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ADAC: Enge auf Bayerns Straßen führt zu mehr Aggressionen | BR24

© BRLorenz Storch

Enge auf Bayerns Straßen führt zu mehr Aggressionen

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ADAC: Enge auf Bayerns Straßen führt zu mehr Aggressionen

Mehr Rücksicht im Straßenverkehr – ein faires Miteinander! Wie das gelingen kann, diskutierten heute Experten bei einer Verkehrssicherheitskonferenz in München. Eine Ursache für mehr Stress im Straßenverkehr ist laut ADAC, dass es enger wird.

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Dingolfing: Aggressiver Mann würgt junge Autofahrerin. Weißensberg: Fahrer schlägt auf Autobahn anderem Mann ins Gesicht. Durach: 27-Jähriger rastet wegen Hupens aus und zerschlägt Windschutzscheibe. Solche und ähnliche Vorfälle scheinen sich auf Bayerns Straßen in den vergangenen Monaten zu häufen.

"Mehr Rücksicht im Straßenverkehr" ist passenderweise das Thema der 8. Bayerischen Verkehrssicherheitskonferenz in München. Auf Einladung des Innenministeriums nahmen Experten von Polizei, Bauverwaltung und Wissenschaft teil, außerdem Vertreter der Spediteure und der Fahrlehrer.

Fahrlehrer: Anfänger werden rücksichtslos zusammengehupt

Einer von ihnen: Fahrlehrer Wolfgang Tattler. Er und seine Schüler haben es tagtäglich mit rücksichtslosen Verkehrsteilnehmern zu tun, berichtet er:

"Wir sind am Einparken, da werden wir zusammengehupt, weil es nicht schnell genug geht. Wir wollen abbiegen, warten auf einen Radfahrer, werden angehupt – die Lücke langt doch. Ja einer der zehn Jahre Auto fährt, der nutzt die Lücke. Aber nicht der Anfänger. Der muss erst mal gucken und es einschätzen. So könnte man diese Beispiele weiterführen bis ins Unendliche.“ Wolfgang Tattler, Fahrlehrer

Verkehrspsychologe: Attacken klar verurteilen

Laut ADAC-Verkehrspsychologe Ulrich Chiellino sind körperliche Attacken – wie oben beschrieben – im Straßenverkehr weiterhin die Ausnahme, nicht die Regel. "Das sind die Spitzen, und das gilt es auch klar zu verurteilen", sagt er im Interview mit BR24. "Man darf aber nicht vergessen: In unserer Gesellschaft ist jeder Einzelne immer mehr einem höheren Zeitdruck ausgesetzt. (…) Und wer viel und häufig unterwegs ist, der kann natürlich auch entsprechend viel Wut anstauen, die sich aber bitte nicht so entladen soll wie beschrieben."

Es wird immer enger auf Bayerns Straßen

Fakt ist, dass es im Straßenverkehr immer enger wird – weil sich die Bayern immer mehr Autos zulegen: Seit Beginn dieses Jahrzehnts ist die Zahl der zugelassenen Fahrzeuge im Freistaat laut Innenministerium um fast 14 Prozent auf rund zehn Millionen 2018 (2011: 8,8 Millionen) gestiegen. Bei insgesamt 13,1 Millionen Einwohnern im Freistaat – vom Baby bis zum Greis – kommt bald auf jeden ein Auto. ADAC-Verkehrspsychologe Ulrich Chiellino sieht darin eine Hauptursache für die gestiegene Aggressivität:

"Die Enge führt natürlich zu Stress. Wenig Zeit zu haben, führt zu Stress. Und diese Stressoren führen dann auch in der Folge zu Ärger und Wut am Steuer, die sich dann eben entlädt, wenn es zu Konflikten im Straßenverkehr kommt." ADAC-Verkehrspsychologe Ulrich Chiellino

Herrmann fordert mehr Rücksicht als bisher im Verkehr

Darauf müsse man entsprechend reagieren, betont Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU): „Wir haben immer mehr Verkehr auf unseren Straßen. Und deshalb brauchen wir mehr Rücksicht als bisher. Es wird enger auf unseren Straßen, und deshalb muss man immer an den Verstand der Leute appellieren.“

Der Appell von Innenminister, Polizei und ADAC: Sich auch hinterm Steuer mal in die anderen hineinversetzen, tief durchatmen, vielleicht auch mal auf ein Vorfahrtsrecht verzichten – und so sicherer fahren und sich besser fühlen.

ADAC: Mehr Schutz für die Schwachen

Als Konsequenz fordert der ADAC mehr Schutz für die Schwachen im Straßenverkehr wie Radler und Fußgänger. Zwar könnten strengere Gesetze und bessere Technik wie Lkw-Abbiegeassistenten durchaus helfen. Aber: Es könne nicht für alles Gesetze, Regeln und Kontrollen geben. "Wir sind stattdessen auf Vernunft und Anstand – um diesen veralteten Begriff zu verwenden – der Verkehrsteilnehmer angewiesen", sagt ADAC-Präsident August Markl. Das gelte auch in Zeiten autonomen Fahrens weiter.

© BR

Parkplätze sind in Ballungsräumen knapp. Der Straßenrand muss deshalb häufig als Abstellfläche herhalten - sei es für Autovermieter, Lkw oder Anhänger. Erlaubt ist dabei viel. Anwohner und auch Behörden wünschen sich deshalb schärfere Vorgaben.