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Forscher: "Xenotransplantation beim Menschen in drei Jahren" | BR24

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Herzchirurg Reichart

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Forscher: "Xenotransplantation beim Menschen in drei Jahren"

Der Herzchirurg Bruno Reichart von der LMU in München hat etwas geschafft, was vor ihm noch niemandem gelungen ist: Er hat genmodifizierte Schweineherzen in Paviane eingesetzt, die damit bis zu einem halben Jahr überlebt haben. Ein Interview.

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BR: Wir wissen natürlich, wir haben in Deutschland ein Problem mit zu wenigen Organen, dennoch stellt sich die Frage: Wer würde sich ein Schweineherz einpflanzen lassen?

Bruno Reichart: Warum nicht, wir haben ja gemeinsame Vorfahren mit den Schweinen und wir haben viele Dinge, die das Schwein hat. Sie haben ja auch ein Herz, das so aussieht wie unseres, das so funktioniert, das ist doch super.

BR: Können Sie uns erklären, was in Ihrem Versuch anders gemacht wurde, als in den Versuchen vorher?

Bruno Reichart: Ich bin ja Herzchirurg und habe einige Herztransplantationen durchgeführt und da hat man verschiedene Techniken, um die Organe zu konservieren. Man gibt Flüssigkeiten rein, dann bleibt das Herz stehen, es wird kalt und tut es dann in eine Box mit Eiswürfeln. Wenn Sie das bei einem Schwein machen, funktioniert das nicht. Offensichtlich sind Schweineherzen empfindlicher als Menschenorgane. Also wir haben die Herzen, sofort wenn sie rausgehen aus dem Schwein, perfundiert. Das heißt, sie werden in einer Herz-Lungen-Maschine durchströmt mit einer sehr wichtigen Lösung. Da sind rote Blutkörperchen drin, die tragen Sauerstoff. Sie werden die ganze Zeit ernährt, also mit Sauerstoff versorgt. Und dann machen wir den Empfänger fertig, entnehmen sein Herz, der Empfänger ist auch an einer Herz-Lungen-Maschine, während wir das transplantieren. Und dann fängt das Herz an zu schlagen. Das ist sensationell. Mich überrascht es immer wieder, dass es so schön geht.

BR: Auch bei den spendenden Schweinen haben Sie etwas verändert, was genau?

Bruno Reichart: Aber wenn wir es mal ganz simpel zusammenfassen, haben die Schweineherzen im Brustkorb von einem Primaten geglaubt, sie sind immer noch ein Schweineorgan und sind größer geworden. Sonst kann es diesen Körper von einem fiktiven Schweinen nicht versorgen und es muss sterben. So kann man das darstellen. Ein Schwein wächst ja in vier Monaten von einem Kilogramm auf hundert Kilogramm heran. Aber ein Pavian verändert sich nicht, der wächst nur sehr langsam. Und das ist ein Modell-Problem, das würden wir in der Klinik eigentlich nicht haben, weil die Menschen sind viel größer. Wir haben den Blutdruck gesenkt und ein Medikament eingesetzt, das Wachstumshormone blockiert. Das hat funktioniert.

BR: Wie geht es nun weiter?

Bruno Reichart: Ich glaube, man muss es dauerhaft schaffen und ich glaube schon, drei Monate ist ziemlich gut, sechs Monate ist noch besser. Vielleicht als Ziel ein Tier, das mal ein Jahr überlebt, aber das reicht. Man muss noch vieles verbessern, das wollen wir machen in den nächsten zwei Jahren. Man muss die Gruppen größer machen und man muss einen anderen Antikörper nehmen. Man muss die Spenderschweine verfeinern, dass sie noch sicherer werden. Man muss auf die Keime achten, die Viren achten. Ich glaube, dass man eine Xenotransplantation beim Menschen frühestens, wenn alles so weit klappt und auch die Behörden zustimmen, in drei Jahren umsetzen könnte.

BR: Vielen Dank für das Gespräch.

© picture-alliance/dpa

Bruno Reichart hat Pavianen genmodifizierte Schweineherzen eingesetzt.