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Fit für den Winter: Mit Pflanzenkraft die Gesundheit stärken | BR24

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Naturapotheken-Führungen im Botanischen Garten in Bayreuth sollen zeigen, wie Pflanzen das Immunsystem stärken können. Jetzt wird untersucht, ob die Pflanzen auch gegen das Coronavirus helfen können.

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Fit für den Winter: Mit Pflanzenkraft die Gesundheit stärken

Naturapotheken-Führungen im Botanischen Garten in Bayreuth sollen zeigen, wie Pflanzen das Immunsystem stärken können. Jetzt wird untersucht, ob die Pflanzen auch gegen das Coronavirus helfen können.

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Von
  • Anja Bischof

Am vergangenen Wochenende konnte die vorerst letzte Sonntagsführung "Pflanzen zur Immunstärkung" angeboten werden. Bis mindestens Ende November muss der Botanische Garten an der Uni Bayreuth schließen. Wegen der Corona-Pandemie hatte das Bayerische Ministerium zuletzt diese Maßnahme getroffen, die im Ökologisch-Botanischen Garten an der Uni Bayreuth (ÖBG) auf Kritik stößt. Denn gerade in dieser Zeit und zu dieser Jahreszeit möchten die Menschen wissen, wie sie ihr Immunsystem stärken könnten, sagt die Botanikerin Marianne Lauerer, während sie dem Pfad durch eines der Gewächshäuser folgt. Der Rundgang zu den Pflanzen, denen eine besondere Wirkung in der Therapie gegen Viren und zur Stärkung des Immunsystems zugeschrieben wird, beginnt bei einer eingetopften Pflanze mit dunkelvioletten Blüten und silbern behaarten Blättern.

Pflanzenkraft im Botanischer Garten an der Uni Bayreuth

"Pelargonium sidoides" steht auf dem Schild, das vor der kleinen Pflanze in der Erde steckt. "Die Kapland-Pelargonie hat kräftige Wurzeln, die wie Möhren aussehen", erklärt Marianne Lauerer. "Daraus werden Fertigpräparate hergestellt, die wir in der Apotheke kaufen können. Sie helfen bei Infektionen der oberen Atemwege und sind auch nachweislich wirksam gegen Viren." Das liegt an Inhaltsstoffen, die man als Radikalfänger bezeichnet. Radikale treten zum Beispiel bei Entzündungen auf und können Körperzellen angreifen. Der Körper versucht dann, sie zu binden. Pflanzliche Radikalfänger können ihn dabei unterstützen.

Grüner Tee als Medizin der Natur

Ein paar Schritte weiter hinten im Gewächshaus steht eine Pflanze, die deutlich bekannter ist als die Pelargonie. Auch sie ist wirksam, wenn es um Infektionen der Atemwege und die Verbesserung der Immunfunktion geht: die Teepflanze. Es handelt sich um einen unauffälligen, immergrünen Strauch, aus dessen Blättern sowohl der Schwarze als auch der Grüne Tee gewonnen wird. "Heilkraft besitzt nur der Grüne Tee", betont Marianne Lauerer. "Nur er enthält die wirksamen Polyphenole. Beim Schwarzen Tee sind sie durch die Fermentation verloren gegangen." Auch Polyphenole gelten als Radikalfänger. Lauerer empfiehlt den Grünen Tee nicht nur als Getränk. Bei akuten Infektionen der Atemwege hilft das Gurgeln mit dem Tee beim Durchspülen der Schleimhäute.

Mehr als ein Würzmittel: Ingwer

Von der folgenden Pflanze kennen die meisten Menschen das sogenannte Rhizom. Dieses ist bei dem dichten, schilfartigen Wuchs des Strauches aber kaum zu sehen. Es handelt sich um eine Ingwerpflanze, deren Rhizom – oft auch als Knolle bezeichnet – im Supermarkt verkauft wird. Die frische Knolle sollte ganz dünn geschält werden und kann dann zum Beispiel als Tee mit heißem Wasser aufgegossen oder als Würzmittel eingesetzt werden. Die ätherische Öle wirkten keimtötend und entzündungshemmend, gleichzeitig aber auch immunstärkend, erklärt die Botanikerin. Ihr Fazit: Der Ingwer ist leicht zu beschaffen und zu verarbeiten und stark in der Wirkung.

