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Frühtest für schweren Covid-19-Verlauf? | BR24

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Vor allem für Krankenhäuser wäre es hilfreich, wenn man den Krankheitsverlauf vorhersagen könnte. Genau daran arbeitet gerade eine Gruppe von Forschern in München.

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Frühtest für schweren Covid-19-Verlauf?

Covid-19 kann sehr unterschiedlich verlaufen: von symptomfrei bis zum tödlichen Lungenversagen. Forscher versuchen jetzt früh herauszufinden: Wer muss wahrscheinlich auf die Intensivstation, wen kann man vielleicht sogar wieder nach Hause schicken?

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Tobias Herold und Tobias Weinberger vom Uniklinikum der LMU München forschen für den Ernstfall: Was, wenn viele Corona-Patienten auf einmal in die Notaufnahmen kommen? Ärzte müssen dann im Zweifel entscheiden, wer einen Beatmungsplatz bekommt und wer nicht - auch wenn die Patienten anfangs noch ähnliche Symptome haben können. Vor dieser sogenannten Triage hatten viele im Gesundheitswesen Angst, als es mit Corona losging - und man sorgt sich vor einer zweiten Infektionswelle.

"Ich denke, wenn die Zahlen wieder hochgehen werden, und wir wissen nicht, wann es soweit ist, dann kann das schon relevant werden." Tobias Weinberger, Oberarzt Uniklinikum LMU München

Erhöhte Entzündungswerte zeigen Risiko

Um in Zukunft früher zu erkennen, welcher Patient an die Beatmungsmaschine muss und welcher nicht, haben Tobias Herold und Tobias Weinberger das Blut von 89 Corona-Patienten untersucht, die im Februar und März in die Klinik gekommen sind. 32 von ihnen mussten künstlich beatmet werden. Dabei haben die Forscher einen interessanten Zusammenhang festgestellt: Je höher am Anfang die zwei Entzündungswerte CRP und Interleukin-6 im Blut der Patienten waren, desto eher versagte später die Lunge. Das Risiko war um ein Vielfaches höher.

"Das Besondere an unserer Auswertung ist: Wir konnten zeigen, dass CRP und Interleukin-6 auch als Verlaufsparameter vorhersagen können, was in den nächsten Tagen passiert" sagt Herold. "Wir können ungefähr 24 bis 48 Stunden, bevor ein Ereignis eintritt, erkennen, ob ein Patient sich verschlechtern wird oder nicht."

Urin-Test auf Corona

Auch Göttinger Forscher arbeiten an einer Art Vorhersage, und zwar mit Urin. Patienten, die später besonders schwer erkranken, haben darin schon früh Eiweiß sowie rote und weiße Blutkörperchen. Das weist auf einen Nierenschaden durch das Corona-Virus hin. "Die Niere dient uns als Wettervorhersage dafür, wie es dem ganzen Körper geht. Die Niere eignet sich also als Frühwarnsystem", sagt der Göttinger Forscher Prof. Oliver Gross.

Für eine wirklich zuverlässige Vorhersage braucht es mehr Studien. Aber auch chinesische Forscher haben gezeigt, dass hohe Entzündungswerte einen schweren Covid-19-Verlauf vorhersagen können. Daraus könnte sich auch ein neuer Therapieansatz ergeben: Werden die Entzündungswerte rechtzeitig gehemmt, könnten womöglich auch die Corona-Symptome milder ausfallen.

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