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Fett entlarvt eines der ältesten Urzeit-Tiere | BR24

© dpa-Bildfunk/Australian Nati/Ilya Bobrovskiy

Das Urzeit-Lebewesen Dickinsonia war ein Tier und nicht Pflanze, Einzeller oder Pilz.

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    Fett entlarvt eines der ältesten Urzeit-Tiere

    Seltsame Kreaturen bevölkerten einst die Erde: Sie hatten ovale Körper und wurden bis zu 1,40 Meter lang. Aber waren sie Pflanzen, Pilze, Tiere oder gigantische Einzeller? Wissenschaftler haben nun eine Antwort gefunden - mithilfe von uraltem Fett.

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    Von
    • Jan-Claudius Hanika

    Ein Forscher mit Glück: Der Biogeochemiker Ilya Bobrovskiy fand am Weißen Meer in Russland Fossilien von Lebewesen namens Dickinsonia. Diese lebten vor 558 Millionen Jahren und waren von oben bis unten in rippenähnliche Segmente unterteilt. Dickinsonia-Fossilien kennen Wissenschaftler schon aus vielen Regionen der Welt. Die neuentdeckten Überreste enthielten jedoch noch Reste von organischem Material.

    "Das ist das erste Mal, dass so etwas in einem so alten Fossil gefunden wurde." Benjamin Nettersheim, Mitautor der Studie

    Bobrovskiy und seine Kollegen analysierten den dünnen Biofilm auf den Fossilien im Labor. Darin entdeckten sie fossile Fettmoleküle, und zwar Cholesterin. Dieses Lipid ist typisch für höhere Tierarten und Menschen. Damit war klar: Dickinsonia waren keine Pilze, Pflanzen, Flechten oder Algen, sondern Tiere. Sie zählen sogar zu den ältesten bekannten Tieren der Erdgeschichte. Das Wissenschaftler-Team aus Australien, Russland und Deutschland veröffentlichte sein Forschungsergebnis Mitte September 2018 im Fachmagazin Science.

    Dickinsonia waren keine Einzeller

    Einige Forscher vermuteten, dass es sich bei den Ur-Wesen um gigantische Einzeller handelte. Das konnten Christian Hallmann und Benjamin Nettersheim, die an der Studie beteiligt waren, mit einer Untersuchung an der Universität Bremen ausschließen. Sie extrahierten Lipide von mehreren Exemplaren, die noch heute in der Tiefsee der Antarktis oder im Mittelmeer leben. Im Labor simulierten sie die geologischen Veränderungen, denen die Fettmoleküle über Jahrmillionen ausgesetzt gewesen wären. Auch hier ergab sich eine andere Zusammensetzung der Fette.

    Fett in Fossilien hält viel aus

    Doch wie blieb das Cholesterin in den Dickinsonia-Fossilien überhaupt so lange erhalten? Generell könnten Lipide recht lange überdauern, sagt der Ornithologe Gerald Mayr vom Senckenberg Forschungszentrum für Naturkunde in Frankfurt am Main. Er hatte im vergangenen Jahr mit einem Vogelfossil für eine kleine wissenschaftliche Sensation gesorgt: In ihm konnte 48 Millionen Jahre altes Fett nachgewiesen werden. Die Studie zu den 558 Millionen Jahre alten Dickinsonia-Fossilien lag Mayr nicht vor. Die Entdeckung der Fettreste bezeichnete er wegen des hohen Alters als sehr erstaunlich.

    Hohe Temperaturen, hoher Druck

    Das bestätigt auch Christian Hallmann: "Die Fundstelle ist ziemlich einzigartig." Normalerweise fressen Mikroorganismen einen Großteil des organischen Materials eines toten Tieres auf. Die Überreste werden mit der Zeit von immer mehr Sedimentschichten überlagert, sodass diese steigenden Temperaturen und hohem Druck ausgesetzt sind. "Das zerstört oft die Fettmoleküle", erläutert Hallmann. Wieso das bei den Fossilien vom Weißen Meer nicht geschehen ist, können die Experten nicht sagen.

    Probleme bei der Einordnung

    Das erste Dickinsonia-Fossil entdeckte der australische Geologe Reginald Sprigg. Er benannte es nach dem Bergwerk-Direktor Ben Dickinson. Dieser war Chef der Behörde, für die Sprigg arbeitete. Auch nach weiteren Fossilienfunden taten sich die Wissenschaftler schwer, das Lebewesen zu qualifizieren. Es wurde unter anderem als Qualle, Nesseltier und Verwandter von Ringelwürmern eingeordnet.