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Manche Pflanzenschutzmittel enthalten endokrine Disruptoren, sogenannte Umwelthormone.
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Autoren

Elke Hardegger
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Manche Pflanzenschutzmittel enthalten endokrine Disruptoren, sogenannte Umwelthormone.

Hormonaktive Stoffe, die auch als endokrine Disruptoren bezeichnet werden, greifen in das Hormonsystem des Körpers ein. Das kann gravierende Folgen für die Gesundheit von Menschen und Tiere haben. Diese Stoffe kommen zum Beispiel in Pestiziden vor und gelangen über die Nahrung oder über die Haut in den menschlichen Körper. Hormonaktive Stoffe sind auch in Verpackungs- oder Baumaterialien enthalten sowie in Kosmetika. Die Wirkungen auf Menschen und Umwelt sind vielfältig und oft schwerwiegend. Endokrine Disruptoren können etwa den Fortpflanzungsapparat schädigen und so zu Unfruchtbarkeit führen oder zu hormonell bedingten Krebserkrankungen beitragen. Trotz dieser Erkenntnisse fehlt eine eindeutige Regulierung dieser Stoffe innerhalb der EU.

Einheitliche Regelungen für endokrine Disruptoren

Eigentlich gibt es ein Verbot auf EU–Ebene zur Verwendung von "endokrin disruptiv" eingestuften Stoffen. Ausnahmen können in besonderen Fällen für einen kürzeren Zeitraum als bei einer regulären Genehmigung erteilt werden. Bei den Vorgaben von Kosmetika und Verpackungsmaterialien für Lebensmittel sowie im Rechtsrahmen für den Schutz am Arbeitsplatz sind endokrine Disruptoren nicht ausdrücklich genannt. Das heißt, dass von Fall zu geprüft wird, ob eine Substanz verwendet werden darf oder nicht.

Langzeitfolgen von Umwelthormonen sind schwer einzuschätzen

Einen Stoff als hormonell disruptiv einzustufen, ist generell schwierig, kritisieren Umwelt- und Verbraucherschützer. Die Langzeitfolgen für die menschliche Gesundheit durch hormonaktive Stoffe sind vielschichtig und nicht immer eindeutig nachzuweisen. Ende 2017 wurden erstmals Kriterien für die Definition endokriner Disruptoren festgelegt, die hauptsächlich für Pestizide und Pflanzenschutzmittel gelten.

Analyse bisheriger Erkenntnisse über hormonaktive Stoffe

Die EU-Kommission startet nun eine breit angelegte Eignungsprüfung der Reglungen von endokrinen Disruptoren. Bisherige wissenschaftliche Erkenntnisse sollen analysiert werden, um besser bewerten zu können, wie sich die Regelungen auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt auswirken. Die Folgen für die Wettbewerbsfähigkeit von Landwirtschaft und Industrie werden dabei mit berücksichtigt. Die ursprüngliche europäische Strategie zum Schutz der Bevölkerung vor hormonverändernden Stoffen ist rund 20 Jahre alt. Im Jahr 2017 hat die EU mit der Definition endokriner Disruptoren für Pestizide und Pflanzenschutzmittel eine erste Neuerung eingeführt.