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© Olaf Zimmermann/LTZ Augustenberg/dpa
Bildrechte: Olaf Zimmermann/LTZ Augustenberg/dpa

Der Japankäfer wird rund einen Zentimeter groß, schillert grünlich und besitzt auffällige weiße Haarbüschel: fünf an jeder Seite, zwei hinten.

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    Erster bestätigter Japankäfer-Fund in Deutschland

    Jetzt ist es amtlich: In Deutschland ist der erste Japankäfer in einer Falle nachgewiesen worden. Vermutlich ist er aus Italien nach Freiburg im Breisgau eingeschleppt worden. Weil die Käfer großen Schaden anrichten können, ist Ihre Mithilfe gefragt.

    Von
    Marlene RiedererMarlene RiedererAlexandra KlockauAlexandra Klockau
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    Zum ersten Mal ist in Deutschland ein Exemplar des schädlichen Japankäfers (Popillia japonica) in eine amtliche Falle gegangen. Anfang November wurde das männliche Tier in einer Pheromonfalle in der Nähe des Freiburger Güterbahnhofs entdeckt. Zwar war der Japankäfer zu diesem Zeitpunkt schon tot und vertrocknet - in die Falle des Pflanzenschutzdienstes des Regierungspräsidiums Freiburg muss er aber lebendig gekommen sein. Das macht ihn zum ersten amtlich bestätigten Fund eines lebenden Japankäfers bei uns. Vermutlich ist der Käfer mit dem LKW-Warenverkehr aus Italien nach Freiburg im Breisgau gereist und bereits im September in die Falle gelangt.

    Mitte Juli 2021 wurde ein männlicher Japankäfer in der Schweiz, in der Nähe des Baseler Güterbahnhofs, gefangen. Der Eidgenössische Pflanzenschutzdienst vermutet, dass dieser aus einem Befallsgebiet um den Lago Maggiore nach Basel gelangte. Seit einigen Jahren vermehrt sich der Japankäfer dort rasant und richtet beträchtliche Fraßschäden in Weinbergen, Obst- und Beerenkulturen an.

    "In der gleichen Saison wurde ein Käfer in Basel und in Freiburg gefunden. Das gab es so noch nie", betont Olaf Zimmermann, Biologe, der als Insektenkundler am Landwirtschaftlichen Technologiezentrum (LTZ) Augustenberg für die Insektenbestimmung zuständig ist, gegenüber dem BR.

    Wo kommt der Japankäfer vor?

    Ursprünglich stammt der Japankäfer aus Japan und Nordchina. Laut Julius Kühn-Institut wurde er vor mehr als 100 Jahren in die USA eingeschleppt. In den 1970er-Jahren tauchte der Japankäfer erstmals in Europa auf, auf den Azoren. 2014 wurde er in Italien nachgewiesen.

    Der Japankäfer verbreitet sich als "blinder Passagier", zum Beispiel in Pflanzen, Rollrasen und Erde, über weite Distanzen. Das Risiko, den Käfer einzuschleppen, gilt deshalb vor allem im Waren-, aber auch im Reiseverkehr auf Hauptverkehrsadern als hoch. Die amtlichen Funde in Freiburg und im nahen Basel zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit von Japankäfern in Baden-Württemberg zunimmt.

    Einzelne Hinweise auf Japankäfer gab es von professionellen Insektenkundlern unter anderem auch schon 2014 bei Paderborn in Nordrhein-Westfalen und 2018 bei Oberstdorf in Bayern. "Die Nachsuche an diesen Fundorten ergab aber, dass es dort noch keinen Verdacht auf Ansiedlungen des Japankäfers gibt", sagt Olaf Zimmermann.

    Was bedeuten die bisherigen Japankäfer-Funde für Deutschland?

    Olaf Zimmermann äußert eine Vermutung samt vorsichtiger Warnung: "Dass nun 2021 gleich in Basel und in Freiburg lebende Käfer nachgewiesen wurden, deutet darauf hin, dass vom zentralen Befallsgebiet westlich von Mailand eine zunehmende Gefahr der Ausbreitung vorliegt. Die Funde häufen sich in immer kürzerer Zeit. Und es ist jederzeit möglich, dass ein Käfer unter einer LKW-Plane nicht schon in Baden-Württemberg aussteigt, sondern erst in Nordrhein-Westfalen oder Bayern."