Die Hagebutte: Heilkraft am Wegesrand

Marianne Lauerer freut sich über das gestiegene Interesse der Bayreuther an den Gewächsen mit Heilwirkung im ÖBG. Wenn sie Gruppen durch den Garten und die Gewächshäuser führt, achtet sie darauf, dass sie viele heimische Pflanzen vorstellt. Solche, die an jedem Wegesrand zu finden sind und an deren Früchten oder Blättern man sich – anders als im ÖBG – meistens bedienen darf. Die Heckenrose zum Beispiel. Im Herbst sind von ihrer sommerlichen Blütenpracht nur die leuchtend roten Hagebutten übrig – aber die haben es in sich. "Die Hagebutte ist die Frucht mit dem höchsten Vitamin C-Gehalt bei uns. Es steckt vor allem im roten Fruchtfleisch der frischen Hagebutte", sagt Marianne Lauerer und gibt Tipps zum Verarbeiten: "Man kann den roten Fruchtmantel entweder zu Mus oder Marmelade verarbeiten. Auch im Hiffenmark steckt noch eine Menge Vitamin C." Vitamin C wird eine vorbeugend immunstärkende Wirkung zugeschrieben. Ein Erwachsener kann seinen Tagesbedarf mit fünf bis zehn Hagebutten decken.

Studien zur Wirksamkeit gegen das Coronavirus

Pflanzenextrakte können einerseits vorbeugend eingesetzt werden, um das Immunsystem zu stärken. Daneben gibt es die Pflanzen, die bei einer akuten Infektion den Heilungsprozess unterstützen können, zum Beispiel, weil sie Radikalfänger enthalten. Die Hagebutte kann beides, denn sie enthält nicht nur Vitamin C, sondern auch das sogenannte Lycopin – ebenfalls ein Radikalfänger. Bestandteile der Kapland-Pelargonie sowie der Grauen Zistrose werden derzeit laut Marianne Lauerer in Studien mit dem Ziel erforscht, ihre Wirksamkeit bei der Therapie von Covid-19 festzustellen. Ergebnisse liegen noch nicht vor, werden aber mit Spannung erwartet.

Die Apotheke des Manitu

Im Freigelände des Ökologisch-Botanischen Gartens nehmen die Pflanzen der Prärien Nordamerikas eine große Fläche ein. Eine Pflanze sticht hier besonders hervor, denn ihre Blüten sind ein echter Hingucker. Der Purpursonnenhut wird gerne in Gärten kultiviert. Kein Wunder, die Schmuckstaude mit ihren orange-rosa Blüten ist wunderschön anzusehen. Sie gilt aber auch als eine alte Heilpflanze der Indianer und zählt zur sogenannten "Apotheke des Manitu". Marianne Lauerer erläutert, dass diese Pflanze mit dem botanischen Namen "Echinacea purpurea" bei viralen Atemwegserkrankungen eingesetzt wird: "Die Präparate kann man in der Apotheke als Tinkturen, Lutschtabletten oder Globuli kaufen. Sie werden aus dem ausgepressten Saft der grünen oberirdischen Pflanzenteile gewonnen." Wenn alle Blütenblätter abgefallen sind, bleibt vom Purpursonnenhut ein dunkles stacheliges Köpfchen zurück, das wie ein Seeigel aussieht. Daher auch der Name: Im Griechischen bedeutet "Echinos" Igel.

Blüten für den Salat

Genau wie in vielen heimischen Gärten wächst und blüht auch im ÖBG die Große Kapuzinerkresse. Ihre farbenfrohen Blüten sind ebenso essbar wie ihre Blätter. Im Salat steuern beide schöne Farbakzente und eine leichte, kresse-ähnliche Schärfe bei. "Das liegt an den Senfölen", erklärt Marianne Lauerer. Die steckten in vielen Pflanzen, zum Beispiel auch im Meerrettich. Senföle gelten als hilfreich bei bakteriellen Erkrankungen der Atemwege. Die Große Kapuzinerkresse stammt aus den Bergregionen Mittel- und Südamerikas, gedeiht aber in den wärmeren Jahreszeiten auch in Mitteleuropa. Die einjährige Pflanze mit den schildförmigen Blättern und kapuzenartigen Blüten ist eine echte Augenweide im Garten und im Salat. "Fertigpräparate kann man auch kaufen", meint Marianne Lauerer und betont zum Abschluss, dass jeder, der die Heilkräfte der Pflanzen nutzen und sie selbst sammeln möchte, Vorsicht walten lassen sollte: "Man muss die Pflanze sicher bestimmen können. Verwechslungen können schlimme Folgen haben."

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