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#Faktenfuchs: Macht Milch von kranken Kühen krank? | BR24

© dpa-Bildfunk/istock_Macniak

Trinken erlaubt - aber nicht immer: Unter bestimmten Umständen muss die Milch kranker Kühe entsorgt werden

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    #Faktenfuchs: Macht Milch von kranken Kühen krank?

    Kranke Tiere, schmutzige Ställe, überforderte Amtstierärzte: Drei landwirtschaftliche Betriebe im Allgäu stehen im Verdacht, massiv gegen den Tierschutz verstoßen zu haben. Können wir die Milch kranker Kühe trinken?

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    Nach dem Tierskandal in Bad Grönenbach im Unterallgäu steht das Tierwohl wieder stärker im Fokus. Auch auf Facebook diskutieren BR24-Leser über leidende Nutztiere – und über Milch, die von kranken Kühen kommt. Was passiert, wenn man sie trinkt? Und ab wann ist eine Kuh überhaupt "krank"?

    Was passiert mit Milch, die von einer kranken Kuh kommt?

    Bei einer Verletzung am Rücken oder an den Klauen etwa gibt ein Landwirt die Milch der Kuh weiterhin ab. Bei einer Virusinfektion wie Grippe mit Fieber wird das Tier tierärztlich behandelt – die Milch muss entsorgt werden.

    Allerdings gilt auch: Wenn eine Kuh nicht gesund ist, erhöht sich die Anzahl somatischer Zellen, also der Entzündungszellen, in der Milch. Das heißt noch nicht, dass das Tier auch tatsächlich erkrankt ist. Vielmehr zeigt eine erhöhte Zellzahl an, dass der Körper der Kuh eine Infektion abwehrt. In der Europäischen Union liegt der Grenzwert bei 400.000 somatischen Zellen je Milliliter Milch. Schon bei der Abholung der Milch vom Bauernhof wird die Zellzahl automatisch im Milchsammelwagen der Molkerei geprüft. Ist der Wert zu hoch, muss die Milch entsorgt werden.

    Gibt es Rückstände von Antibiotika in der Milch?

    Wenn eine Kuh Antibiotika bekommt, darf ihre Milch grundsätzlich nicht abgegeben werden. Gemäß der EU-Bestimmungen und der gesetzlichen Milchgüteverordnung darf sie nämlich keinerlei Rückstände enthalten. Würde ein Landwirt die Milch einer Kuh, die mit Antibiotika behandelt wird, mit in den Tankwagen der Molkerei geben, dann würde die Molkerei dies feststellen. Denn Antibiotika führen dazu, dass sich in der Milch sogenannte Hemmstoffe befinden. Molkereien untersuchen jede Anlieferung auf diese Stoffe, die auch in kleinsten Mengen nachweisbar sind.

    Werden Hemmstoffe festgestellt, wird die gesamte Lieferung entsorgt – den finanziellen Verlust muss der Landwirt tragen. Dazu schreibt die Milchgüteverordnung fest, dass bei einem Nachweis von Hemmstoffen die Molkerei den Auszahlungspreis um fünf Cent pro Kilo kürzen muss – pro positivem Nachweis innerhalb eines Monats.

    Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) hat in den Jahren 2008 bis 2012 mehr als 1.200 Stichproben im Bayerischen Einzelhandel genommen, um herauszufinden, wie oft Rückstände von Antibiotika so in Umlauf gelangen. Das Ergebnis: In Eiern, Honig, Rindfleisch und Milch hat das LGL selten Antibiotikarückstände gefunden – und die lagen meist weit unter den zulässigen Höchstmengen. Nur eine Probe entsprach nicht den gesetzlichen Vorgaben. Daher schreibt das LGL: "Aus toxikologischer Sicht [wird] das Risiko für den Verbraucher durch die Aufnahme von Antibiotika- bzw. Kokzidiostatikarückständen in tierischen Lebensmitteln als gering eingeschätzt."

    Was passiert mit der Milch?

    Laut Umweltbundesamt handelt es sich bei dieser sogenannten Sperrmilch um bis zu vier Prozent der gesamten erzeugten Milchmenge. Die Landwirte haben grundsätzlich zwei Möglichkeiten. Sie können die Milch an Kälber verfüttern oder über die Gülle entsorgen.

    Was ist mit Keimen?

    Auch die Keimbelastung in der Milch wird mehrmals im Monat geprüft. Keime kommen weniger von der Kuh selbst, sondern finden ihren Weg durch den Stall oder die Melkanlage in die Milch. Durch Pasteurisieren und ultrahohes Erhitzen werden Keime zu 99,9 Prozent getötet. Das betrifft auch auf Menschen übertragbare Bakterien: Salmonellen oder auch Tuberkuloseerreger werden durch Erhitzen abgetötet. Rohe Milch sollte insbesondere nicht von Kleinkindern, alten oder immungeschwächten Personen getrunken werden.

    Wie viele milchliefernde Kühe sind krank?

    Der gemeinnützige Verein Foodwatch hat 2016 Studien zur Gesundheit von Nutztieren ausgewertet. Darin heißt es, dass rund jedes vierte Tierprodukt von einem kranken Tier stammt. Untersucht wurden nicht nur Milchkühe, sondern auch Legehennen oder Schweine.

    Christian Baumgartner vom Milchprüfring Bayern verweist auf die Zellzahlauswertung von Milch aus dem Jahr 2018. Derzufolge sind Zahlen von über 400.000 somatischen Zellen pro Milliliter Milch in Bayern sehr selten. "Wir liegen sehr gut im nationalen und europaweiten Vergleich", sagt Baumgartner. Der Milchprüfring, eine landwirtschaftliche Selbsthilfeorganisation, ist vom Staat beauftragt, unter anderem die Milch bayerischer Erzeuger zu prüfen.

    Ist Biomilch automatisch besser?

    Zwar haben Biobetriebe einen höheren Anspruch ans Tierwohl. "Das heißt aber nicht automatisch, dass es den Kühen dort besser geht als in konventionellen Betrieben", sagt Baumgartner. "Es ist immer der Mensch entscheidend, der sich um die Kühe kümmert."

    Das zeigt auch eine europaweite Studie unter Federführung des Kasseler Tierarztes Albert Sundrum: Bei einer Untersuchung von rund 200 Milchviehbetrieben stellte man fest, dass eine Bio-Milchkuh nicht per se gesünder ist als eine konventionelle.

    Was letztlich zähle, sei die richtige Betriebsführung, sagt Baumgartner: "Allgemein kommt es darauf an, wie viel Stress die Tiere ausgesetzt sind." Denn weniger Stress bedeute auch gesündere Tiere.

    Fazit

    "Als Verbraucher in Deutschland durch Milchprodukte aus dem Geschäft krank zu werden, ist ein Kunststück", sagt Dr. Christian Baumgartner vom Milchprüfring Bayern. Zwar ändert sich die Zusammensetzung der Milch, wenn eine Kuh nicht gesund ist. In roher Milch können Keime auch auf Menschen übertragen werden. Aber: Durch ständige Kontrollen wird sichergestellt, dass Milch von kranken Kühen gar nicht in Umlauf kommt und das hohe Erhitzen tötet Keime ab.