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Corona-Mutanten unter dem Mikroskop: Welche Varianten sind gefährlich?

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FAQ: Welche Corona-Mutanten gibt es und wie gefährlich sind sie?

Es gibt nicht mehr nur ein Coronavirus. Mutationen produzieren immer neue Varianten von SARS-CoV-2. Wie die Mutanten entstehen und warum die WHO diesen am 31. Mai 2021 neue Namen gegeben hat.

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Von
  • Franziska Konitzer
  • Jan-Claudius Hanika
  • Tanja Fieber

Das Coronavirus SARS-CoV-2 gönnt uns keine Entspannung. Erst gingen die Infektionszahlen zurück, dann mutierte das Virus und die Infektionszahlen stiegen wieder. Inzwischen gibt es mehrere Corona-Mutanten weltweit. Nun fallen die Infektionszahlen wieder, aber es tauchen weiterhin neue Mutanten auf.

Warum neue Namen für Corona-Mutanten?

Weil sich kein Mensch die Kombination aus Buchstabe und Zahlen merken konnte, bürgerte sich ein, die Mutanten nach dem Land zu benennen, in dem sie als erstes auftraten. Weil die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein Zeichen setzen gegen Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit sowie eine Vereinfachung erreichen wollte, hat sie die Mutanten am 31. Mai 2021 umbenannt (Weekly epidemiological update 42, 1. Juni 2021). Nach Gefährlichkeit heißen die Mutanten nun:

  • Variante Alpha (B.1.1.7) ersetzt die britische Variante. Seit September 2020 bekannt.
  • Variante Beta (B.1.351) ersetzt die südafrikanische Mutante. Seit Mai 2020 bekannt.
  • Variante Gamma (P.1) ersetzt die brasilianische Variante. Seit November 2020 bekannt.
  • Variante Delta (B.1.617.2) ersetzt eine Linie der indischen Variante. Seit Oktober 2020 bekannt.
  • Die kürzlich in Vietnam entdeckte Variante ist keine neue Mutante, sondern eine Linie der Variante B.1.617 (Delta oder Kappa), gab die WHO am 4. Juni 2021 bekannt.

Gefährliche Corona-Mutanten auch in Deutschland?

Laut Robert-Koch-Institut dominiert seit April 2021 in Deutschland die Corona-Mutante Alpha. Die Variante Delta kommt in Deutschland vor, ist aber noch wenig verbreitet. Auch die Corona-Mutanten Beta und Gamma wurden in Deutschland nachgewiesen, kommen aber vergleichsweise selten vor.

Was ist eine Mutation und was ist eine Mutante?

Eine Mutation ist ganz allgemein eine spontane Veränderung. Beim Coronavirus SARS-CoV-2 bedeutet Mutation eine Veränderung in dessen Erbgut. Die meisten Mutationen haben kaum oder gar keine Auswirkungen. In manchen Fällen aber kann der leicht mutierte Bauplan das Virus so verändern, dass es beispielsweise für den Menschen ansteckender wird. Der Begriff Mutation bezeichnet hier die Veränderung an sich. Der Begriff Mutante bezeichnet das mutierte Virus selbst sowie alle seine Nachkommen. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von einer Variante des Virus.

Was sind Escape-Mutanten oder Flucht-Mutanten?

Mutationen können das Coronavirus so verändern, dass es ansteckender wird. Ein Infizierter scheidet dann zum Beispiel mehr Viren aus oder ist über einen längeren Zeitraum infektiös. Andere Mutationen verändern das Virus hingegen so, dass es dem menschlichen Immunsystem zumindest teilweise entkommen kann. Das Ergebnis sind sogenannte Escape- oder Flucht-Mutanten. Sie können auch Menschen infizieren, die bereits eine Infektion mit dem Wildtyp von SARS-CoV-2 hinter sich haben oder gegen ihn geimpft sind. Virusvarianten, die das nicht können, sind gegenüber den Escape-Varianten im Nachteil, besonders, wenn in einer Bevölkerung schon viele Menschen geimpft oder genesen sind. Dann steigt der Selektionsdruck auf das Virus und die Escape-Varianten setzen sich durch. Wenn sich gleichzeitig aber auch noch viele Menschen infizieren, hat das Virus viele Möglichkeiten, zu mutieren und weitere Eigenschaften zu entwickeln, die ihm eine Flucht vor dem Immunsystem erlauben.

Das bedeutet: Auch wenn ein großer Teil der Bevölkerung geimpft ist, wäre es fatal alle Kontaktbeschränkungen und andere Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie aufzugeben. Das Virus wäre gleichzeitig unter dem Druck, sich so zu verändern, dass es dem menschlichen Immunsystem entkommen kann, hätte aber auch in vielen Infizierten die Gelegenheit, das zu tun und sich anschließend weiterzuverbreiten.

