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Forscher entdecken Fossilien des ältesten Waldes der Erde | BR24

© William Stein / Christopher Berry

Amerikanische Paläobotaniker fanden die Wurzelfragmente eines Baums der Spezies Archaeopteris in einem Steinbruch nahe New York.

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    Forscher entdecken Fossilien des ältesten Waldes der Erde

    Paläobotaniker haben Reste des weltweit ältesten Waldes in einem Steinbruch bei New York entdeckt. Im 386 Millionen Jahre alten Fels fanden sich versteinerte Wurzeln urzeitlicher Bäume. Der Fund dokumentiert auch einen Wendepunkt der Erdgeschichte.

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    An einen Waldspaziergang, wie wir ihn heute kennen – mit Vogelgezwitscher, Blätterrauschen, Fuchs und Hase – war im Zeitalter des Devon nicht zu denken. Vor 386 Millionen Jahren war es überall auf der Erde tropisch heiß. Damals wuchsen jene Ur-Bäume in den Himmel, deren versteinerte Wurzeln Forscher in einem Steinbruch in Cairo (US-Bundesstaat New York) entdeckten. Ausflüge ins Grüne kamen nicht in Frage, gediehen in der damaligen Erdatmosphäre, mit wesentlich höherem Kohlendioxidgehalt als heute, allenfalls einige primitive Insektenarten und Gliederfüßer.

    "Es ist ein wirklich sehr alter Wald vom Anfang jenes Zeitalters, als der Planet grün wurde und Wälder ein normaler Teil des Systems Erde." Paläobotaniker Christopher Berry, Universität Cardiff

    Zwei bis drei Millionen Jahre älter als Gilboa

    Mehr als 3.000 Quadratmeter haben die Wissenschaftler der Binghamton University, des New York State Museum und der Cardiff University kartiert, seit die ersten fossilen Funde vor zehn Jahren in dem verlassenen Steinbruch am Fuße der Catskill Mountains entdeckt wurden. Nun konnten die Forscher die hier gefundenen Wurzelfossilien zwei bis drei Millionen Jahre älter datieren als den bislang ältesten bekannten fossilen Wald. Dieser liegt im nur rund 50 Kilometer entfernten Gilboa Fossil Forrest, ebenfalls im Bundesstaat New York.

    Parallele Entwicklung von Wäldern und Atmosphäre

    Ihre Ergebnisse publizierten die Wissenschaftler Mitte Dezember 2019 in dem Fachblatt "Current Biology". Die Studie zeigt auch auf, welche Bedeutung die Urzeitbäume für die parallele Entwicklung von Wäldern und Atmosphäre und damit sowohl für die Evolution der Bäume als auch die Erdentwicklung hatten.

    "Um zu verstehen, wie Bäume begannen, Kohlenstoff aus der Atmosphäre zu entfernen, müssen wir die Ökologie und den Lebensraum der frühesten Wälder und ihrer Wurzelsysteme verstehen" Paläobotaniker Christopher Berry, Universität Cardiff

    Früher Mischwald mit drei Ur-Baum-Arten

    Durch die Versteinerungen konnten die Paläobiologen einen frühen Mischwald mit drei verschiedenen Arten baumartiger Gewächse mit Stamm und Krone identifizieren. Dieser Urwald erstreckte sich vermutlich vom heutigen Bundesstaat New York bis nach Pennsylvania. Die gefundenen Baumarten verbreiteten sich alle durch Sporen: Zum einen sogenannten Cladoxylopside, die als die Vorfahren von Farnen und Schachtelhalmen gelten. Dann ein einziges fossiles Exemplar eines Pflanzentyps, der noch nicht identifiziert werden konnte. Und schließlich die sogenannte Archaeopteris, die über ein hoch entwickeltes Wurzelsystem verfügte, das mit dem moderner Samenpflanzen vergleichbar ist.

    Einfluss auf das urzeitliche Erdklima

    Das ausgedehnte Wurzelnetz der Archaeopteris verfügt über hölzernen Wurzelsträngen von 15 Zentimeter Durchmesser und bis zu 11 Meter Länge. Diese "spektakulären" Maße weisen darauf hin, dass die Ur-Bäume durch Wurzelsprengungen, dem Aufweiten von Klüften und Spalten in Festgesteinen, zunehmend intensiver Energie und Wasser nutzten. Dadurch könnten sie eine entscheidende Rolle dabei gespielt haben, Kohlendioxid aus der Atmosphäre zu entnehmen und damit das Klima des Planeten zu verändern.

    "Hölzerne Bäume (im Gegensatz zu farnartigen Gewächsen) mit Blättern, die Schatten liefern, und einem großen Wurzelsystem sind in dieser Epoche etwas fundamental Modernes, was es vorher einfach nicht gab." Paläobotaniker Christopher Berry, Universität Cardiff

    Ende in der Flut

    Ihr Ende fanden die Ur-Bäume von Cairo überraschender Weise im Wasser. Viele im Steinbruch gefunden Fischfossilien weisen nach Ansicht der Forscher darauf hin, dass der Urwald einst durch eine Überschwemmung zerstört wurde.