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Leasing, sharing, Dienstflotte: Erfolgsgeschichte Dienstrad | BR24

© picture-alliance/Tobias Hase

Sharing, Leasing, Eigenanschaffung - Hauptsache mit Dienstrad ins Büro

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    Leasing, sharing, Dienstflotte: Erfolgsgeschichte Dienstrad

    Umweltschutz fängt auch in Unternehmen an: Anstatt den Mitarbeitern Dienstwagen bereitzustellen, bieten viele Betriebe ihren Beschäftigten Mobilitätsbudgets. Die können Arbeitnehmer nach Wunsch einsetzen, zum Beispiel auch für ein Dienstfahrrad.

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    Thorsten Rinne braucht keinen Dienstwagen, er fährt seit ein paar Monaten ein Dienstrad. Der Softwarearchitekt der IT-Firma Maiborn Wolff will damit ins Büro am Standort Augsburg radeln, sobald er coronabedingt nicht mehr von zuhause aus arbeitet, wie derzeit. "Ich wohne circa 25 Kilometer außerhalb", erklärt Rinne, "die Strecke ist aber sehr flach, das geht dann in einer Stunde mit dem E-Bike, ohne dass man sich groß anstrengen muss."

    E-Bike: ein paar Tausend Euro Anschaffungskosten

    Das E-Bike war nicht gerade günstig, es kostete ein paar Tausend Euro. Geleast hat es sein Arbeitgeber, Rinne verzichtet dafür auf einen Teil seines Bruttogehalts. "Meine Frau und ich hatten bis jetzt zwei Autos, haben aber in den letzten ein zwei Jahren gemerkt, dass wir mit einem auskommen." Dazu hat sich das Paar für ein Lastenfahrrad für kleinere Besorgungen. Den Zweitwagen haben sie verkauft.

    Immer mehr Angebote für Dienstfahrräder

    Angebote für Diensträder gibt es mittlerweile genug. Zahlreiche Firmen bieten entsprechende Leasingverträge an, mit den schönen Namen mein-dienstrad, businessbike, companybike oder jobrad. "Unser Modell ist ein Leasingmodell. Der Arbeitgeber, der seinen Mitarbeitern etwas Gutes tun möchte, schließt mit uns einen Rahmenvertrag", erklärt der Gründer und Geschäftsführer von Jobrad, Ulrich Prediger. "Dann kann der Mitarbeiter in einem Fahrradgeschäft seiner Wahl oder einem der vielen Onlineshops ein Fahrrad aussuchen und am Ende sagt der Mitarbeiter dann, ich möchte das Rad leasen und nicht kaufen."

    Arbeitgeber und Arbeitnehmer teilen die Kosten

    Der Händler wendet sich über Jobrad an den Arbeitgeber, der den Auftrag bestätigen muss. Der Händler kümmert sich dann auch um die Wartung. Die Leasingraten hängen vom Kaufpreis der Räder ab: Je teurer das Rad, umso höher die Gebühr. Im Durchschnitt liegen die Monatsraten zwischen 80 und 150 Euro, so der Gründer von Jobrad, Prediger. Eine Einmalzahlung wird nicht fällig.

    "Die Kosten teilen sich in der Regel Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Der Arbeitgeberanteil wird immer größer", sagt Prediger. Als sein Unternehmen vor sieben Jahren anfing, war es ein reines Gehaltsumwandlungsmodell: Der Mitarbeiter verzichtet auf einen Teil seines Bruttogehalts und kann dadurch Lohnsteuer und Sozialabgaben sparen. Inzwischen bezahlen immer mehr Arbeitgeber einen nennenswerten Zuschuss und der Anteil der Arbeitnehmer wird immer geringer.

    Wie viel das Dienstfahrrad den Arbeitnehmer letztendlich kostet, hängt davon ab, wie hoch der Arbeitgeberanteil ist, wie viel der Mitarbeiter verdient, also wieviel Steuern und Sozialabgaben er bezahlt, und für welches Fahrrad er sich entscheidet.