    © Olaf Zimmermann/LTZ Augustenberg
    Bildrechte: Olaf Zimmermann/LTZ Augustenberg

    Ein Japankäfer ist mit rund einem Zentimeter so groß wie ein Fingernagel. Der kleine Käfer kann beträchtlichen Schaden anrichten.

    Was macht den Japankäfer zum Problem?

    Der Japankäfer ist ein sehr gefräßiges Tier, das auch gerne in Gruppen über Pflanzen herfällt und sie kahl frisst. Das Julius Kühn-Institut (JKI), das Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen, stuft ihn als "Käfer mit großem Appetit" ein. Wie das Landwirtschaftliche Technologiezentrum (LTZ) Augustenberg in Karlsruhe mitteilt, kann ein Japankäfer pro Tag etwa 500 Meter weit fliegen. "Ein erwachsener Japankäfer lebt bis zu eineinhalb Monate", weiß Insektenkundler Zimmermann. Pro Jahr hält das LZT Augustenberg eine natürliche Ausbreitung zwischen drei und mehr als zwanzig Kilometer für möglich. Dabei sorgen die Japankäfer für ausreichend Verstärkung: Ein Japankäfer-Weibchen legt im Laufe seines Lebens bis zu 60 Eier ab. Fehlen dem Japankäfer natürliche Feinde, kann er sich ungehindert ausbreiten.

    "Es gibt nur vage Rechenmodelle, wie schnell sich der Japankäfer ausbreitet und vermehrt. Man spricht von einer Verzehnfachung, da zwar nicht alle Nachkommen überleben, aber bei uns in Europa ausreichend natürliche Gegenspieler fehlen. Wenn man also eine lokale Einschleppung zu spät bemerkt, könnte es nach ein bis zwei Jahren Vermehrung zu spät sein, sie wieder loszuwerden", sagt Olaf Zimmermann.

    Wie das LTZ Augustenberg mitteilt, wurde im Tessin bereits eine Verzehnfachung der Käferpopulation pro Jahr beobachtet.

    © picture alliance/AP Images | Chuck Liddy
    Bildrechte: picture alliance/AP Images | Chuck Liddy

    Japankäfer stürzen sich mit ungeheurem Appetit auf 300 verschiedene Pflanzen.

    Was fressen Japankäfer?

    Auf dem Speiseplan des Japankäfers stehen Blätter, Blüten und Früchte von mehr als 300 verschiedenen Wirtspflanzen. Er fliegt zum Beispiel auf Apfelbäume, Steinobstbäume, Erdbeeren, Brombeeren, Spargel, Rhabarber, Garten- und Sojabohnen, Mais, Weinreben und Rosen. Auch Ahorn, Kastanie, Birke und Weide sind nicht vor ihm sicher.

    Doch nicht nur die ausgewachsenen Käfer können verheerende Fraßschäden anrichten. Die Engerlinge - also die Larven - ernähren sich überwiegend von Graswurzeln. Treten sie in Massen auf, können sie ganze Wiesen und Weiden zerstören.

    Was kann man gegen Japankäfer tun?

    Der amtliche Pflanzenschutzdienst des Regierungspräsidiums Freiburg wird mit Beginn der nächsten Flugzeit, etwa ab Mai 2022, den Fundort und weitere Risikostandorte wie Güterbahnhöfe und Parkplätze von Lastwagen stärker kontrollieren. "Da wir bei den Fallenfunden nicht wissen, ob sie nur vereinzelt über die 'rollende Landstraße' aus Italien mit LKW verschleppt wurden, oder ob es eine unentdeckte Population im Dreiländereck gibt, wird diese Region besonders mit Pheromonfallen überwacht", erklärt Insektenkundler Olaf Zimmermann. "Sollten wir eine solche Ansiedlung feststellen, würde man gegen die Engerlinge in der Wiese zum Beispiel mit nützlichen Fadenwürmern biologisch vorgehen können. Die Fallen locken nur Männchen an. Damit kann man den Käfer nicht bekämpfen, aber das Auftreten und etwaige Bekämpfungsmaßnahmen überwachen."

    Weitere Maßnahmen, um eine Ausbreitung des Japankäfers zu verhindern, können Einfuhrkontrollen, Quarantänemaßnahmen, ein eingeschränkter Pflanzentransport sowie der Einsatz von engmaschigen Netzen, Insektiziden und Pilzen sein.

