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Feld-Forschung: Wie steht’s um die Wiesen in Nordschwaben? | BR24

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Das Umweltmagazin "Unkraut" berichtet über neueste Entwicklungen im Umwelt- und Naturschutz, aber auch über Umweltsünden, und wie man sie verhindern kann. Dazu werden ökologische Hintergründe präsentiert.

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Feld-Forschung: Wie steht’s um die Wiesen in Nordschwaben?

Bunte Pflanzenvielfalt auf den Wiesen? Die gibt es noch, aber immer seltener. Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Flora Nordschwaben untersuchen die Wiesen in ihrer Heimat. Wo gibt es noch Artenreichtum auf den Wiesen und wo stirbt die Vielfalt aus?

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Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Flora Nordschwaben forschen, wie viele unterschiedliche Pflanzen auf den Wiesen ihrer Heimat noch zu finden sind. Sie dokumentieren, wie artenreich – oder eben nicht, eine Wiese ist. Als artenreich gilt zum Beispiel eine Feuchtwiese, wenn sie mehr als 50 unterschiedliche Pflanzen aufweist.

Hobby-Forscher im Dienst der Umwelt

Die Vereinsmitglieder sind fast alles Laien, aber als Hobby-Forscher gefragt: Immer wieder gibt es Anfragen vom Landesamt für Umwelt oder dem Frankfurter Senckenberg-Institut, die Hilfe brauchen beim Aufspüren seltener Pflanzen.

Wo es noch Pflanzenreichtum gibt

Der Verein startet seinen Einsatz nahe der Wörnitz bei Ebermergen. Als erstes wird eine feuchte Wiese in der Flussaue untersucht. Diese Wiese wird erst ab dem 15. Juni gemäht. Dadurch haben die Pflanzen Zeit, sich zu entwickeln. Das heißt aber auch: weniger Ertrag. Der Landwirt bekommt deshalb einen kleinen finanziellen Ausgleich. An solchen Wiesen entlang von Gräben finden sich viele Pflanzen – zum Beispiel das Blutströpfchen, die Kuckucks-Lichtnelke und hier schon fast selten geworden: die Wiesen-Margerite.

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Kuckucks-Lichtnelke

Die Kartierung dieser Wiese erweist sich als Erfolg. Zwischen 50 und 60 Pflanzenarten konnten die Hobby-Forscher bestimmen – oder auch nicht, denn ein alter Bekannter, der Löwenzahn, lässt sich ohne professionelle Hilfe nicht genau benennen, denn seine Zuordnung ist komplex. Schließlich gibt es mehrere hundert verschiedene Löwenzähne.

Gedüngte und bewirtschaftete Wiesen – wenig Artenreichtum

Feuchtwiesen wie diese sind ein Paradebeispiel einer artenreichen Wiese - anders die Wiese nebenan. Sie wird gedüngt und mehrmals im Jahr gemäht. Dadurch wächst das Gras viel dichter. Gut für den Ertrag, schlecht für viele Gräser und Blumen. Hier wachsen nur noch zehn verschiedene Arten.

Landschaften mit Schafsbeweidung

Ein paar Kilometer weiter auf einem kleinen Hügel, dem Harberg, gibt es eine andere Wirtschaftsweise: die Schafbeweidung. Ohne die Schafe wären die trockenen Wiesen irgendwann einmal zu Urwald geworden. So aber ist eine Wachholderheide entstanden, eine typische Kulturlandschaft rund ums Nördlinger Ries – mit besonderen Eigenschaften: Der Boden über dem Fels ist nur wenige Zentimeter mächtig, Wasserspeicherung ist kaum möglich. Das prägt die Zusammensetzung dieser Pflanzengesellschaft und auch die Art der Pflanzen. Sie sind trockenheitsangepasst, wesentlich genügsamer, aber auch extrem vielfältig: Auf solchen Trockenrasen können schon mal 200 verschiedene Arten zusammenkommen. Ein Spitzenwert in Mitteleuropa. Bei der Kartierung durch die Hobby-Forscher kommen innerhalb einer Stunde über 100 Arten zusammen – zum Beispiel das Hungerblümchen, Schuster-Nägele, Kühchen oder das Dreifingersteinbrech.

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Dreifingersteinbrech

Vermächtnis des Artenschwunds

Doch Flächen wie diese sind nur kleine Inseln der Artenvielfalt. Drumherum: intensive Landwirtschaft. Seit fast 30 Jahren beobachtet Brigitte Adler von der Arbeitsgemeinschaft Flora Nordschwaben einen Artenschwund. Und so ist das Buch, dass der Verein herausgebracht hat, so etwas wie ein 800 Seiten starkes Vermächtnis – über eine Vielfalt, die langsam verloren geht …