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Ein langer Weg: Impfstoffe gegen das Coronavirus | BR24

© picture alliance/Frank May/dpa

Das Paul-Ehrlich-Instituts im hessischen Langen. Hier werden Impfstoffe zugelassen.

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    Ein langer Weg: Impfstoffe gegen das Coronavirus

    Ein Impfstoff scheint momentan der einzige dauerhafte Ausweg aus der Coronakrise. Auf der ganzen Welt forschen Firmen und Universitäten parallel, Genehmigungswege werden beschleunigt und Studienabschnitte zusammengelegt. In Sicht ist aber noch wenig.

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    Von
    • Johannes Roßteuscher
    • BR24 Redaktion

    An 50 bis 70 möglichen Impfstoffen gegen Corona wird momentan gearbeitet, von Forschungseinrichtungen, Universitäten und Pharmafirmen auf der ganzen Welt. Doch die Impfstoff-Entwicklung wird Zeit brauchen.

    Impfstoff-Entwicklung profitiert von Vorarbeiten

    Ein Vorteil: Man kann auf Vorarbeiten zurückgreifen aus der Zeit, als man Impfstoffe gegen zwei verwandte Corona-Viren gesucht hat, nämlich das alte SARS- und das MERS-Virus. In einen dieser MERS-Impfstoffe bauen nun Gerd Sutter, Virologe an der Uni München und seine Kollegen die entscheidende Gensequenz des Corona-Virus ein.

    Vorteil im Vorteil: Bereits kurz nach dem Ausbruch in Wuhann haben chinesische Forscher die komplette Gensequenz gefunden und veröffentlicht. "Wir konnten eigentlich, sobald die Gensequenz des neuen Virus verfügbar war, konnten wir uns schon die notwendigen Abschnitte des Virus synthetisieren und sind da schon dabei an der Arbeit, diese Abschnitte in unser Impfvirus einbauen", sagt Sutter.

    Entwicklung und Tests des Impfstoffes brauchen Zeit

    Trotzdem steht er keineswegs vor der Tür, und das ist die schlechte Nachricht. Denn es gibt zwei wichtige und jeweils sehr aufwändige Schritte: Erstens: Der Impfstoff muss entwickelt werden, wie zum Beispiel von Professor Sutter in München. Die Forscher müssen eine Methode finden, wie sie Teile oder Informationen des Erregers so in den Körper kriegen, dass das Immunsystem eine spezifische Abwehr dagegen aufbaut – und dass sie so gut wie sicher keinen Schaden anrichten.

    Zweitens: der Impfstoff muss getestet werden; damit er nämlich nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis keinen Schaden anrichtet: "Wir müssen bei Impfstoffen daran denken, dass sie an vielen Millionen gesunden Erwachsenen, manchmal aber auch Kindern und Jugendlichen hinterher verimpft werden. Da muss gesichert sein, dass der Nutzen weit überwiegt gegenüber dem Risiko. Und da muss natürlich die notwendige Datenbasis da sein, um das gut einschätzen zu können", erklärt Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, das in Deutschland die Impfstoffe zulässt.

    Datenbasis heißt in dem Fall: Studien. Zuerst an Zellen oder Mäusen. Und wenn die ausreichende Sicherheit versprechen, kommt ein großer Sprung: zu den ersten Untersuchungen an Menschen, den sogenannten Klinischen Studien. Die normalerweise in drei Stufen stattfinden: Jede dauert eigentlich Monate bis Jahre.

    Impfstoff gegen Ebola dauerte vier bis fünf Jahre

    "Ein gutes Beispiel ist vielleicht der Ebola-Impfstoff. Beim Ebola-Impfstoff haben wir auch komprimiert, sehr viel Priorität gesetzt. Aber es hat bis zur Zulassung des Ebola-Impfstoffs doch vier bis fünf Jahre gedauert", sagt Cichutek. Vier bis fünf Jahre – und das war schon beispiellos schnell. Eigentlich gelten 15 Jahre für einen neuen Impfstoff als realistisch. Und beim Corona-Virus soll es jetzt sogar nochmal deutlich schneller gehen als bei Ebola. Weil schon so viel Vorarbeit geleistet war; aber auch weil jeder einzelne Schritt der Zulassung beschleunigt wird, teilweise sollen einzelne Phasen parallel ablaufen.

    Eine Prognose, wann tatsächlich der erste Impfstoff zugelassen ist, mag aber niemand anstellen - auch Cichutek nicht: "Ich halte mich da an das Wording von der WHO, die gesagt hat, in 15 bis 18 Monaten kann man an die Zulassung denken."

    Immerhin: in Deutschland könnten, wenn es gut läuft, noch in dieser Woche Genehmigungen für die ersten klinischen Studien erteilt werden, also Studien am Menschen.

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