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Damit Angehörige und Ärzte bei Fällen von schweren Krankheiten wissen, wie sie handeln sollen, sind eine Vollmacht und eine Patientenverfügung notwendig. Allerdings kümmern sich viele nicht darum. Doch was passiert, wenn man keine Vollmacht hat?

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Für alle Fälle: Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung

Damit Angehörige und Ärzte bei Fällen von schweren Krankheiten wissen, wie sie handeln sollen, sind eine Vollmacht und eine Patientenverfügung notwendig. Allerdings kümmern sich viele nicht darum. Doch was passiert, wenn man keine Vollmacht hat?

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Von
  • Birgit Rätsch

Ruth Hofmann-Shahi hat es erleben müssen. Ausgerechnet am 20. Geburtstag ihres Sohnes. Der junge Mann war auf seinem Skateboard unterwegs, ordentlich schnell, er machte das ja nicht zum ersten Mal. Dann ein katastrophaler Sturz. Intensivstation. Koma. Nils´ Leben tagelang am seidenen Faden. Riskante medizinische Eingriffe, für die es Unterschriften brauchte. Aber die Eltern hatten dazu keine Befugnis.

Vorsorgevollmacht ab der Volljährigkeit wichtig

"Wer denkt bei so einem jungen Menschen daran, eine Vorsorgevollmacht auszustellen? Mir wurde erst dann bewusst, dass er ja volljährig ist. Und da er nicht mehr selbst für sich entscheiden kann, jemand anders die Entscheidung für ihn übernehmen musste. Und das waren tatsächlich nicht wir als Eltern." Ruth Hofmann-Shahi

Denn ohne Vollmacht wird vom Amtsgericht ein Betreuer bestellt, der dann entscheidet.

Der Münchner Hospizdienst Dasein e.V. berät zum Thema Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht. Mitgründerin Katharina Rizzi weiß nur zu gut, dass die meisten Menschen das Thema Krankheit und Tod ganz weit von sich wegschieben. Bis das Schicksal auf einmal die eigene Familie trifft.

Die Vorsorgevollmacht legt wichtige Entscheidungen aus allen Bereichen des Lebens, also Gesundheit, Finanzen oder Aufenthaltsbestimmung, in die Hände einer oder mehrerer Vertrauenspersonen. Wichtig: Auch Ehepartner brauchen eine Vollmacht.

Patientenverfügung: Regelmäßig aktualisieren und anpassen

In einer Patientenverfügung legt man selbst fest, wie man bei schwerer Krankheit behandelt oder auch nicht behandelt werden möchte. Aber: Einmal ausfüllen und dann in die Schublade legen – das reiche nicht. Eine Patientenverfügung bekomme viel mehr Gewicht, wenn jedes Jahr oder alle zwei Jahre Datum und Unterschrift erneuert werden, sagt Katharina Rizzi. "Damit kommuniziere ich denen, die dann die Patientenverfügung in so einer Situation in die Hände bekommen: 'Schau her, ich habe immer wieder darüber nachgedacht. Das ist wirklich meine Meinung, mein Wille, mein Wunsch, bitte respektiert den.'"

Bei der Vorsorgevollmacht sind der Austausch und das Gespräch mit demjenigen, der dann entscheiden muss, unerlässlich.

"Je mehr Sie mit dem Menschen sprechen, der dann für Sie entscheiden soll, desto eher kriegt derjenige ein Gefühl dafür, in welchen Situationen Sie sich etwas so oder so wünschen würden. Das ist das Einzige, was dem Bevollmächtigten Sicherheit und Orientierung gibt." Katharina Rizzi, Münchner Hospizdienst Dasein e.V.

Einen Notar braucht es weder für eine Vorsorgevollmacht noch für eine Patientenverfügung. Also noch ein Grund, das Thema nicht auf die lange Bank zu schieben.

Mehr zum Thema "Auf das Leben" in der Sendung STATIONEN am Mittwoch, 21.04.2021 um 19 Uhr im BR-Fernsehen und in der BR-Mediathek.

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