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Fischzucht: Probleme durch Pestizide und Antibiotika | BR24

© picture-alliance/dpa

Lachsscheiben auf Eis

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Fischzucht: Probleme durch Pestizide und Antibiotika

Immer mehr Fisch landet auf unseren Tellern, die Ozeane werden geplündert. Alternativen sind Aquakulturen, in denen Fische gezüchtet werden, anstatt Wildbestände auszurotten. Doch kann man da guten Gewissens zugreifen?

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Überfischung, aber auch Klimawandel und Umweltverschmutzung, bringen die Meeresökosysteme aus dem Gleichgewicht. Fisch wird in großen Mengen abgefischt, um möglichst günstig angeboten zu werden. Hochsee-Trawler sind monatelang auf See und fangen in riesigen Netzen Hunderte von Tonnen der beliebtesten Speisefische. Umweltorganisationen wie Greenpeace protestieren schon lange gegen diese Fischereimonster.

Alternativen sind Aquakulturen, in denen die Fische gezüchtet werden. Doch die Massentierhaltung auf dem Meer hat auch viele Nachteile.

Lachs – vom Luxusgut zum Speisefisch

Beispiel Lachs: Lachs war früher ein Luxusgut, inzwischen ist er der beliebteste Speisefisch in Deutschland. Er gilt aufgrund seiner Omega-3-Fettsäuren als sehr gesund. Lachsfarmen, vor allem in Norwegen und Chile, boomen. Die Massentierhaltung aber hat viele Nachteile. Bis zu 100.000 Lachse werden hier in Unterwasserkäfigen gemästet. Sie sind gestresst und beißen sich gegenseitig.

Lachsläuse haben leichtes Spiel

Lachse in solchen Zuchtfarmen sind zudem häufig krank, werden zum Beispiel von Läusen befallen. Bevorzugt leben die Lachsläuse auf dem Kopf, wo sie Löcher in die Haut fressen – viele Tiere verenden so qualvoll. Deshalb werden die Lachse mit Antibiotika behandelt oder die Parasiten werden mechanisch entfernt. Für uns Verbraucher ist die Lachslaus allerdings nicht gefährlich.

Chemikalie Ethoxyquin in Lachsen

Dafür steckt in Lachs oder Forelle eine andere Gefahr. Greenpeace hat Ende 2016 etwa 50 Lachs- und Forellen-Produkte aus den größten deutschen Supermarktketten auf die Chemikalie Ethoxyquin hin untersucht und in vielen Proben eine Belastung auch deutlich über 50 µg/kg nachgewiesen. Das ist der Grenzwert für Fleisch, für Fisch gibt es keinen.

Auch Stiftung Warentest testete im März 2018 Lachsprodukte. In 5 der 21 getesteten Zuchtlachse konnte man Ethoxyquin nachweisen, in 18 eines der Abbauprodukte. Es gibt zwar keinen Grenzwert, aber das reine Ethoxyquin hat einen Acceptable Daily Intake (ADI). Der sagt aus, wie viel ein Mensch täglich lebenslang aufnehmen kann, ohne gesundheitliche Gefahren auf sich zu nehmen. Das Ergebnis: Isst man von dem höchstbelasteten Lachs täglich 150 Gramm, schöpft man den ADI zu knapp 2 Prozent aus. Wenn man das Umwandlungsprodukt von Ethoxyquin einberechnet, summiert es sich auf 37 Prozent.

Was ist Ethoxyquin?

Ethoxyquin wurde seit den 60er Jahren unter anderem als Pflanzenschutzmittel eingesetzt. Zu diesem Zweck ist es jedoch EU-weit seit 2011 nicht mehr zugelassen. Ethoxyquin wird allerdings nach wie vor in großen Mengen Tierfutter beigemengt, um es für den Transport haltbar zu machen.

Ethoxyquin hält Futtermittel frisch

Die größte Fischerei der Welt findet vor der Küste Südamerikas statt. Millionen Tonnen von Sardellen werden dort gefangen und zu Fischmehl verarbeitet. Dieses Fischmehl wird nach Norwegen transportiert – haltbar gemacht mit Ethoxyquin, wo es an Lachse verfüttert wird.

Ethoxyquin soll vom Markt genommen werden

2017 verkündete die EU, den Zusatzstoff Ethoxyquin sowie alle damit behandelten Futtermittel "so bald wie möglich vom Markt" zu nehmen. Fischfarmer haben allerdings eine Übergangsfrist bis 2020.

Gesundheitsgefahren durch Ethoxyquin

Ethoxyquin steht unter Verdacht, krebserregend zu sein. Es schädigt die Leber und kann die Blut-Hirn-Schranke überwinden. Eine Grenze, die verhindern soll, dass Giftstoffe bis ins Gehirn gelangen.

Bayerische Bio-Fischerei: Es geht auch anders

Seit 25 Jahren betreiben Dieter und Alexandra Wagner eine kleine Fischzucht in Welden im Fuchstal im oberbayerischen Landkreis Landsberg am Lech. Sie züchten hauptsächlich Forellen, manchmal Saiblinge und Karpfen in frischem Quellwasser.

Biozertifizierter Fischereibetrieb in Bayern

Ihr Betrieb ist einer von nur zehn in Bayern, die biozertifiziert sind. Hier haben die Forellen, die eigentlich zur Familie der Lachsfische gehören, so viel Platz, dass sie sich nicht gegenseitig in die Flossen beißen. Sie sind nicht gestresst. Dürfen langsam groß werden.

In Bayern finden sich nur ganz wenige Biofischzuchten, da es kaum Fischnachwuchs in Bioqualität gibt. Denn die Aufzucht ist sehr schwierig, weil die jungen Fische sehr empfindlich sind. Trotzdem züchtet Dieter Wagner selbst. Auch sein Fischfutter bezieht er nicht aus Südamerika, sondern achtet auf geprüfte Bioqualität.

Wenn es an die Schlachtung geht, achten die Fischzüchter darauf, dass ihre Fische schnell und effektiv betäubt werden, bevor sie ausgenommen werden. Geräuchert und verkauft wird der Fisch im eigenen Hofladen.

Qualvoller Tod für Lachse in riesigen Aquakulturen

Ganz anders in den riesigen Aquakulturen. Dort ersticken viele Lachse langsam und qualvoll - denn es werden nicht alle betäubt - bevor sie verarbeitet werden und auf unseren Tellern landen.

Algen töten Lachse

Thilo Maack von Greenpeace hat noch ein weiteres großes Problem der Zuchtfarmen in Südamerika beobachtet. Dort produzieren Algen oft Gifte, die für Lachse tödlich sind.

"Diese Algengifte töten alle Lachse in einer Zuchtfarm - hunderttausend Tonnen toter Fisch. Die werden nicht an Land entsorgt oder verbrannt, sondern ins Meer gekippt. Dann kollabieren gesamte Ökosysteme."

Heimische Fischzucht bevorzugen

Angesichts all dieser Probleme sollten Lachs oder Forelle am besten aus der heimischen Bio-Fischzucht gekauft werden.