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Eismumie Ötzi hatte Bogensehne aus Tierfasern bei sich | BR24

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Die Eismumie Ötzi gibt ein weiteres Geheimnis preis. Der Mann aus der Jungsteinzeit hatte nicht nur Karies, Tattoos und war laktoseintolerant, sondern setzte auch Pfeil und Bogen ein.

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Eismumie Ötzi hatte Bogensehne aus Tierfasern bei sich

Die Eismumie Ötzi gibt ein weiteres Geheimnis preis. Der Mann aus der Jungsteinzeit hatte nicht nur Karies, Tattoos und war laktoseintolerant, sondern setzte auch Pfeil und Bogen ein.

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Als Ötzi im September 1991 von Wanderern aus Deutschland in der Nähe des Tisenjochs auf 3.210 Metern gefunden wurde, hatte er unter anderem einen Köcher und eine Schnur bei sich. Seither rätselten Forscher über die Funktion der Schnur und nahmen an, sie bestehe aus Pflanzenfasern. Nun stellte sich heraus, dass die vier Millimeter breite, zwei Meter lange, aus drei Strängen bestehende und mehrfach gedrillte Schnur aus Tierfasern unbekannter Herkunft gemacht wurde. Dadurch ist sie belastbar und als Sehne für einen Bogen einsetzbar.

Funde von Bogensehnen aus der Jungsteinzeit sind rar

Ein Forscherteam um Jürgen Junkmanns von der Universität Bern hatte zur Erforschung der Schnur eine "mikroskopisch kleine Faserprobe von Ötzis Bogensehne" bekommen und die Untersuchungsergebnisse am Anfang Dezember 2019 im Fachmagazin "Journal of Neolithic Archaeology" veröffentlicht. Erstmals wurden das Material, die Größe und die Machart jungsteinzeitlicher Pfeile und Bögen untersucht und mit Ötzis Ausrüstung verglichen. Der Schweizerische Nationalfond zur Förderung der Wissenschaften (SNF) hatte das Forschungsprojekt in Aufrag gegeben.

Im Gegensatz zu Pfeilen und Pfeilspitzen sind prähistorische Bogensehnen ein seltener Fund bei Ausgrabungen und daher wertvoll. Ötzi hatte sogar noch ein weiteres Bündel tierischer Beinsehnen im Köcher. Wahrscheinlich diente es als Ersatz für eine weitere Bogensehne. "Ötzis kunstvoll gedrillte Kordel und seine Jagdausrüstung sind weltweit die ältesten erhaltenen der Jungsteinzeit," teilte das Archäologiemuseum in Bozen mit, in dem die Eismumie ruht.

Ein Jäger wird ermordet

Ötzi war also schon in der Jungsteinzeit mit Pfeil und Bogen ausgestattet und jagte. Seine Ausrüstung konnte ihn allerdings nicht davor bewahren, hinterrücks mit einem Pfeil erschossen zu werden. So starb der Mann aus der Jungsteinzeit, der 1991 in den Ötztaler Alpen im italienisch-österreichischen Grenzgebiet gefunden wurde. Lag es daran, dass der rund 1,60 Meter große Jäger gerade an einem ungewöhnlich großen Langbogen von 1,83 Meter aus Eiben-Holz schnitzte, als er im Hochgebirge den Tod fand?

© Südtiroler Archäologiemuseum / H. Wisthaler

Eine Kordel (l.) und eine Schnur (r.) wurden bei der Eismumie Ötzi gefunden. Die Schnur wurde als Bogensehne aus tierischen Fasern identifiziert.

© Südtiroler Archäologiemuseum / H. Wisthaler

Teil des unfertigen Langbogens, an dem Ötzi arbeitete, bevor er ermordet wurde.

© Südtiroler Archäologiemuseum / H. Wisthaler

In Ötzis Köcher steckten 14 Pfeile, zwei davon waren einsatzbereit.

© Südtiroler Archäologiemuseum / H. Wisthaler

Ötzis Köcher aus Rehfell und -leder ist der einzige bekannte neolithische Tragebehälter für Pfeile. Er ist 86 Zentimeter lang.

© dpa

Hier - in den Ötztaler Alpen - wurde die Eismumie Ötzi 1991 von Wanderern aus Deutschland gefunden.