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Erste bayerische Spürhunde lernen Wölfe zu orten | BR24

© Gabriele Dunkel/BR

Die Biologin Franziska Baur aus Wörthsee mit ihrem Labrador Murmel, den sie zum Wolfsspürhund ausbildet.

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Erste bayerische Spürhunde lernen Wölfe zu orten

Im kommenden Jahr sollen fünf Hunde zu Spürhunden ausgebildet werden, die Wolfslosungen orten können. So sollen Weidetiere besser vor möglichen Angriffen der Tiere geschützt werden. Schon jetzt wird eine Labradorhündin in Oberbayern trainiert.

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In Bayern sollen im nächsten Jahr fünf Hunde zu sogenannten "Wolfsspürhunden" ausgebildet werden. Die Hunde können mit ihrer Spürnase zum Beispiel am Kot erschnüffeln, ob sich in einer Gegend ein Wolf herumtreibt.

Die Hunde sollen so helfen, Wölfe frühzeitig aufzuspüren. Gefördert wird das "LIFEstockProtect"-Projekt von der EU und dauert fünf Jahre. Die einjährige Ausbildung der Hunde erfolgt durch den österreichischen Projektpartner "Naturschutzhunde".

Labradorhündin wird schon jetzt in Oberbayern trainiert

Die Biologin Franziska Baur nimmt an dem Projekt teil und bildet ihren Labrador schon jetzt in Eigenregie zum Wolfsspürhund aus. In einem Waldstück in der Nähe des Wörthsee im Landkreis Starnberg schickt Franziska Baur ihre Hündin Murmel auf Wolfssuche. Die junge Labrador-Mischlings-Dame sucht aber nicht nach einem leibhaftigen Wolf, sondern nach der Losung - also dessen Kot.

Den Wolfskot hat Baur in Einmach-Gläsern mitgenommen und zuvor unter dem dichten Laub versteckt. Es dauert nicht lange, da hat die Hündin den Kot gefunden und setzt sich wartend daneben. Die Hündin darf den Kot jedoch nicht mit ihrer Nase berühren, erklärt Baur, denn sonst würde sie ihn mit ihrer eigenen DNA kontaminieren. Deshalb setzt sich Murmel neben den Haufen und wartet geduldig bis Baur kontrolliert, ob Murmel richtig erschnüffelt hat. Dann gibts zur Belohnung ein Leckerli und reichlich Lob.

Ziel des Projekts: Fünf Hunde für Einsätze in Bayern

Fast täglich trainiert die junge Biologin mit ihrer Hündin. Noch macht sie das in Eigenregie – doch ab März im kommenden Jahr ist sie in ein EU-gefördertes Projekt eingebunden. Murmel wird dann offiziell zur Wolfspürhündin ausgebildet.

Ziel sei es, in ganz Bayern mindestens fünf Mensch-Hunde Teams zu etablieren, die dann zu den Einsätzen fahren. Zum Beispiel, wenn es einen Nutztier-Riss gegeben hat. Dann können die Hunde die Fläche nach Wolfslosung absuchen, um zu bestätigen, dass es ein Wolf war.

Wölfe frühzeitig nachweisen und Weidetiere schützen

Aber auch, wenn nur die Vermutung besteht, dass sich in einem bestimmten Gebiet ein Wolf aufhalten soll, können die Hunde eingesetzt werden, um nach Kot suchen. Der werde dann untersucht. Die DNA gibt zum Beispiel Auskunft darüber, welches Geschlecht das Tier hat, aus welcher Population es stammt, ob es sich um einen standorttreuen Wolf oder nur um einen sogenannten Durchzügler handelt.

Wölfe frühzeitig nachweisen, das sei das Ziel des EU-Projekts, erklärt René Gomringer, der das Projekt in Bayern organisiert. Es solle ein System von Informationsmöglichkeiten für alle Weidetierhalter in Bayern aufgebaut werden, damit diese ihre Tiere besser schützen können. Der Einsatz der speziell für die Suche nach Wolfslosung ausgebildeten Hunde könne zu einer besseren Datenlage beitragen. Auch Landwirte und Weidetierhalter sollen im Rahmen des Projekts geschult werden.

Baur: Konfliktfreies Zusammenleben ermöglichen

Baur freut sich auf den Projektstart. Sie wünscht sich ein friedliches Nebeneinander aller Beteiligen, wenn es um das Reiz-Thema Wolf geht. Es wäre schön, sagt sie, wenn Wölfe in Deutschland wieder Fuß fassen können, denn Wölfe hätten hier schon immer gelebt. Ziel sei es, dass das Zusammenleben zwischen Mensch und Wolf wieder möglichst konfliktfrei funktionieren könne. Dazu will sie mit Murmel und der Ausbildung beitragen.

© Gabriele Dunkel/BR

Die Losung eines Wolfes: Labradorhündin Murmel soll die versteckte Losung erschnüffeln.

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Immer häufiger werden Wölfe gesichtet - auch im Bayerischen Wald. Dort leben seit einigen Jahren zwei Wolfsrudel. Für die einen faszinierend, wie sich dieses scheue Wildtier seine Heimat zurück erobert, für die anderen Anlass zu Furcht und Sorge.