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Forscher warnen vor dauerhafter Sommerzeit | BR24

© picture alliance / Ulrich Baumgarten

Die EU-Kommission will vorschlagen, die Zeitumstellung abzuschaffen.

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    Forscher warnen vor dauerhafter Sommerzeit

    Viele Menschen klagen über die Zeitumstellung. Die EU-Kommission will nun vorschlagen, sie abzuschaffen. Wissenschaftler begrüßen das grundsätzlich, warnen allerdings vor der Sommerzeit auf Dauer. Diese könne fatale Folgen haben.

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    4,6 Millionen EU-Bürger haben im Juli und August 2018 an einer - nicht repräsentativen - Online-Umfrage der EU-Kommission teilgenommen. Allein drei Millionen Antworten kamen aus Deutschland. 84 Prozent der Teilnehmer sprachen sich gegen die Zeitumstellung aus. Die meisten plädierten stattdessen für eine dauerhafte Sommerzeit. Auch manche Wissenschaftler sind gegen die Zeitumstellung. Aus ihrer Sicht widerspricht der künstliche Wechsel der Biologie. Till Roenneberg vom Institut für Medizinische Psychologie der Universität München warnt jedoch davor, die Uhren ganzjährig auf Sommerzeit umzustellen.

    "Man erhöht die Wahrscheinlichkeit für Diabetes, Depressionen, Schlaf- und Lernprobleme. Das heißt: Wir Europäer werden dicker, dümmer und grantiger." Chronobiologe Till Roenneberg

    "Jedes Land, das das nicht macht, wird uns akademisch überholen", so Roenneberg weiter. Vor allem Schüler und Studenten seien nämlich betroffen, weil Lernen und das Gelernte zu verarbeiten, bei zu wenig Schlaf stark eingeschränkt werde. Im Alter von etwa zwanzig Jahren schlafe man besonders spät ein und stehe morgens entsprechend spät auf. Russland habe schon einmal versucht, dauerhaft die Sommerzeit einzuführen - und sei damit gescheitert. Bei dauerhafter Sommerzeit müsse man an deutlich mehr Tagen im Dunklen aufstehen, sagt Roenneberg: "Je nach Wohnort haben sie sechs Wochen mehr dunkle Schulwege morgens." Er kritisiert zudem, dass die Online-Befragung weitgehend ohne Aufklärung geschehen sei.

    "Wenn EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker gesagt hätte, dass wir künftig alle ganzjährig eine Stunde früher arbeiten müssen, wären die Leute auf der Straße gewesen. Es ist aber nichts anderes." Chronobiologe Till Roenneberg

    Wissenschaftler gegen permanente Sommerzeit

    Auch der Schlafforscher Ingo Fietze von der Berliner Charité ist gegen die Sommerzeit das ganze Jahr über: "Da denkt im Moment keiner dran, weil es Sommer ist und so hell draußen. Wenn die Umfrage im Winter gewesen wäre, hätten wahrscheinlich viele für die Winterzeit plädiert." Die Forscher und die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) sprechen sich ebenfalls dagegen aus.

    "Die bisherige Winterzeit entspricht den Verhältnissen, die unter Berücksichtigung der natürlichen Lichteinflüsse für unseren Schlaf-Wach-Rhythmus am günstigsten ist. Wenn wir im Winter am Morgen länger der Dunkelheit ausgesetzt sind, werden wir schlechter wach". Alfred Wiater, Vorsitzender der DGSM

    Die längere Dunkelheit in der Früh könne Konzentration und Aufmerksamkeit beeinträchtigen und zu mehr Fehlern in der Schule und im Job führen sowie Unfälle begünstigen.

    Schlafstörungen und Magen-Darm-Probleme wegen Zeitumstellung

    Die Umstellung der Uhren wie bisher macht vielen Menschen Probleme. Wie lange diese anhalten, ist individuell unterschiedlich. Symptome können etwa Schlafstörungen, Unwohlsein am Tag oder leichte Magen-Darm-Probleme sein. Diese seien jedoch "verkraftbar", sagt Schlafforscher Fietze. Große medizinische Probleme seien ihm nicht bekannt.

    Sommerzeit macht unzufrieden, Winterzeit nicht

    Einer Studie der Universität Erlangen-Nürnberg zufolge senkt die Zeitumstellung auf die Sommerzeit vorübergehend die Lebenszufriedenheit. Der Grund: Zusätzlich zum körperlichen "Jetlag" fühlten sich die Menschen in ihrer Souveränität im Umgang mit der Zeit beschnitten. In der zweiten Woche nach der Umstellung erreicht die Zufriedenheit demnach wieder ihr ursprüngliches Niveau. Das Zurückstellen der Uhren im Herbst hat dagegen keine messbaren Auswirkungen. Abhilfe bei Problemen mit der Zeitumstellung könnten flexiblere Arbeitszeiten schaffen. Feste Zeiten zwischen 9.00 und 17.00 Uhr seien heutzutage nur noch in den wenigsten Branchen nötig, sagt Roenneberg. Eine Änderung hier sei "viel wichtiger als dieser Schnellschuss, ganzjährig die Sommerzeit einzuführen".