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Vor dem Einsatz von Gebärmutter-Transplantaten waren Adoption oder Leihmutterschaft die einzigen verfügbaren Optionen für ein Kind.
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Georgia Tscharke
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Vor dem Einsatz von Gebärmutter-Transplantaten waren Adoption oder Leihmutterschaft die einzigen verfügbaren Optionen für ein Kind.

Bislang konnten Frauen nur nach der Lebendspende einer Gebärmutter durch ein Familienmitglied wie Schwester oder Mutter schwanger werden. Doch Lebendspenden sind knapp, es gibt mehr Frauen mit einer angeborenen Fehlbildung, die auf eine Gebärmutterspende warten. Jetzt wurde in Brasilien das erste Baby nach der Uterus-Transplantation einer verstorbenen Spenderin geboren.

Uterus-Transplantation von verstorbener Spenderin

Die Ergebnisse der Studie, die am 4. Dezember 2018 in der medizinischen Fachzeitschrift "The Lancet" erschienen sind, zeigen, dass Uterus-Transplantationen von verstorbenen Spenderinnen möglich sind. Unfruchtbare Frauen hätten so die Möglichkeit, schwanger zu werden, ohne auf eine Lebendspenderin angewiesen zu sein, sagt Dr. Dani Ejzenberg, Wissenschaftler an der medizinischen Fakultät der Universität São Paulo und Leiter der Studie. Vor dem Einsatz von Uterus-Transplantaten waren Adoption oder Leihmutterschaft die einzigen verfügbaren Optionen für ein Kind.

Erlangen wird Zentrum für Gebärmutter-Transplantationen

Bisher wurden in den USA, Tschechien und der Türkei zehn weitere Gebärmutter-Transplantationen von verstorbenen Spendern durchgeführt. Keine von ihnen hatte allerdings zu einer Lebendgeburt geführt, in Brasilien gelang jetzt die erste. Die erste Geburt nach der Uterus-Transplantation einer Lebendspenderin fand im September 2013 in Schweden statt. Bislang gab es weltweit 39 derartige Eingriffe, die zu elf Lebendgeburten führten. An der Uniklinik Erlangen soll das erste Gebärmutter-Transplantationszentrum in Deutschland entstehen, um Eltern den Wunsch nach eigenen Kindern zu erfüllen.

Erfolgreiche Transplantation - mit Risiken

Die brasilianischen Ärzte und Wissenschaftler der Universität São Paulo führten die Transplantation im September 2016 durch. Ihre 32-jährige Patientin wurde ohne Gebärmutter geboren. Die Fehlbildung ist unter dem Namen Mayer-Rokitansky-Küster-Hauser-Syndrom bekannt. Mittels einer Hormonstimulation entstanden vier Monate vor der Transplantation acht befruchtete Eizellen, die bis zur späteren In-vitro-Befruchtung eingefroren wurden. Die Gebärmutter-Transplantation der verstorbenen Spenderin dauerte rund zehn Stunden. Zwischen Transplantation und künstlicher Befruchtung der Empfängerin vergingen sieben Monate. Bis zur Geburt musste die zukünftige Mutter Immunsuppressiva nehmen, um Abstoßungsreaktionen des Spenderorgans zu vermeiden.

Mutter und Kind nach Geburt wohlauf

Das Baby, ein Mädchen, wurde nach 35 Wochen und drei Tagen mit einem Kaiserschnitt geboren und wog 2.550 Gramm. Der transplantierte Uterus wurde während des Kaiserschnitts entfernt, die Therapie mit Immunsuppressiva beendet. Mutter und Baby konnten bereits drei Tage nach der Geburt entlassen werden. Die Ärzte hoffen, auf diese Weise mehr Frauen mit einer angeborenen Gebärmutter-Fehlbildung oder Unfruchtbarkeit helfen zu können.