BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© dpa/pa/Zoonar/Juergen Landshoeft
Bildrechte: dpa/pa/Zoonar/Juergen Landshoeft

Hamster im Schnee

Per Mail sharen

    Extreme Kälte: Gut für Bienen, schlecht für Hamster

    Schnee, Kälte und eisiger Wind: Bayern hat winterliche Tage mit teils zweistelligen Minusgraden vor sich. Vielen Tieren bereitet der strenge Frost große Probleme, andere Arten profitieren jedoch von der Wetterlage. Naturschützer erklären die Gründe.

    Per Mail sharen
    Von
    • Florian Haas
    • BR24 im Radio

    Schlechte Nachrichten für Feldhamster, gute News für Bienen: Die aktuelle Eiseskälte in Deutschland und immer mehr auch in Bayern wirkt sich auf die Tierwelt sehr unterschiedlich aus. Darauf machen Naturschützer aufmerksam. Doch wen trifft die Wetterlage zurzeit hart - und wer kann davon profitieren?

    Großer Körper, besserer Speicher

    Magnus Wesel, Leiter Naturschutzpolitik des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND), sagt: Je kleiner das Tier ist, desto schwerer fällt es ihm, Wärme in sich zu speichern. Zwar seien etwa kleine Säugetierarten auf harte Winter eingestellt und könnten auch größere Verluste "evolutionär wegstecken". Doch das gilt nicht für bedrohte Arten wie etwa dem Feldhamster oder auch dem Eisvogel. Für diese und andere Spezies könnte eine große Zahl von Kälteopfern zum Problem werden.

    Wetterunabhängig geht es für Feldhamster weltweit und auch im Freistaat um die Existenz. In Schwaben und in Oberfranken ist die Art bereits ausgestorben. Größere Populationen finden sich nur noch in Mainfranken und rund um Hof. Die Zahl des schillernd-schönen, aber kälteempfindlichen Eisvogels schätzt der Landesbund für Vogelschutz auf 1.600 bis 2.200 Paare. Zuletzt meldeten einige Gegenden wie der Landkreis Starnberg zwar wieder einen leichten Zuwachs; generell aber bereiten diesen und vielen anderen Vögeln Insektenschwund, Besiedlungsdichte und landwirtschaftliche Monokulturen Schwierigkeiten.

    Alles andere als bedroht sind Rehe. Doch nicht nur deshalb ist die Kälte für sie weniger dramatisch. Wie Sebastian Kolberg vom Naturschutzbund (NABU) erklärt, können sie ihre Darmstruktur anpassen und so im Notfall auch schlechter verdaubare Nahrung aufnehmen.

    Weniger Parasiten und Pilze

    Auch Insekten haben mit Kälte und Schnee weniger Probleme. Sofern sie denn an einer gut geschützten Stelle sitzen - wie das zum Beispiel befruchtete Wespen- und Bienenköniginnen meist tun, erklärte BUND-Experte Wessel. Er sagt: Für Insekten wäre ein warmer Winter in der Tendenz das größere Desaster. Denn dann seien die Schmarotzer aktiver.

    "In warmen Wintern machen die Parasiten und Pilze, die die Tiere in der Winterruhe befallen, einfach weiter." Naturschutzfachmann Magnus Wessel

    Doch nicht alle Insekten bringt die Kälte Vorteile. Mücken etwa haben ein Problem, wenn Seen und Teiche zufrieren. Dann nämlich, sagt NABU-Fachmann Sebastian Kolberg, schaffen es ihre Larven im Zweifel nicht mehr hinaus. Über Wohl und Weh des Mückennachwuchses entscheide aber letztlich die Dauer der Kälteperiode.

    Der Borkenkäfer trotzt der Kälte

    Wer nun glaubt, die Minustemperaturen würden allen Parasiten extrem zusetzen (was wiederum dem angeschlagenem deutschen Wald zu gute kommen würde) - der wird enttäuscht. Der Borkenkäfer etwa sei sehr resistent und verharre einfach in einer Froststarre, erklärt Kolberg vom NABU: "Da kann der Winter noch so stark sein." Schlechte Nachrichten also für Freunde und Besitzer des Waldes.

    Hart im Nehmen ist jedoch nicht nur der Borkenkäfer. Die Naturschutzexperten erklären, dass die Tierwelt auf kalte Winter vorbereitet ist. Manche setzten mehr Fett an, hielten Winterschlaf oder legten sich ein Winterfell zu. Wichtig seien aber ausreichend Rückzugsräume. Und an denen mangelt es vielerorts zunehmend. Auch vor diesem Hintergrund hat sich die Große Koalition nun nach langem Streit auf Maßnahmen zum Insektenschutz geeinigt. Es weist unter anderem Schutzgebiete aus, um das weitflächige rasante Sterben der so wichtigen Tiere zu bremsen.

    (mit Material von dpa)

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!