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Der Virologe Christian Drosten: "Bin alles andere als beunruhigt"

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    Experten: Neue Corona-Variante kein Grund zur Beunruhigung

    Deutsche Experten sind nicht beunruhigt von der neuen Coronavirus-Variante aus Großbritannien: Die Impfung helfe trotzdem, der Verlauf sei nicht schwerer. Auch gebe es zwar Hinweise, aber keinen noch Beleg, dass das mutierte Virus ansteckender sei.

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    Von
    • BR24 Redaktion
    • Sebastian Kirschner

    Dass Viren sich verändern, kommt nicht unerwartet. Ein Virus passt sich an, versucht Widerständen wie dem menschlichen Immunsystem auszuweichen. Beim Grippevirus etwa lässt sich das jedes Jahr beobachten. Der Fachbegriff dafür lautet Selektion.

    Neu an der Variante des Coronavirus aus Großbritannien ist: Es könnte tatsächlich ansteckender sein. Dafür spricht, dass mehrere Mutationen im Virus das sogenannte Spike-Protein betreffen, das eine wichtige Andockstelle ist, wenn das Virus in menschliche Zellen eindringt. Nachgewiesen ist das bisher jedoch nicht.

    Virus breitet sich in Südostengland und London sehr stark aus

    Die britischen Behörden sagen: Für seine hohe Ansteckungsfähigkeit spricht auch, dass sich das Virus in Südostengland und London sehr stark ausbreitet. Stärker als andere Varianten und stärker als andernorts.

    Ob sich die Variante tatsächlich explosiv verbreitet, dazu sollen in dieser Woche in den betroffenen Regionen im Vereinigten Königreich genauere Daten erhoben werden. Das schreiben Experten der "New and Emerging Respiratory Virus Threats Advisory Group" (NERVTAG) in Großbritannien.

    Keine Hinweise auf schwerere Erkrankung durch mutiertes Virus

    Experten in Deutschland reagieren auf die Warnungen eher verhalten: "Die gesicherten Erkenntnisse über die Variante im Vereinigten Königreich sind noch sehr lückenhaft", sagt der Virologe Jörg Timm vom Universitätsklinikum Düsseldorf. "Die Tatsache, dass die Variante sich so rasch in England verbreitet, lässt schon vermuten, dass die Übertragung dieser Variante effizienter ist." Das bedeute aber nicht, dass die Variante auch eine schwerere Erkrankung auslöse. Dazu gebe es keine gesicherten Daten, dem ersten Eindruck zufolge sei das aber nicht der Fall.

    In Deutschland ist Virus bisher noch nicht nachgewiesen. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass es hier nicht vorkommt. Grund dafür ist vor allem die Tatsache, dass Labore hierzulande die Viren viel weniger untersuchen als etwa in Großbritannien.

    Außerhalb Großbritanniens nur wenige genau untersuchende Labore

    Roman Wölfel, der Leiter des Instituts für Mikrobiologie der Bundeswehr in München, sagt, es gebe leider außerhalb von Großbritannien nur wenige vergleichbar starke Genomsequenzierungsnetzwerke, also Labore, in denen Coronaproben genauer untersucht werden. "Wie viele andere Fähigkeiten auch, muss man solche Kapazitäten langfristig aufbauen und fördern, um sie dann bei einem besonderen Bedarf wie der jetzigen Covid-19-Pandemie schnell und effektiv einsetzen zu können", so Wölfel.

    Wahrscheinlich ist, dass sich die neue Virus-Variante sogar schon relativ verbreitet hat. Denn nachgewiesen ist sie bereits in Italien, Belgien, Dänemark und Australien. In Großbritannien breitet sie sich bereits seit September aus. Auch in den Niederlanden wurde die mutierte Virus-Variante bereits nachgewiesen. Dort hat sie sich aber nicht schneller oder stärker verbreitet.

    Drosten: "Bin alles andere als beunruhigt"

    Der Virologe Christian Drosten sagt, das mutierte Virus sei in den Niederlanden bereits Anfang Dezember zufällig gefunden worden. "Das muss also in Holland schon vor Anfang Dezember angekommen sein. Es ist aber nicht hochgekocht dort." Dieses Virus habe sich gar nicht groß vermehrt. So werde das in vielen anderen Ländern auch sein. "Daher bin ich alles andere als beunruhigt.

    Wie weit die neue Variante des Coronavirus bereits in Deutschland verbreitet ist – das zu klären dürfte indes noch Zeit in Anspruch nehmen. Der Virologe Ortwin Adams schätzt, dass erst Anfang kommenden Jahres mehr bekannt sein dürfte. "In etwa vier Wochen werden wir mehr wissen", so Adams wörtlich. Leider liege jetzt gerade Weihnachten dazwischen. "Aber das Virus kennt nun mal kein Weihnachten."

    Experten: Impfstoff wirkt auch gegen die neue Virus-Variante

    Bei der Frage, ob die Mutationen die bisher entwickelten Impfstoffe unwirksam machen, zeigen sich Experten zuversichtlich, dass der Impfstoff auch gegen die neue Variante des Virus wirkt. Der mit der Impfung aufgebaute Schutz sollte demnach so großflächig greifen, dass auch Viren mit Mutationen abgewehrt werden.

    "Grundsätzlich ist es möglich, aber es ist sehr unwahrscheinlich, dass Evasionsmutanten entstehen, dass wirklich ein Virus sich so verändert, dass ein wirksamer Impfstoff dann nicht mehr wirkt", sagt Peter Kremsner, Infektiologe der Universität Tübingen. "Das ist eine außerordentliche Seltenheit, da muss schon sehr viel mutiert werden, dass das dann nicht mehr klappt. Also ich bin da zuversichtlich, dass das weiterhin klappt."

    Virus in Bayern bislang noch nicht nachgewiesen

    In Bayern ist bisher kein Fall einer Ansteckung mit der neuen Coronavirus-Variante bekannt. Das erklärte ein Sprecher des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in Erlangen. Er wies aber auch darauf hin, dass die zum Virusnachweis verwendeten PCR-Tests nicht nach unterschiedlichen Virus-Mutationen unterscheiden. "Hierzu sind gesonderte Sequenzierungen notwendig", betonte er.

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