Welche gefährlichen Corona-Mutanten gibt es (VOC)?

Mutationen an sich sind in jedem Erbgut keine Seltenheit. Allein für das Coronavirus waren bis September 2020 bereits mehr als 12.000 einzelne Mutationen bekannt. Die meisten von ihnen hatten keine für uns spürbaren Auswirkungen. Inzwischen haben sich allerdings Corona-Mutanten verbreitet, die sich anders verhalten als die "ursprüngliche" Variante des SARS-CoV-2-Virus, des sogenannten Wildtyps. Mutanten, die möglicherweise den Verlauf der Pandemie negativ beeinflussen können, beobachten die WHO und auch das Robert Koch-Institut als besorgniserregende Varianten (variants of concern, VOC).

  • Corona-Variante Alpha (B.1.1.7): Diese Variante des Coronavirus ist seit November 2020 aus Großbritannien bekannt, wo sie sich rasant verbreitete. Auch in Deutschland hat die Variante Alpha den bis dahin vorherrschenden Wildtyp und andere Varianten weitgehend verdrängt. Diese Variante ist ansteckender - möglicherweise um bis zu 90 Prozent - und hat somit eine höhere Reproduktionszahl. Sie breitet sich schneller aus und verursacht mehr Infektionen und damit mehr schwere Verläufe und Todesfälle. Dazu kommt: Die Corona-Mutante Alpha ist nicht nur infektiöser als der Wildtyp, sondern geht auch einher mit einem erhöhten Sterberisiko. Einen solchen Zusammenhang hatten zahlreiche Studien nahegelegt. Die zugelassenen Impfstoffe wirken nach bisherigem Kenntnisstand gut gegen B.1.1.7. Eindämmen lässt sich die Variante Alpha nur mit strengeren Gegenmaßnahmen als beim Wildtyp.
  • Corona-Variante Beta (B.1.351): Die Mutante B.1.351 wurde zuerst in Südafrika nachgewiesen. Sie ist nach derzeitigem Wissensstand wohl etwas weniger ansteckend als die Variante Alpha – aber immer noch ansteckender als bisherige Varianten. Es gibt Hinweise, dass diese Mutante das menschliche Immunsystem besser austricksen kann als andere Varianten. Das bedeutet, dass Impfstoffe weniger wirksam sein könnten und dass sich Menschen nach einer überstandenen Covid-19-Erkrankung erneut mit dieser Variante des Coronavirus anstecken könnten. Die Datenlage ist in diesem Fall aber noch nicht gut genug, um wirklich gesicherte Aussagen machen zu können.
  • Corona-Variante Gamma (P.1): Auch diese Variante steht im Verdacht, ansteckender zu sein als die ursprünglichen Varianten des Coronavirus. Das Robert-Koch-Institut hält eine erhöhte Übertragbarkeit von P.1 für denkbar. Es gibt Hinweise, dass bereits vorhandene Antikörper - beispielsweise nach einer durchgemachten Infektion mit einer anderen Virusvariante oder einer Impfung - eine geringere neutralisierende Wirkung gegenüber der Mutante Gamma entfalten können. Ob diese Virusvariante mit einem erhöhten Sterblichkeitsrisiko gegenüber dem Wildtyp einhergeht, ist bislang noch nicht bekannt. Studien zur Wirksamkeit der Impfstoffe liefern noch teils widersprüchliche Ergebnisse. Allerdings handelt es sich bei diesen Studien um Vorabveröffentlichungen, die noch nicht den wissenschaftlichen Prüfungsprozess durchlaufen haben.
  • Corona-Varianten Delta und Kappa (B.1.617.2 und B.1.617.1): In Indien grassieren seit Oktober 2020 drei Familien der Mutante B.1.617: B.1.617.1, B.1.617.2 und B.1.617.3. Von März bis Mai 2021 kämpfte das Land mit einer heftigen zweiten Welle der Covid-19-Pandemie. Viele Erkrankte haben sich mit der Variante Delta (B.1.617.2) infiziert. Es handelt sich dabei um eine Doppelmutation, das heißt: Die bekannten Mutationen E484Q und L452R sind in dieser Virusvariante kombiniert. Variante Delta ist vermutlich infektiöser und wahrscheinlich unempfindlicher gegen das Coronavirus gebildete Antikörper als der Urtyp des Virus. Die WHO hat die Variante deshalb am 10. Mai 2021 zur besorgniserregenden Variante erklärt. Daten aus Großbritannien zeigen, dass bei der Variante Delta die verfügbaren Impfstoffe vor schweren Verläufen schützen. Die Variante Kappa (B.1.617.1) steht noch unter Beobachtung und gilt bislang noch nicht als besorgniserregend.

Corona-Mutanten unter Beobachtung (VOI)

Neben den besorgniserregenden Varianten verfolgt das RKI auch die Ausbreitung von Virus-Linien mit ähnlichen Mutationen, und zwar als unter Beobachtung stehende Varianten (variants of interest, VOI).

