Zurück zur Startseite
Wissen
Zurück zur Startseite
Wissen

EU beschränkt Einsatz von Antibiotika bei Nutztieren | BR24

© picture alliance / dpa / Carsten Rehder

Schweine in einem Mastbetrieb. Ab 2021 sollen Tiere in der gesamten EU nur noch in Ausnahmefällen Antibiotika erhalten dürfen.

Per Mail sharen

    EU beschränkt Einsatz von Antibiotika bei Nutztieren

    Ab 2021 sollen Tiere in der EU nur noch in Ausnahmefällen Antibiotika erhalten dürfen. Einen entsprechenden Maßnahmenkatalog hat das EU-Parlament Ende Oktober verabschiedet. Er ist ein weiterer Schritt im Kampf gegen Antibiotikaresistenzen.

    Per Mail sharen

    Weniger Antibiotika für Rinder, Schweine, Geflügel und andere Nutztiere - darauf zielt eine neue Verordnung ab, die das EU-Parlament Ende Oktober verabschiedet hat. Damit soll die wachsende Zahl von Antibiotikaresistenzen verringert werden.

    33.000 Todesfälle durch Antibiotikaresistenzen in Europa

    733 Tonnen Antibiotika wurden 2017 allein in Deutschland an Tiere verfüttert. Eine Gefahr für Tier und Mensch. Denn auch in Tieren entwickeln Bakterien Antibiotikaresistenzen, die wir im Fleisch mitessen. Wenn Antibiotika nicht mehr wirken, können für uns schon kleinste Verletzungen lebensgefährlich werden. Laut der Berechnung eines internationalen Forscherteams, die Anfang November 2018 im Fachmagazin "The Lancet Infectious Diseases" veröffentlicht wurde, sterben jedes Jahr in Europa etwa 33.000 Menschen infolge antibiotikaresistent gewordener Bakterien. Und es werden jedes Jahr mehr Menschen, die eine Infektion aufgrund multiresistenter Bakterien nicht überleben.

    Die neuen Regelungen: Antibiotika für Tiere nur in Ausnahmefällen

    Mediziner und andere Experten kritisieren seit Langem den allzu sorglosen Umgang mit Antibiotika. Schließlich sind der falsche Umgang und der maßlose Einsatz von Antibiotika in der Landwirtschaft ein Grund für die steigende Zahl von Antibiotikaresistenzen.

    Jetzt hat das EU-Parlament endlich mit großer Mehrheit eine neue Verordnung verabschiedet, mit der der Einsatz von Antibiotika in der Nutztierhaltung eingeschränkt wird. Sie sieht vor, dass

    • bestimmte Antibiotika (sogenannte Reserveantibiotika) nur noch für Menschen reserviert sind, also nicht mehr in der Tierhaltung verabreicht werden dürfen,
    • eine präventive Einnahme von Antibiotika nur noch in Ausnahmefällen erlaubt ist, die ein Tierarzt begründen muss
    • und keine Antibiotika mehr zur Mästung der Tiere eingesetzt werden dürfen. Das heißt, es dürfen auch keine mit Antibiotika angereicherten Futtermittel mehr importiert werden.

    Antibiotika in der Tierhaltung: Die Regelung in Deutschland

    In Deutschland gelten schon seit 2014 strengere Regeln für den Antibiotika-Einsatz in der Tierhaltung, die erst im März 2018 nochmals verschärft wurden. Mit Erfolg: Wurden im Jahr 2011 noch 1706 Tonnen Antibiotika in deutschen Tierställen verabreicht, waren es 2017 nur noch 733 Tonnen.

    Der Rat der Mitgliedstaaten muss nun noch formell zustimmen, womit in Kürze gerechnet wird. Anschließend haben die EU-Staaten drei Jahre Zeit, um die neuen Vorschriften umzusetzen. Damit greift die Verordnung nicht vor Ende 2021. Spätestens dann sollten aber in allen europäischen Ställen weniger Antibiotika eingesetzt werden.