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© Thomas Staab, LBV-Bildarchiv
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Ein Insektenhotel - Nisthilfe für Wildbienen

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    Welche Insektenhotels den Wildbienen wirklich helfen

    In Bau- und Gartenmärkten oder auch beim Discounter gibt es schon Nisthilfen für Insekten. Doch ohne Ausbau taugen die meist wenig und gefallen mehr den Besitzern als den Wildbienen. Es gibt einiges zu beachten, damit Nisthilfen den Tieren nützen.

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    Von
    • Anton Rauch

    Insektenexperten sind sich einig: Insektenhotels sind häufig eine Zierde, aber eben keine echten Nisthilfen für Wildbienen oder Florfliegen.

    Hohlziegel müssen bearbeitet werden

    Was in Baumärkten angeboten wird, schaut oft gut aus - mit Dach und Löchern, hohlen Ziegelsteinen, Fichtenscheiben mit Löchern oder leeren Schneckenhäusern.

    Ein beliebtes Baumarkt-Produkt sind fertige Hohlziegel. Allerdings sollten sie keinesfalls einfach nur aufgestellt oder in einen Kasten eingebaut werden. Der Grund: Fertige Hohlziegel haben viel zu große Löcher. Die müssen zuerst hinten geschlossen werden, damit Wildbienen während ihrer kurzen Lebensspanne von vier bis sechs Wochen dort überhaupt ihre Eier ablegen können. Damit die Löcher enger werden, könnte es auch helfen, wenn man Grashalme in die Löcher steckt. Bambus- oder Schilfstängel gehen auch, wenn sie glatte Schnittkanten haben.

    Wildbienen haben andere Bedürfnisse als Honigbienen

    Tatsächlich ist die Kundschaft der Insektenhotels sehr klein. Wildbienen sind lange nicht so groß wie Honigbienen. Die sind elf bis 13 Millimeter lang. Die Königin kann sogar 18 Millimeter werden. Die Wildbienen dagegen sind bei nur etwa vier bis neun Millimeter klein und wiegen nur wenige Milligramm.

    Anders als Honigbienen bilden Wildbienen keine Staaten. Die meisten Wildbienen sind Einzelgänger. Die Weibchen bauen ihre Nester allein und versorgen ihre Brutzellen ohne die Hilfe von Artgenossen. Je nach Bienenart können das Spalten im Gemäuer sein, Fraßgänge von Käferlarven, hohle Pflanzenstängel oder kleine Löcher im Boden. Manche Arten schaffen sich ihre Brutröhren selbst, andere besiedeln vorhandene Hohlräume. Will der Mensch eine Nisthilfe bieten, muss er das berücksichtigen.

    Vor "Organomüll" wie er sich in den Fächern der vorgefertigten Insektenhotels findet, sollte sich ein Gartler hüten, wie es der Erdinger Wildbienenexperte Werner David von den Naturgartenfreunden drastisch ausdrückt. Denn findet man dort Kiefernzapfen, Borkenschuppen, Stroh, Heu, dann gehe da "vielleicht ab und zu eine Spinne rein, aber irgendwelche Wildbienen werden wir da nicht finden", sagt David.

    Insektenhotel selbst bauen: Holzscheiben aus Fichte ungeeignet

    Wildbienen brauchen also verschieden große, relativ kleine und saubere Löcher, damit sie dort ihre Eier ablegen können. Das können senkrechte hohle Pflanzenstängel sein, oder Bohrlöcher in einem Holzblock. Der sollte aber aus Hartholz sein, nicht aus Fichte oder Kiefer. Diese Holzarten splittern leicht, wenn man parallel zur Faser bohrt. Und sie harzen. Im Holzhandwerk heißen solche Stirnholzscheiben auch Hirnholz, sagen die Naturgartenfreunde.

    Kleine Löcher im Hartholz ideal für Wildbienen

    Es taugen Besenstiele oder Holzabfälle, die Baumärkte gerne abgeben oder nach denen man etwa beim Schreiner fragen kann. Auch abgeschnittene Äste von Obstbäumen eigneten sich gut, wenn sie nicht zu morsch seien, sagt die Verhaltensforscherin Angelika Nelson vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) in Cham. Verwendet man Baumscheiben aus gut abgelagerter Robinie oder Eiche (sehr hart!) und setzt die Gänge mit 1,5 bis zwei Zentimeter Abstand, werden sie gerne von Mauer- oder Scherenbienen genutzt.

    Vielfältige und geschützte Standorte sind wichtig

    Viele verschieden große Löcher vor allem zwischen zwei Millimeter und acht Millimeter Durchmesser sind gut; je breiter das Spektrum, desto größer die Chance, dass wirklich Wildbienen einziehen. Angelika Nelson vom LBV in Cham empfiehlt deshalb, die Ränder vorne abzuschleifen. Außerdem sollten sie auch innen geschliffen werden, weil die Wildbienen sich sonst verletzten.