    Urlauber und Geschäftsreisende sollten vor der Rückkehr aus Befallsgebieten Gepäck, Fahrzeug und Haustiere auf die grünschillernden, fingernagelgroßen Käfer hin absuchen, die sich mit feinen Haken an den Beinen leicht überall festklammern können. Sollten Sie also zum Beispiel am Lago Maggiore sein, achten Sie beim Packen gezielt darauf, dass Sie alles haben - außer Japankäfer.

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    Rosenkäfer, Japankäfer, Maikäfer: Im direkten Vergleich wird deutlich, wie klein der grün-braune Japankäfer ist.

    Wie sieht der Japankäfer aus?

    Erwachsene Japankäfer sehen so ähnlich aus wie heimische Gartenlaub-, Mai- oder Junikäfer, sind allerdings viel kleiner und nur rund einen Zentimeter groß. Der Japankäfer besitzt fünf weiße Haarbüschel an jeder Hinterleibsseite und zwei am Ende des Körpers. Das Halsschild schimmert auffällig grün-metallisch. Eine weitere Besonderheit: Wenn sich ein Feind nähert, spreizt der Japankäfer die Beine weit ab und verharrt in dieser Abwehrstellung.

    © Olaf Zimmermann/LTZ Augustenberg
    Bildrechte: Olaf Zimmermann/LTZ Augustenberg

    Der Maikäfer (oben) ähnelt dem Japankäfer, ist aber mit zwei bis drei Zentimetern viel größer und besitzt keinen grünlich-glänzenden Halsbereich.

    Japankäfer nicht mit Rosenkäfer verwechseln

    Auch der Gemeine Rosenkäfer, auch Goldglänzender Rosenkäfer, schillert metallisch grün bzw. golden. Deswegen könnte man ihn auf den ersten Blick mit dem Japankäfer verwechseln. Mit einer Größe von bis zu zwei Zentimetern ist er jedoch fast doppelt so groß wie ein Japankäfer. Der Rosenkäfer ist häufig Gast in unseren Gärten - und im Gegensatz zum Japankäfer kein Schädling. Die Larven laben sich auf dem Kompost. Auf dem Speiseplan der erwachsenen Tiere stehen Nektar und Pollen, süße Pflanzensäfte und reifes Obst. Doch weder ausgewachsen noch als Larve schädigt er Wurzeln oder Laub unserer Gartenpflanzen, betont der Bund Naturschutz (NABU).

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    Bildrechte: BR/Markus Konvalin

    Der Rosenkäfer schillert wie der Japankäfer metallisch grün - aber am ganzen Körper. Er ist außerdem fast doppelt so groß und kein Schädling.

    Wann könnte man Japankäfer finden?

    Wie das Landwirtschaftliche Technologiezentrum (LTZ) Augustenberg mitteilt, verpuppen sich die Larven im Frühjahr. Im Mai und Juni schlüpfen die Japankäfer. Etwa von Mitte Mai bis in den September hinein können sie beobachtet werden. Ihre Hautpflugzeit findet von Mitte Juni bis Mitte Juli statt.

    Japankäfer gesucht: Helfen Sie mit!

    Das LTZ Augustenberg ruft dazu auf, bei der Überwachung zu helfen und nach Japankäfern Ausschau zu halten. "Es reicht aus, ab Mai aufmerksam zu sein. Japankäfer treten gerne zusammen auf und sammeln sich zum Beispiel an Rosenblüten. Das machen heimische Gartenlaubkäfer auch, aber deutlich seltener. Wenn kleine rotbraune Käfer in größerer Anzahl auftreten, ist das ein Alarmsignal, mal genauer hinzuschauen und ein Foto davon an den Pflanzenschutzdienst einzusenden", sagt Olaf Zimmermann und fast die eindeutigen Erkennungszeichen noch einmal zusammen: "Die weißen Haarbüschel, der grüne Brustschild und die rotbraunen Flügel sind sehr typisch. In der Sonne leuchten diese Haarbüschel richtig. Vor allem ist der Japankäfer mit etwa einem Zentimeter viel kleiner als der nur braun gefärbte Maikäfer mit seinen zwei bis drei Zentimetern."

    Das Foto samt Fundort und -datum können Sie dem Pflanzenschutzdienst in Ihrem Bundesland schicken. Das Julius Kühn-Institut nennt hier Ansprechpartner.

    Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) in Freising oder das LTZ Augustenberg können unter folgenden Mailadressen weiterhelfen und Meldungen weiterleiten:

    • LfL in Freising: poststelle@LfL.bayern.de
    • LTZ in Karlsruhe: pflanzenschutz-insekten@ltz.bwl.de

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