Ärztin Natalie Grams löscht ihren Twitter-Account

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Folgen des Falls Kellermayr: Ärztin Natalie Grams löscht Account

Folgen des Falls Kellermayr: Ärztin Natalie Grams löscht Account

Der Suizid der österreichischen Ärztin Lisa-Maria Kellermayr sorgt weiter für Aufruhr. Als Reaktion kündigen nun einige bekannte Impfbefürworter ihre Accounts in Online-Netzwerken. Unter ihnen: die Ärztin und Autorin Natalie Grams.

Die Medizinerin Lisa-Maria Kellermayr war Impfbefürworterin, hatte eine eigene Praxis und war im Internet heftigen Anfeindungen ausgesetzt. Ihre Praxis ließ sie bewachen, denn auch Morddrohungen bekam sie regelmäßig. Ihr Freitod hat heftige Reaktionen ausgelöst. Inzwischen wollen auch andere in den sozialen Medien bekannte Personen ihre Accounts stilllegen: etwa der Würzburger Rechtsanwalt Chan-jo Jun. Oder die Ärztin Natalie Grams.

Sieben Jahre auf Twitter – und jetzt raus

Natalie Grams war sieben Jahre lang auf Twitter aktiv. Ihr Ziel: Aufklären über faktenbasierte Medizin. Die Homöopathie-Kritikerin und Impfbefürworterin musste sich auch schon vor der Corona-Pandemie einiges an Kritik anhören. In der Pandemie wurde der Protest aggressiver und politischer. Schon im ganzen vergangenen Jahr dachte sie darüber nach, sich von Twitter zu verabschieden; der Selbstmord der österreichischen Kollegin war nun der endgültige Auslöser.

"Ich bin auf Twitter gegangen, um Wissenschaftskommunikation zu machen, um auch über kontroverse Themen zu diskutieren, einen Diskurs zu führen. Und das ist aus meiner Sicht nicht mehr möglich", sagt sie im Gespräch mit dem BR. Sie wolle ja neue Menschen erreichen, die einen Standpunkt noch nicht kennen, "die aber bereit sind, sich prinzipiell damit auseinanderzusetzen." Doch das gelinge nicht mehr. Hetze sei Populismus und "letztlich der pure Hass, der da auf einen einschlägt." Grams bedauert, dass sie diesen Schritt gehen müsse. "Das ist nicht nur schade für die Kommunikation. Das ist vor allem schade für meinen Anspruch der Wissensvermittlung."

Müsste Twitter mehr gegen Hass machen?

Von Twitter selbst gebe es keinerlei Unterstützung, wenn sie Hass-Tweets melde, beklagt Grams. Sie wünscht sich, dass mehr Forschung betrieben werde, um herauszufinden, welche Ursachen Hass und Hetze im Netz hätten.

Grams selbst ging zeitweise nur noch mit Polizeischutz auf Veranstaltungen. Aktuell hält sie vor Publikum überhaupt keine Vorträge mehr. Informieren will sie künftig vor allem mit ihrem Podcast "Gram’s Sprechstunde", ihren Büchern und ihren Gastartikeln.

Der Bayerische Rundfunk berichtet - vor allem wegen möglicher Nachahmer-Effekte - in der Regel nicht über Suizide oder Suizidversuche, außer die zuständige Redaktion sieht es durch die Umstände der Tat geboten. Sollten Sie selbst Hilfe benötigen, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge. Beratung erhalten Sie unter der kostenlosen Rufnummer 0800-1110111 oder 0800-1110222. Weitere Hilfsangebote gibt es bei der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.

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