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Forscher: 165.000 Krebserkrankungen allein 2018 vermeidbar | BR24

© picture-alliance/dpa/McPHOTO

Qualm steigt von einer Zigarette auf

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    Forscher: 165.000 Krebserkrankungen allein 2018 vermeidbar

    Rauchen, Alkohol, ungesundes Essen, dreckige Luft - darauf sind zehntausende Krebserkrankungen zurückzuführen. Ohne diese Einflüsse würden allein 2018 bundesweit 165.000 Menschen weniger an Krebs erkranken, so das Deutsche Krebsforschungszentrum.

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    Fast jede fünfte neu diagnostizierte Krebserkrankung in diesem Jahr wird nach Hochrechnungen des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) auf das Rauchen zurückzuführen sein. Von 440.000 zu erwartenden Neuerkrankungen hängen demnach geschätzt 85.000 mit Tabakkonsum zusammen. Das geht aus Analysen hervor, die die Wissenschaftler im "Deutschen Ärzteblatt" vorstellen.

    Die DKFZ-Fachleute haben sich mit Risikofaktoren für Krebs befasst. Eine Studie widmet sich Rauchen und Alkohol, die zweite Übergewicht, geringer körperlicher Aktivität und ungesunder Ernährung. In einer dritten Untersuchung geht es um den Einfluss von Infektionen und Umweltfaktoren wie Feinstaub.

    Zwei von fünf Krebserkrankungen könnten vermieden werden

    Von 440.000 erwarteten Krebsneuerkrankungen bei 35- bis 84-Jährigen in diesem Jahr sind demnach rund 165.000 den untersuchten Risikofaktoren zuzuschreiben. Von fünf Krebserkrankungen hätten sich also etwa zwei mit einem gesünderen Lebensstil verhindern lassen. Auf Tabakkonsum geht nach den Erkenntnissen der Forscher der Großteil der vermeidbaren Fälle zurück.

    Doch nicht nur Tabak, auch Alkohol gilt als besonderer Risikofaktor: Von den erwarteten Neuerkrankungen werden in diesem Jahr rund 9.600 auf hohen Alkoholkonsum zurückgehen.

    "Für Frauen gibt es zwar mehr alkoholassoziierte Krebsarten, doch insgesamt ist die Gesamtzahl der alkoholattributablen Krebsfälle bei Männern mehr als fünfmal so hoch wie bei Frauen." Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums

    Ein Grund ist demnach auch, dass Männer mehr Alkohol trinken als Frauen.

    Übergewicht und wenig körperliche Aktivität

    Die Studie zeigt zudem einen Zusammenhang von Übergewicht und geringer körperlicher Aktivität auf Krebs. Von den zu erwartenden Neuerkrankungen werden laut DKFZ 30.600 auf Übergewicht und 27.100 auf geringe körperliche Aktivität zurückzuführen sein.

    Rund 14.500 der erwarteten Erkrankungen werden den Forschern zufolge mit einer geringen Ballaststoffzufuhr zusammenhängen, rund 9.500 mit geringer Obst- und Gemüsezufuhr, weitere etwa 9.500 mit Wurstverzehr und rund 1.700 mit hohem Verzehr von rotem Fleisch sowie rund 1.200 mit hohem Salzkonsum.

    Krebs durch Infektionen mit humane Papillomaviren

    Für das Jahr 2018 werden nach Schätzungen der Forscher mehr als 17.600 Krebsfälle auf Infektionen zurückzuführen sein. Das entspricht etwa vier Prozent aller Neuerkrankungen. Das Bakterium Helicobacter pylori und humane Papillomaviren tragen demnach am meisten zu diesen Krebsfällen bei.

    Gefahr durch Radon und Feinstaub

    Mehr als 5.400 Krebsfälle werden auf Umweltfaktoren zurückgehen. Der umweltbedingte Risikofaktor mit dem größten Anteil ist demnach das radioaktive Gas Radon in Innenräumen, gefolgt von Feinstaub, Solariennutzung und Passivrauchen.

    Auch der beste Lebensstil bietet keinen absoluten Schutz

    Weil weitere Faktoren wie UV-Strahlung nicht berücksichtigt wurden, dürfte der tatsächliche Anteil vermeidbarer Krebserkrankungen noch höher liegen, so die Forscher. Klar müsse aber auch sein, dass selbst der vorbildlichste Lebensstil keinen absoluten Schutz vor Krebs bietet, hieß es.

    Die Forscher um Professor Hermann Brenner nutzten für ihre Schätzwerte das Konzept der populationsattributablen Fraktion (PAF) für Risikofaktoren. Die PAF ergibt sich demnach aus dem Verhältnis von Erkrankungsfällen, die dem entsprechenden Risikofaktor zugeschrieben werden können, zu allen Fällen in der Bevölkerung.

    Können Risikofaktoren komplett eliminiert werden?

    In Bezug auf die Prävention sind die Zahlen mit Bedacht zu interpretieren, heißt es aber im "Deutschen Ärzteblatt". Sie beschreiben das maximale Präventionspotenzial unter der Annahme, dass der verantwortliche Risikofaktor komplett eliminiert wird. "Wie wirklichkeitsnah sind eine Raucherquote von 0 Prozent, der komplette Verzicht auf Wurstwaren oder ein normaler Body-Mass-Index für die gesamte Bevölkerung?", heißt es in dem Artikel.

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    Autor
    • Claudia Steiner
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