  • Variante Epsilon (B.1.427 und B.1.429), erstmals nachgewiesen im März 2020 in den USA
  • Variante Zeta (P.2 oder B.1.1.28.2), erstmals nachgewiesen im April 2020 in Brasilien
  • Variante Eta (B.1.525), erstmals nachgewiesen im Dezember 2020 in mehreren Ländern.
  • Variante Theta (P.3 oder B.1.1.28.3), erstmals nachgewiesen im Januar 2021 auf den Philippinen
  • Variante Iota (B.1.526),, erstmals nachgewiesen im November 2020 in den USA
  • Variante Kappa (B.1.617.1): Eine von drei Familien einer Corona-Variante in Indien, , erstmals nachgewiesen dort im Oktober 2020
  • Variante Lambda (C.37), erstmals nachgewiesen im August 2020 in Peru. VOI seit 14. Juni 2021

Warum breiten sich die neuen Virus-Varianten schneller aus?

Die viel diskutierten Varianten Alpha, Gamma und Beta weisen mehrere Mutationen in ihrem Erbgut auf, die unter anderem die sogenannten Spike-Proteine von SARS-CoV-2 verändert haben. Coronaviren nutzen diese stachelartigen Strukturen, um an menschliche Zellen anzudocken und in sie einzudringen. Passende Veränderungen an den Spike-Proteinen können ihnen den Zugang in menschliche Zellen erleichtern. Die genauen molekularen Mechanismen, warum welche Mutation sich leichter verbreitet, sind bislang (noch) nicht bekannt.

Wie gefährlich sind die Corona-Mutanten?

Den hier aufgeführten Corona-Mutanten ist gemeinsam, dass sie die Ansteckungsgefahr erhöhen. Dadurch ist die Corona-Pandemie deutlich schwerer einzudämmen. Die Mutanten führen zu mehr Infizierten, wodurch es auch zu mehr schweren Krankheitsverläufen sowie Todesfällen kommen kann. Die AHA-L-Regeln sollten deshalb weiterhin eingehalten werden.

Ob und wie stark die Corona-Mutationen die Wirksamkeit der Impfstoffe beeinflussen, wird noch erforscht. Die Lage ist nach bisherigem Kenntnisstand je nach Impfstoff und Mutante unterschiedlich. Klar ist: Völlig unwirksam ist bislang keiner der bekannten Impfstoffe gegenüber den Mutanten. Vor allem vor schweren Krankheitsverläufen und Todesfällen können die Impfstoffe schützen. Auch ist es bei den neuartigen mRNA-Impfstoffen einfacher, diese den Mutanten relativ schnell anzupassen. Andererseits ist auch klar: Je mehr Infizierte es gibt, desto mehr Gelegenheiten hat das Virus, zu mutieren und neue Mutanten zu entwickeln - gegen die dann irgendwann neue Impfstoffe entwickelt werden müssten.

Wie erforscht man Corona-Mutationen in Deutschland?

Um herauszufinden, wie weit verbreitet welche Mutanten wirklich sind, muss das Erbgut der in den positiven Proben enthaltenen Corona-Viren sequenziert, also entschlüsselt werden. Derartige Tests sind wichtig, um ansteckendere Varianten aufzuspüren – denn dann gilt es, schnell zu reagieren. Labore in Deutschland sollen mindestens fünf Prozent der positiven Corona-Proben einem derartigen Test unterziehen.

Wie schütze ich mich vor Corona-Mutanten?

Genauso wie vor den "ursprünglichen" Coronavirus-Varianten. Nach aktuellem Wissensstand schützen alle in Deutschland zugelassenen Impfungen vor einer Erkrankung mit dem Wildtyp oder der Mutante B.1.1.7 (Alpha). Auch gegen die anderen Varianten schützt eine Impfung vor einem schweren Verlauf. Weil in Deutschland allerdings ein Großteil der Bevölkerung noch nicht geimpft ist, sollten die geltenden Schutzmaßnahmen und Hygieneregeln weiterhin eingehalten werden: Abstand halten, Hände waschen, in die Armbeuge niesen, Maske tragen und Innenräume regelmäßig lüften. Damit werden auch generell Ansteckungen verhindert. Denn je stärker sich das Virus ausbreitet, desto mehr Gelegenheit hat es, weiter zu mutieren. Dadurch erhöht sich das Risiko, dass weitere Mutanten mit noch gefährlicheren Eigenschaften entstehen.

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Um die weitere Ausbreitung von Corona-Mutanten zu verhindern, gilt für Kitas ein Hygieneplan: Schon bei leichten Erkältungssymptomen brauchen die Kinder einen negativen Corona-Test - eine große Herausforderung für viele Eltern.

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