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Fremdsprache: Warum es so schwierig ist, akzentfrei zu sprechen | BR24

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Da müht man sich jahrelang ab, hat Vokabeln gelernt und Koversationskurse besucht, beherrscht eine Fremdsprache fast mühelos - aber sobald man den Mund aufmacht, ist der deutsche Akzent nicht zu überhören. Woran liegt das?

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Fremdsprache: Warum es so schwierig ist, akzentfrei zu sprechen

Sprechen Sie Englisch? Denken Sie, Ihre Aussprache sei akzentfrei und verständlich? Damit sind Sie nicht alleine. Fast jeder, der eine Fremdsprache spricht, hält seine eigene Aussprache für die beste. Das belegt eine Studie der LMU München.

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Englisch lernen die meisten bereits in der Schule. In der Regel gibt es im Englischen, was die Aussprache betrifft, kaum Klippen zu umschiffen. Wenn es da nicht den berühmten "th"-Laut gäbe. Hier können oder wollen viele die richtige Aussprache von "thick", "thin" oder "thank you" selbst nach Jahren nicht lernen. Ein Grund könnte sein, weil man als Sprecher leicht in Gefahr gerät, Speichel zu versprühen.

Taub für die eigenen Aussprachefehler im Englischen

Dennoch, und jetzt kommt das Paradoxe: Fast jeder Fremdsprachenlernende denkt, seine Aussprache sei die beste aller möglichen. Warum das so ist, haben Forscherinnen der LMU München herausgefunden und im Februar 2020 im Fachmagazin PLOS One veröffentlicht. Das Schlüsselwort, da sind sich die Sprachwissenschaftlerinnen Eva Reinisch und Nikola Eger sicher, heißt Selbstüberschätzung. Deshalb lernten Sprachschüler die Fremdsprache häufig nicht akzentfrei.

"Viele Menschen überschätzen das eigene Niveau ihrer Aussprache. Sie finden ihr Englisch in der Regel besser als das anderer Sprachschüler, obwohl sie die gleichen Fehler machen." Sprachwissenschaftlerin Eva Reinisch von der LMU München

Eigene Aussprache wird überschätzt

Eine These, die die Wissenschaftlerinnen folgendem Test unterzogen haben. Sie lasen Testteilnehmerinnen einfache Subjekt-Prädikat-Objekt-Sätze vor: "The family bought a house", "The jug is on the shelf" oder "They heard a funny noise". Ein paar Wochen später bekamen die Studienteilnehmerinnen vier Sätze erneut vorgelesen, drei stammten von fremden Sprechern und einer war der eigene eingesprochene Satz. Damit sie aber ihre eigenen Sätze nicht wiedererkannten, wurden die mündlichen Texte verfremdet und in männliche Stimmen umgewandelt. Das Ergebnis: In allen Fällen bewerteten die Teilnehmerinnen anhand von Schulnoten ihre Aussprache der Sätze am besten.

Was man kennt, wird als angenehmer empfunden

Reinisch und Eger interessierte, warum das so ist. Eine Erklärung sei, so Reinisch, die am Institut für Phonetik und Sprachverarbeitung forscht, dass man Akzente, die man gut kennt, einfacher versteht. "Deswegen finden wir eventuell unseren eigenen Akzent gut verständlich und daher besser, als er ist." Auch der sogenannte "Mere-exposure"-Effekt könne eine Rolle spielen: Dieser Effekt beschreibt, dass wir Dinge, die wir kennen, als angenehmer einschätzen. Was bei der eigenen Aussprache durchaus eine Rolle spielen kann.

Üben, üben, üben – und auf externes Feedback hören

Die Selbstüberschätzung in Sachen Aussprache kann dem akzentfreien Erlernen einer Fremdsprache also im Weg stehen. Was aber lernt ein Sprachschüler aus dieser Studie? Da sind sich die Sprachexpertinnen einig: Externes Feedback sei das A und O beim Erlernen einer Fremdsprache. Denn es mache einem Fehler bewusst. "Wir können uns nicht verbessern, solange wir denken, dass wir eigentlich schon ganz gut sind", betont Reinisch. Ansonsten drohe ein Effekt, den die Forscher "Fossilisierung" nennen. Man glaubt, man habe die richtige Aussprache schon erreicht, obwohl das objektiv nicht der Fall ist, und sieht daher keinen Grund mehr, weiter zu üben. Daher ihr Rat: Sprachlehrer sollten ihren Schülern beim Üben immer eine genaue Rückmeldung zur Aussprache geben.