäsche, aber mindestens alle zwei Wochen, ein 60° C-Waschgang mit einem bleichmittelhaltigen Vollwaschmittel erfolgen.
  • Ist ein Mitglied im Haushalt krank oder immungeschwächt, sollte die Wäsche mindestens mit 60° C und mit einem bleichmittelhaltigen Vollwaschmittel gewaschen werden. Leidet jemand unter Hausstaubmilben oder sind hartnäckige Krankheitserreger wie Samonellen im Spiel, empfiehlt es sich, die Wäsche ggf. auch mit höheren Temperaturen zu waschen.
  • Manche Wäschestücke sollten aus Hygienegründen bei 60° C gewaschen werden. Dazu zählen zum Beispiel Unterwäsche, Bettwäsche, Spüllappen und Handtücher.
  • Nach dem Waschen sollte man die Klappe/Tür der Waschmaschine und die Waschpulverschublade offen stehen lassen, damit das Gerät trocknen kann. Entfernen Sie zusätzlich noch Wasserreste vom Gummirand der Tür/Trommel mit einem Lappen.
  • Verwenden Sie keinen Essig oder Essigessenz für die Waschmaschine, diese können die Kunststoffteile des Gerätes angreifen. Reinigen Sie auch regelmäßig das Flusensieb der Waschmaschine (meist eine Klappe unten am Gerät) und lassen Sie das Restwasser ab.

Quellen: Forum Waschen und die Verbraucherzentrale Hamburg

© BR/Abendschau

Frisch gewaschene Wäsche ist sauber und duftend. Aber passiert es Ihnen öfter, dass die frische Wäsche eher schlecht riecht? Wenn ja, dann liegt das an Bakterien und Pilzen in Ihrem Gerät. Tipps für frische Wäsche und eine saubere Maschine.

Hintergrund: Antibiotikaresistente Keime in Babywäsche eines Kinderkrankenhauses

Forscher der Universität Bonn haben nachweisen können, dass in einem Kinderkrankenhaus Antibiotika-resistente Keime mit einer handelsüblichen Waschmaschine übertragen wurden. Die Gefahr bestehe auch für Privathaushalte, was für bestimmte Personengruppen Konsequenzen haben könne, so ihr Fazit. Ihre Untersuchung stellten die Wissenschaftler am 27. September 2019 im Fachmagazin "Applied and Environmental Microbiology" vor.

"Wir haben erstmals nachgewiesen, dass es durch eine Waschmaschine auch zur Übertragung von Antibiotika-resistenten Keimen auf den Menschen kommen kann." Martin Exner, Direktor des Hygiene-Instituts IHPH am Bonner Uniklinikum

Bakterium nur gefährlich für Ältere, Kranke oder Neugeborene

Auf der Neugeborenenstation eines Kinderkrankenhauses wurde bei routinemäßigen Hygiene-Screenings mehrfach das Bakterium Klebsiella oxytoca festgestellt. Das Bakterium kann zu Magen-Darm- und Atemwegsinfektionen sowie im schlimmsten Fall zur tödlichen Sepsis führen.

Für gesunde Menschen, die eine haushaltsübliche Waschmaschine verwenden, habe das Ergebnis keine Folgen, sagt Studienleiterin Ricarda Schmithausen.

"Für einen normal gesunden Menschen mit einem intakten Immunsystem besteht keine Gefahr durch resistente Erreger, selbst wenn er einen solchen Keim in seinen Schleimhäuten in sich tragen sollte." Studienleiterin Ricarda Schmithausen, Institut für Öffentliche Hygiene und Gesundheit am Uniklinikum Bonn

Ein potenzielles Risiko sehen die Forscher allerdings für empfindliche Personengruppen - abwehrgeschwächte Menschen, Schwerkranke, die chronische Wunden haben oder mit Dauerkathetern leben, Personen mit eiternden Verletzungen oder Infektionen sowie neugeborene Säuglinge.

Verbreitungsweg des Erregers eindeutig nachweisbar

Das nachgewiesene Bakterium vom Typ Klebsiella oxytoca, das auf Neugeborene übertragen wurde, gehört zu einem Bakterientyp, der bislang noch nicht in der Datenbank des Nationalen Referenzzentrums (NRZ) für Gramnegative Krankenhauserreger erfasst wurde. Diese Besonderheit war ein Vorteil, weil sich so der Verbreitungsweg eindeutig nachvollziehen ließ. Weder Eltern noch das Pflegepersonal hatten die Bakterien übertragen.

"Der Klebsiella-oxytoca-Typ war eindeutig im Spülfach und am Türgummi einer Waschmaschine im Keller nachzuweisen, mit der die handgestrickten Söckchen und Mützchen der Babys auf der Station gewaschen wurden." Martin Exner, Direktor des Instituts für Hygiene und Öffentliche Gesundheit der Universitätskliniken Bonn

Waschmaschine entfernt – Infektionen gebannt

Normalerweise sind in Krankenhäusern spezielle Waschmaschinen und Waschverfahren im Einsatz, die bei hohen Temperaturen und mit Desinfektionsmitteln waschen. Auf der Frühgeborenenstation handelte es sich bei dem etwas länger zurückliegenden Fall aus den Jahren 2012 bis 2013 dagegen um eine handelsübliche Waschmaschine, wie die Bonner Universität berichtete. Als die Waschmaschine nicht mehr verwendet wurde, hörten auch die Infektionen auf.