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Explosion in Beirut: Warum Ammoniumnitrat so gefährlich ist | BR24

© dpa-Bildfunk/Hussein Malla

Die Explosion am Hafen von Beirut führte zu massiven Zerstörungen in der Stadt.

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    Explosion in Beirut: Warum Ammoniumnitrat so gefährlich ist

    Die Substanz soll die Ursache für die verheerende Detonation am Hafen von Beirut gewesen sein. Ammoniumnitrat hat weltweit bereits zu großen Explosionskatatrophen geführt und wurde bei Terroranschlägen verwendet.

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    Eine sehr große Menge Ammoniumnitrat könnte nach Einschätzung des libanesischen Ministerpräsidenten Hassan Diab die Detonation in Beirut mit mehr als hundert Toten und Tausenden Verletzten verursacht haben. Nach der Explosion bildete sich eine riesige Pilzwolke am Himmel. Eine Druckwelle breitete sich blitzschnell kreisförmig aus. Ganze Straßenzüge rund um den Hafen wurden verwüstet. Im Internet kursierten Fotos von zerstörten Fenstern an Wohnhäusern und Trümmern auf den Straßen. Ein Polizist sagte, die Schäden erstreckten sich kilometerweit.

    Woher der Stoff stammte

    Berichten zufolge hatten libanesische Behörden im Jahr 2013 einem Frachtschiff, das von Georgien ins südafrikanische Mosambik unterwegs war, die Weiterfahrt wegen verschiedener Mängel untersagt. Der Besatzung gingen Treibstoff und Proviant aus, der Inhaber gab das Schiff dann offenbar auf. Der Crew wurde nach einem juristischen Streit schließlich die Ausreise genehmigt. Das Schiff blieb zurück mit der gefährlichen Ladung, die in einem Lagerhaus untergebracht wurde.

    Der Stoff sei dort sechs Jahre lang ohne Sicherheitsvorkehrungen verblieben, teilte die libanesische Regierung mir. Es sei "unvertretbar", dass eine Ladung von schätzungsweise 2750 Tonnen der Substanz in einer Halle am Hafen gelagert worden sei, sagte Diab in der Nacht zum Mittwoch dem Präsidialamt zufolge.

    Woraus Ammoniumnitrat besteht

    Ammoniumnitrat, das auch zur Herstellung von Sprengsätzen dient, kann bei höheren Temperaturen detonieren. Die farblosen Kristalle, die aus Ammoniak und Salpetersäure gebildet werden, dienen unter anderem auch zum Raketenantrieb. Sie werden aber vor allem zur Herstellung von Düngemittel eingesetzt. In Deutschland fällt die Handhabung von Ammoniumnitrat unter das Sprengstoffgesetz.

    Unter normalen Lagerbedingungen und bei mäßigen Temperaturen entzünde sich Ammoniumnitrat nur schwer, erläutert die Chemie-Expertin Jimmie Oxley von der Universität in Rhode Island. Auf Videos der Explosionen in Beirut sei zunächst schwarzer, dann roter Rauch zu sehen. "Ich gehe davon aus, dass es eine kleine Explosion gab, die die Reaktion des Ammoniumnitrats auslöste – ob diese kleine Explosion ein Unfall war oder beabsichtigt, weiß ich nicht", sagt Oxley.

    Normalerweise wird die Chemikalie unter strengen Bedingungen gelagert: So muss sie etwa von Brennstoffen und Wärmequellen ferngehalten werden. In vielen EU-Ländern muss Ammoniumnitrat zudem mit Kalk versetzt werden, um es sicherer zu machen.

    Trotz der Gefahren ist Ammoniumnitrat laut Oxley in der Landwirtschaft und für Sprengungen in der Bauindustrie unverzichtbar. "Ohne Sprengstoff wäre die moderne Welt nicht möglich, und ohne Ammoniumnitrat-Dünger könnten wir die heutige Bevölkerung nicht ernähren", sagt sie. "Wir brauchen Ammoniumnitrat – wir müssen nur genau darauf achten, was wir damit machen."

    Bereits zahlreiche Katastrophen mit Ammoniumnitrat

    Ammoniumnitrat war in der Vergangenheit Ursache für zahlreiche Unglücke mit vielen Toten und Verletzten. 2015 kam es etwa in einem Gefahrgutlager in der chinesischen Stadt Tianjin zu einer Serie von Explosionen. 173 Menschen wurden damals getötet. In französischen Toulouse starben 2001 bei der Explosion einer Düngemittelfabrik 31 Menschen. Bei einer Explosion in einer Düngemittelfabrik in Texas starben im Jahr 2013 15 Menschen. Auch in Deutschland kam es zu einem Unglück: 1921 wurden bei einem Unfall in einer Chemiefabrik des Unternehmens BASF in Oppau 561 Menschen getötet.

    Zudem wurde die Substanz bei Anschlägen, unter anderem 2011 von Anders Behring Breivik in Oslo oder 1995 in Oklahoma City verwendet.

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