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Forscher warnen vor mehr Tierkrankheiten beim Menschen | BR24

© picture-alliance / ZB

Katze und Hund angeboten auf einem Tiermarkt

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    Forscher warnen vor mehr Tierkrankheiten beim Menschen

    Das für die Corona-Pandemie verantwortliche Virus Sars-CoV-2 stammt vermutlich ursprünglich von Fledermäusen. Forscher warnen, dass es künftig mehr solcher Pandemien geben könnte. Der Grund ? Wir Menschen und die massive Ausbeutung unserer Umwelt.

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    Ursprünglich bei Tieren vorkommende Krankheiten könnten in Zukunft immer öfter auf den Menschen überspringen - ähnlich wie das mit großer Wahrscheinlichkeit beim neuen Coronavirus geschehen ist. Davor warnen das UN-Umweltprogramm (UNEP) und das International Livestock Research Institute (ILRI) in einem am Montag veröffentlichten Bericht.

    Als Gründe werden unter anderem der zunehmende Fleischkonsum, die wachsende Verstädterung und der Klimawandel genannt.

    "Wenn wir weiterhin die Tierwelt ausbeuten und unsere Ökosysteme zerstören, können wir einen stetigen Strom dieser Krankheiten, die von Tieren auf Menschen übertragen werden, in den kommenden Jahren erwarten." UNEP-Chefin Inger Andersen

    Corona: Von der Fledermaus zum Menschen

    Die Corona-Krankheit Covid-19 ist demnach nur ein Beispiel für den Anstieg von Zoonosen - also von Krankheiten, die von Tieren auf Menschen überspringen. Das Coronavirus Sars-CoV-2 ist vermutlich von Fledermäusen über ein anderes Tier auf den Menschen übertragen worden.

    Auch Ebola und Mers sprangen von Tieren auf den Menschen über. Schleichkatzen stehen im Verdacht, das Sars-Virus 2003 auf den Menschen übertragen zu haben.

    Forscher: Corona-Pandemie "höchst vorhersehbar"

    Wissenschaftler, die über Tierkrankheiten forschen, seien vom Virus Covid-19 nicht überrascht gewesen, sagt die Veterinär-Epidemiologin beim ILRI, Delia Randolph: "Dies war eine höchst vorhersehbare Pandemie."

    Seit den 1930ern gebe es einen "klaren Trend" einer steigenden Zahl von menschlichen Krankheiten. Und die meisten - rund 75 Prozent - davon stammten von Wildtieren. Oft sind dem Bericht zufolge domestizierte Tiere wie Vieh die Vermittler.

    Verantwortlich: Zunehmender Fleischhunger

    Für den Anstieg sind nach Angaben des Berichts mehrere menschliche Faktoren verantwortlich. Zum einem liegt es demnach an der weltweit zunehmenden Nachfrage nach Fleisch und die wachsende Viehwirtschaft. Dadurch gebe es immer mehr und genetisch ähnlichere Tiere, die anfälliger für Infektionen seien. Auch die zunehmende Ausbeutung der Tierwelt durch das Jagen, den Handel und den Verzehr wilder Tiere spiele eine Rolle, hieß es.

    Weitere Gründe: Verstädterung und Umweltzerstörung

    Zudem zerstört der Mensch zunehmend die Natur, die als natürlicher Puffer zwischen menschlichen Lebensräumen und Wildtieren gedient hat und die Menschen vor den Erregern geschützt hat, erläutert Doreen Robinson, die Leiterin der Abteilung für Wildtiere bei UNEP. Aufgrund des Bevölkerungswachstums und der rasanten Verstädterung kämen Menschen immer häufiger mit Wildtieren in Kontakt.

    Ebola-Ausbruch im Kongo beispielhaft

    Am Beispiel Ebola erläutert die Veterinär-Epidemiologin Randolph die neuen Gefahren. In dünn besiedelten Gegenden und bei wenig mobilen Menschen hätten sich Ebola-Ausbrüche kaum ausbreiten können. Doch das sei heute anders. Der Ebola-Ausbruch im Osten des Kongos konnte sich unter anderem wegen der Bevölkerungsdichte in der Region fast zwei Jahre lang halten, so die Wissenschaftlerin.

    Klimawandel führt zu Anstieg von Krankheiten

    Auch der Klimawandel befeuert den Anstieg der Krankheiten aus zweierlei Gründen: Für viele Erreger und Überträger herrschen bei wärmeren Temperaturen ideale Bedingungen, heißt es in dem Bericht. Klimatische Veränderungen könnten beeinflussen, wo etwa Fledermäuse und Affen, von denen einige Erreger ausgehen, und Moskitos, die Erreger oft übertragen, leben.

    Diese Probleme müssten angegangen werden, um die Gefahr zunehmender Krankheiten wie Covid-19 zu reduzieren, mahnten die Forscher. Die Epidemien lediglich zu bekämpfen, wäre nicht nachhaltig. Das wäre, als würde man bei einem kranken Menschen "nur die Symptome behandeln, und nicht die Ursachen", sagte Randolph.

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