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Erstmals Coronavirus in der Muttermilch nachgewiesen | BR24

© picture-alliance/dpa

Wird das Coronavirus über die Muttermilch auf den Säugling übertragen?

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    Erstmals Coronavirus in der Muttermilch nachgewiesen

    Virologen der Universität Ulm konnten erstmals das Erbgut des Coronavirus in der Muttermilch einer an Sars-CoV-2 infizierten Frau nachweisen. Unklar ist aber, ob ihr ebenfalls erkrankter Säugling sich tatsächlich auf diesem Wege angesteckt hat.

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    Bei einer an Covid-19 erkrankten Frau konnten Wissenschaftler zum ersten Mal das Erbgut des neuen Coronavirus in der Muttermilch nachweisen. Ihr Baby war ebenfalls mit dem Coronavirus infiziert, das teilten Virologen der Universität Ulm mit. Unklar ist bisher jedoch, ob sich das Kind beim Stillen über die Muttermilch angesteckt habe oder auf anderem Wege. Die Forscher um Jan Münch und Rüdiger Groß veröffentlichten ihre Ergebnisse im Fachjournal "The Lancet".

    Zwei Mütter mit ihren Säuglingen im Krankenhaus infiziert

    Die Virologen hatten die Muttermilch von zwei Frauen, die sich nach der Entbindung im Krankenhaus zusammen mit ihren Neugeborenen ein Zimmer teilten, auf das Erbgut (RNA) des neuen Coronavirus untersucht. Als eine der Frauen Krankheitssymptome entwickelte, wurde sie mit ihrem Neugeborenen isoliert und beide wurden positiv auf Sars-CoV-2 getestet. Die Zimmernachbarin bemerkte erst später Symptome, wurde dann aber - ebenso wie ihr Kind - auch positiv getestet.

    Muttermilch nur bei einer der Frauen mit dem Coronavirus belastet

    In der Muttermilch der Frau, die zuerst erkrankt war, konnte kein Erbgut des neuen Coronavirus nachgewiesen werden. Die Ergebnisse bei der zweiten Frau hingegen sahen anders aus: Hier fielen die Tests der Muttermilch-Proben vier Mal positiv aus. Noch ist nicht klar, woran das lag, so Münch. Nach 14 Tagen sei kein Virus mehr in der Muttermilch nachweisbar gewesen und die Mutter sowie ihr Kind erholten sich von Covid-19.

    Unklar, ob der Säugling sich über die Muttermilch infiziert hat

    Die später erkrankte Mutter hatte beim Umgang mit ihrem Kind einen Mund-Nasen-Schutz getragen und Hände und Brüste desinfiziert. Zudem sterilisierte sie regelmäßig die Utensilien für das Stillen. Es bleibe unklar, ob sich das Baby tatsächlich beim Stillen infizierte, betonen die Forscher.

    "Unsere Studie zeigt, dass Sars-CoV-2 bei stillenden Frauen mit akuter Infektion in der Muttermilch nachweisbar sein kann. Aber wir wissen noch nicht, wie oft dies der Fall ist, ob die Viren in der Milch auch infektiös sind und durch das Stillen auf den Säugling übertragen werden können." Ulmer Virologen

    Kann man trotzdem sein Baby stillen?

    Ja, denn derzeit fehlen evidenzbasierte Hinweise dafür, dass das Virus über die Muttermilch übertragen werden kann. Bei dem Fall aus Ulm handelte es sich bisher um einen Einzelfall. Auf welchem Übertragungsweg der Säugling sich angesteckt haben könnte, ist unklar. Daher wird davon ausgegangen, dass die anerkannten Vorteile des Stillens die potenziellen Risiken einer Übertragung des Coronavirus überwiegen. Infizierte Mütter oder Verdachtsfälle sollten beim Stillen durch Hygienemaßnahmen wie gründliches Händewaschen vor und nach dem Kontakt mit dem Kind und durch das Tragen eines Mundschutzes eine Übertragung des Virus durch Tröpfcheninfektion verhindern. Diese Empfehlung kann sich ändern, wenn sich das Wissen über das neue Virus weiterentwickelt.

    Beim Stillen werden folgende Vorsichtsmaßnahmen empfohlen:

    • Waschen Sie Ihre Hände ausreichend lang, bevor Sie Ihr Baby, die Milchpumpe oder die Flasche berühren.
    • Tragen Sie eine Gesichtsmaske zum Füttern an der Brust.
    • Befolgen Sie nach jedem Gebrauch die Empfehlungen zur Pumpenreinigung.
    • Wenn Sie Ihr Baby mit Milchnahrung oder Milch füttern möchten, wird empfohlen, die Sterilisationsrichtlinien strikt einzuhalten.
    • Wenn Sie im Krankenhaus Muttermilch abpumpen, sollte eine spezielle Pumpe verwendet werden.

    Ist eine Mutter nicht in der Lage, ihr Kind zu stillen, kann die Muttermilch auch abgepumpt werden und über eine weitere Person an den Säugling verfüttert werden. Auch hierbei sollte auf die Hygiene geachtet und Pumpe sowie Fläschchen nach dem Gebrauch sterilisiert werden.

    Abgestimmt mit dem Royal College of Obstetricians and Gynaecologists © 2020 und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V.

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