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Gefährliche Giftstoffe in Outdoor-Kleidung | BR24

© picture alliance / dpa/ Fotograf: Felix Kästle

Praktisch, aber gefährlich: Manche Chemikalien, die für Outdoor-Kleidung eingesetzt werden, sind für Gesundheit und Umwelt schädlich.

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    Gefährliche Giftstoffe in Outdoor-Kleidung

    Atmungsaktiv, wasserdicht, öl- und schmutzabweisend soll sie sein, doch manche Chemikalien, die für Outdoor-Kleidung eingesetzt werden, schaden Umwelt und Gesundheit. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) rät beim Kauf zu fluorfreien Textilien.

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    Was Funktionskleidung nicht nur bei Sportlern immer beliebter macht, kann für die Gesundheit und die Umwelt gefährlich sein. Das geht aus einer jetzt von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) veröffentlichten Untersuchung hervor. Dies gilt besonders für die zur Beschichtung der Kleidung eingesetzten sogenannten PFC, die per- und polyfluorierte Chemikalien, die die Textilien öl- und schmutzabweisend machen sollen. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) rät daher, auf den Kauf von solchen Materialien zu verzichten und lieber zu fluorfreien Stoffen zu greifen.

    Keine Alternative für öl- und schmutzabweisende Beschichtung

    "Vor allem PFC, also per- und polyfluorierte Chemikalien, bleiben sehr lange in der Umwelt, reichern sich in Organismen an, sind gesundheitsgefährdend und können die Fortpflanzung beeinträchtigen", fasst Max Hempel, DBU-Fachreferent für Umweltchemie, das Ergebnis der Untersuchung und der Abschlussveranstaltung mit Vertretern von Hochschulen, Umweltbundesamt und Outdoorunternehmen zusammen. Während langkettige PFC mit mehr als acht Kohlenstoffatomen 2016 deshalb von der Europäischen Union (EU) als Substanzen "mit besonders Besorgnis erregenden Eigenschaften" eingestuft und für viele Anwendungen verboten worden seien, ist der Einsatz kurzkettiger Chemikalien noch erlaubt.

    "Bisher wurden kurzkettige PFC als Alternativen für die langkettigen angesehen", erläutert Projektleiter Stefan Stolte vom Institut für Wasserchemie an der Technischen Universität Dresden. Nach dem Ergebnis der Untersuchung kann der Einsatz dieser kurzkettigen PFCs aber nicht mehr als unbedenkliche Alternative gewertet werden. "Die Nutzung von kurzkettigen PFC birgt neue Gefahren, weil diese viel mobiler in der Umwelt sind", sagt Jürgen Arning vom Umweltbundesamt in Dessau. "Bei persönlicher Schutzkleidung wie im Krankenhaus oder bei der Feuerwehr macht der Einsatz von öl- und schmutzabweisenden Materialien Sinn", so der Wissenschaftler. Aber im normalen Alltag und bei der Freizeitgestaltung würden atmungsaktive und wasserabweisende Funktionen reichen, die auch ohne fluorhaltige Chemikalien erzielt werden könnten und im Markt auch angeboten würden.

    Gefahr durch Herstellung in Asien

    Die an der Untersuchung beteiligten Experten verwiesen bei der Präsentation der Untersuchung auch auf die Notwendigkeit der Einhaltung hoher Standards für eine risikoarme Herstellung von Textilien. Bei vielen Produktionsstätten beispielsweise in Asien gebe es diese Standards wie geschultes Personal, sichere Produktionsstätten und ein gutes Abfallmanagement aber nicht, bemängelt Projektleiter Stolte von der TU Dresden. "Im Labor haben wir unter kontrollierten Bedingungen nachgewiesen, dass krebserregende, giftige oder gesundheitsschädliche Verbindungen zur Herstellung der Textilien verwendet werden", sagt Stolte. Die Nutzung problematischer Chemikalien bei der Produktion bedeute aber nicht, dass diese auch in den Textilien zu finden seien, stellt Stolte heraus.

    Konsequenz: Überprüfung der Lieferketten

    Um die Gefahr für Umwelt und Gesundheit durch die bei der Herstellung von Outdoor-Kleidung verwendeten Chemikalien zu minimieren, soll künftig die Einhaltung gesetzlicher Standards besser kontrolliert werden. Zudem sollen Lieferketten transparenter gemacht werden. Max Hempel, DBU-Fachreferent für Umweltchemie, rät dem Verbraucher, beim Kauf von Outdoortextilien auf die Inhaltsstoffe zu achten oder im Geschäft nachzufragen. Kritisch sehen die Projektbeteiligten derzeit allerdings die Deklaration der Inhaltsstoffe. In den untersuchten Proben wurden Gefahrstoffe nachgewiesen, die der Hersteller teilweise aber nicht angegeben habe, kritisiert Hempel von der DBU.