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#fragBR24💡 Eisheilige – reiner Aberglaube, oder? | BR24

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Vom 11. bis 15. Mai ziehen die Eisheiligen übers Land und bringen grimmige Kälte zurück. So wollen's alte Bauernregeln. Wie viel Wahrheit steckt drin?

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#fragBR24💡 Eisheilige – reiner Aberglaube, oder?

Vom 11. bis 15. Mai ziehen die Eisheiligen übers Land und bringen grimmige Kälte zurück. So wollen's alte Bauernregeln. Wie viel Wahrheit steckt drin?

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Schon ihre Namen lassen vermuten, dass es sich um vier gestrenge Herren und eine Dame handelt, der kein mildes Lächeln auskommt: Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und die kalte Sophie. So heißen die fünf Eisheiligen, die nach alter Überlieferung Mitte Mai regelmäßig alle Frühsommerträume schockfrosten. "Die kalte Sophie macht alles hie." So lautet eine der Regeln, die den Bauern bei der Bestellung ihrer Felder seit Jahrhunderten zu größter Vorsicht raten.

Schlechte Erfahrungen prägen sich ein

Wie kam es dazu? Im Mai hat sich das europäische Festland in der Regel schon deutlich erwärmt, Nord- und Ostsee hingegen noch nicht. Durch den Temperaturunterschied entstehen häufig Tiefdruckgebiete. Sie leiten Polarluft bis weit nach Mitteleuropa. Dieses Phänomen beobachteten die Menschen schon im Mittelalter, ohne es meteorologisch benennen zu können. Aber es galt, darauf gefasst zu sein. Denn später Frost konnte das Ende für zarte Saaten und Blüten bedeuten. Die Ernte war in Gefahr. Eine Frage des Überlebens.

Um sich die wettertollen Tage besser merken zu können, verknüpfte man sie mit den Namen der Bischöfe und Märtyrer, derer man vom 11. bis 15. Mai gedenkt. So wurden aus ihnen die Eisheiligen.

Kalenderreform? Bringt einen Heiligen nicht aus der Ruhe

Dann kam das Jahr 1582. Papst Gregor XIII. ließ den Kalender reformieren. Das Ergebnis: Die Tage der Eisheiligen verschoben sich eigentlich um zehn nach hinten. Das heißt, sie hätten sich verschieben müssen. Denn für sie beließ man es bei den gewohnten Daten. Sie wären sonst Ende Mai gewesen, und da sind Kälteeinbrüche nicht mehr so häufig wie zehn Tage zuvor.

Klimawandel – dagegen kommen auch Heilige nicht an

Fazit: Mit den Eisheiligen beschrieben die Menschen von alters her ein meteorologisches Phänomen, das ihnen irgendwann im Mai immer wieder zu schaffen machte. Und wir können uns darüber freuen, dass sich die ungebetenen fünf kaum mehr an ihre eigenen Regeln halten. Statistiken des Deutschen Wetterdienstes zeigen, dass Kälteeinbrüche Mitte Mai bei uns immer seltener werden. Dem Klimawandel sei Dank. Oder wäre einem nicht die kalte Sophie doch lieber?

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