    Alternative: Dienstradflotte

    Einen etwas anderen Weg geht die Firma movelo aus Bad Reichenhall, hier least der Arbeitgeber für seine Mitarbeiter mehrere Fahrräder als Flotte, die entweder klassisch von den Beschäftigten einzeln genutzt werden oder die sie sich teilen, in einem Sharingmodell, wie Geschäftsführer Nik Schubert ausführt: "Bei diesem Modell sind wir diejenigen, die die Flotte liefern, also gleich aussehende Fahrräder, die dann im Branding des Unternehmens geliefert werden, wir liefern an die Niederlassungen aus und machen den notwendigen Service vor Ort und unsere Räder sind dann auch alle versichert."

    Bei der klassischen Leasingvariante zahlt der Arbeitgeber pro E-Bike monatlich 76 Euro plus Versicherung, beim Sharingmodell 96 Euro, da bei dieser Variante mehr Aufwand notwendig ist. Die Kunden seien recht unterschiedlich, so Schubert. "Das sind zum Beispiel Pflegedienste, die in Berlin auf eine E-Bike-Flotte umgestellt haben, dann haben wir auch noch Kunden, die sagen: Ich brauche E-Bikes auf meinem Betriebsgelände. Das kann die Uniklinik Linz sein, die zwei Standorte miteinander verbindet oder das Bezirksamt Berlin Mitte, wo ein Mobilitätsbedarf besteht auf Kurzstrecken, da ist das E-Bike und Sharingsystem super einsetzbar."

    Diensträder auch privat nutzbar und steuerlich vorteilhaft

    Und dann gibt es Firmen, die mehrere Systeme nutzen, wie die IT-Firma MaibornWolff, erklärt Sophie Mahé von der Geschäftsleitung: "Das Jobrad gehört den Mitarbeitern. Das Sharingsystem war der schnellste Weg, um zwei Unternehmensstandorte miteinander zu verbinden."

    Firmen und Selbstständige können die Räder zwar auch kaufen, doch rund 80 Prozent der Diensträder sind geleaste E-Bikes, schätzt Wassilis von Rauch. Er ist Geschäftsführer vom Bundesverband Zukunft Fahrrad. "Man hat erhebliche steuerliche Vorteile", erklärt von Rauch. "Man kann es über die etablierte Ein-Prozent-Regelung seinen Mitarbeitern zur Verfügung stellen. Man kann es als Betriebsausgabe steuerlich geltend machen und verglichen mit einem Kauf kann man höhere Kosten absetzen, weil die Abschreibungsdauer deutlich länger ist. Ein Mietradmodell kann ähnlich interessant sein, ist aber noch nicht etabliert."

    Die Beschäftigten können die Räder auch privat nutzen, zum Beispiel für Ausflüge oder Einkäufe. Gegebenenfalls müssen sie die Privatnutzung aber wie beim Dienstwagen steuerlich geltend machen. Der sogenannte geldwerte Vorteil liegt aktuell bei einem Viertel Prozent des Bruttolistenpreises. Monatlich müssen bei einer Privatnutzung also 7,50 Euro steuerlich geltend gemacht werden, wenn das Rad 3.000 Euro kostet.

    Nachfrage nach Diensträdern steigt

    Wenn der Arbeitgeber die Kosten jedoch komplett übernimmt, entsteht kein geldwerter Vorteil und das Bike ist für den Mitarbeiter steuerfrei. Die Leasingverträge laufen meist drei Jahre. Danach hat der Arbeitnehmer bei vielen Angeboten die Möglichkeit, das Rad zu kaufen, für rund ein Fünftel des Anschaffungspreises. Für viele ist dies offenbar ein attraktives Angebot, das die Gesundheit fördert und gerade in Coronazeiten eine steigende Nachfrage erfährt, da viele Beschäftigte nach Alternativen für den öffentlichen Nahverkehr suchen.

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