    Rund 30 Wildbienenarten kommen dafür als Bewohner in einem Insektenhotel in Frage. Angelika Nelson empfiehlt außerdem, die Brutlöcher zum Beispiel vor Insektenliebhabern wie Vögeln zu schützen, etwa mit Kaninchendraht. Auf jeden Fall sind mehrere verteilte Nisthilfen gut, denn auch Nesträuber wie Wespen interessieren sich für die Wildbienenbrut.

    Grundsätzlich wird eine Röhre von hinten nach vorne mit Eiern bestückt. Jedes Ei erhält einen genau bemessenen Nahrungsvorrat und eine frisch gemörtelte Trennwand zum Nachbar-Ei. Weil die Zeit drängt, muss die Biene ihren Arbeitsaufwand so gering wie möglich halten. Deshalb braucht sie nichts, was groß und vorgefertigt ist, oder gar gefährlich. Dafür zwängt sie sich gerne in kleine saubere Löcher.

    Auch anderen Hautflüglern hilft man mit den Insektenhotels. Sonnig, windgeschützt und fest sollten sie sein und nicht im Gebüsch versteckt, so dass Insekten gut ein- und rausfliegen können.

    Käfer brauchen Totholz, Laubhaufen und Löcher am Boden

    Käfer nutzen Insektenhotels nicht. Sie bevorzugen Totholz oder Löcher am Boden. Manche Arten, etwa Marienkäfer, legen ihre Eier an die Unterseite von Blättern und haben deshalb nichts von Nisthilfen. Angelika Nelson weist darauf hin, dass Kinder gerne basteln. Mit ihnen könnten man beispielsweise eine Ohrwürmer-Wohnstatt bauen. Einen kleinen Blumentopf umdrehen, mit Holzwolle füllen und Kaninchendraht darumbinden, damit Vögel das Nistmaterial nicht rausziehen können.

    Wildbienen als wichtige Bestäuber wertvoll und geschützt

    Wie die Honigbienen sammeln auch Wildbienen Nektar und Blütenstaub. Deshalb spielen sie eine wesentliche Rolle bei der Bestäubung von Blütenpflanzen. Und damit sind die rund 500 Wildbienen-Arten, die allein in Bayern vorkommen, sehr erfolgreich. Sie bestäuben im Verhältnis viel mehr Blüten als die Honigbienen. Nektar nutzen sie überwiegend für als Nahrung für sich. Dabei sind sie aber deutlich weniger wählerisch als Honigbienen.

    Außerdem sind Wildbienen und und Hummeln für die Artenvielfalt wichtig und als Nahrungsgrundlage für Vögel. Weil gerade die Wildbienen sich nur in winzigen Nuancen unterscheiden, kann es gut sei, dass sich noch unbeschriebene Arten in der Vielfalt "verstecken".

    Frühjahr eignet sich besonders, um Nisthilfen zu bauen

    Mit Gärten könne jeder seinen Beitrag leisten, dass sich Insekten wieder vermehrten, sagt Verhaltensforscherin Nelson.

    Allgemein gilt: Noch bis ins späte Frühjahr lohnt es sich, Nisthilfen zu bauen. Auch die größeren Hummeln sind dankbar für Nistkästen. Ein kleiner Holzkasten und ein Einflugloch helfen, damit die Königin dort ihren Staat aufbauen kann. Auch für Hummeln ist ein abwechslungsreicher Garten ideal. Wenn dort etwa Mäuse geduldet werden, können später Hummeln das Mauseloch besetzen.

    Tipps für Wildbienen im privaten Garten

    Naturnahe Ecken im Garten helfen auf jeden Fall. Wildbienen graben Löcher in den sandigen Boden. Außerdem sollte man keine Pestizide anwenden. Sie helfen wenig. Angelika Nelson warnt sogar davor. Insekten würden dann nach dem Ausschlüpfen zugrunde gehen. Vielmehr empfehlen Biologen, die Vielfalt der Pflanzen im Garten zu erhöhen. Dabei sind vor allem natürliche Blüten wichtig, die die Wildbienen auch nutzen können. Rosen, Dahlien, immergrüne Büsche oder Ziergräser sind hingegen nicht geeignet – und ein Kiesgarten schon gar nicht.

    Nicht nur Wildbienen haben gute Bedingungen in einem naturnahen Garten. Schmetterlinge wie Tagpfauenaugen freuen sich über Brennnesseln. Außerdem gilt: Laubhaufen, Totholz und Sand bieten guten Lebensraum für Insekten. Und: Die beste Nisthilfe taugt gar nichts, wenn in der Nähe keine einzige Blume blüht.

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