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Ein großer kleiner Schritt - die erste Mondlandung | BR24

© Nasa/dpa

Apollo 11-Astronaut Edwin «Buzz» Aldrin steht neben der US-Flagge auf dem Mond. (zu dpa "Zurück zum Mond: Wiedersehen nach 50 Jahren?")

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Ein großer kleiner Schritt - die erste Mondlandung

Es war der Sieg der USA im Rennen um den Mond: Vor 50 Jahren landete Apollo 11 auf dem Mond, der erste Mann war ein Astronaut, kein Kosmonaut. Ein Sieg, der auch innerhalb der USA umstritten war. Heute gibt es neue Pläne für eine Reise zum Mond.

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20. Juli 1969, kurz nach 20 Uhr an der amerikanischen Ostküste, beste Sendezeit im Fernsehen: Millionen verfolgen, wie die Mondlandefähre Eagle die letzten Meter zurücklegt, knappe Zahlenangaben im Funkverkehr. Roger Launius, lange Jahre Chefhistoriker der NASA, erinnert sich:

“Das war eines der großen Ereignisse der Menschheitsgeschichte. 1969 hielten alle für einen kurzen Moment inne, um zu verfolgen, was da passierte.“ Roger Launius

Neil Armstrong und Buzz Aldrin waren die ersten Menschen auf dem Mond, die ersten beiden von insgesamt zwölf. Alles Männer, alle weiß, alle US-Amerikaner. Die Landung vor 50 Jahren war eine technische Meisterleistung, vor allem aber ein strategischer Sieg der USA im Wettstreit mit der Sowjetunion.

Der "Sputnik-Schock" und Kennedys Versprechen

Zwölf Jahre vorher, Oktober 1957: Die Sowjetunion schoss den ersten Satelliten ins All. Die USA erlebten ihren „Sputnik-Schock“: Im Kampf der beiden Großmächte hatten die Sowjets im Weltraum die Nase vorn. Präsident Kennedy beschloss: Das muss sich ändern. 1961 verkündete er, die USA würden zum Mond fliegen, bevor das Jahrzehnt zu Ende sei. Kennedy war bereit, der NASA dafür die nötigen Mittel zu geben: Am Ende sollten es über 25 Milliarden Dollar sein. Der "Sputnik-Schock" und der kalte Krieg halfen, die nötigen Mittel zu mobilisieren.

Allerdings war die Zustimmung immer wackelig. Schon bald hatte Kennedy die Sorge, das viele Geld für die Raumfahrt könnte im Wahlkampf gegen ihn verwendet werden. Die Kritik wurde lauter. 1963 schlug er darum vor, den Flug zum Mond zu einer internationalen Aufgabe zu machen und sogar mit der Sowjetunion zu kooperieren. Kurze Zeit später, im November 1963, starb er – beim Attentat in Dallas.

John Logsdon ist Gründer des Instituts für Weltraum-Strategie in Washington. Er hat ein Buch über Kennedys Raumfahrt-Politik geschrieben.

"Es ist nicht klar, was passiert wäre, wenn Kennedy weitergelebt hätte. Ob er zumindest von dem Ziel abgekehrt wäre, den Mond zum Ende des Jahrzehnts zu erreichen. Mit seiner Ermordung wurde Apollo zu einem Denkmal für den gefallenen, jungen Präsidenten. Nach dem 22. November 1963 gab es keine Chance mehr, Apollo zu canceln." John Logsdon

Gelandet wie mit einem Helikopter, von Hand gesteuert

Der erste Mann auf dem Mond war Neil Armstrong – bescheiden im Auftreten, geerdet, manche sagen langweilig. Armstrong war zuerst Pilot im Korea-Krieg, dann Testpilot, später kam er zur NASA, schließlich wurde er Commander von Apollo 11.

Der zweite Mann auf dem Mond war Buzz Aldrin. Der dritte im Bunde war Michael Collins, der Pilot des Kommandomoduls Columbia. Er umkreiste den Mond, während Armstrong und Aldrin auf die Mondoberfläche flogen.

Eigentlich sollte ein Computer die Landung steuern. Aber die Astronauten bemerkten, dass sie auf diese Weise in einem felsigen Krater aufsetzen würden, mit der Gefahr, dass Eagle umkippt. Hinzu kamen laufende Fehlermeldungen des Computers, der Probleme hatte, einlaufende Daten zu verarbeiten. In einem seiner seltenen Interviews erklärte Neil Armstrong:

"Ich übernahm manuell, flog wie mit einem Helikopter weiter nach Westen, kam zu einer glatteren Ebene mit weniger Felsen und war in der Lage, dort sicher zu landen, bevor der Treibstoff ausging." Neill Armstrong

Der Ablaufplan sah vor, dass die beiden Astronauten erstmal ein paar Stunden schliefen, bevor sie das Landemodul verließen und den Mond betraten. Aber sie wiedersetzten sich, erzählt Historiker Launius:

“Neil sagte: ‘Ich tue das nicht’. Wie kann man da schlafen gehen? Er hatte Recht. Also zogen sie den Mondspaziergang um einige Stunden vor.” Roger Launius

Armstrong tastete sich vor, probiere mit einem Fuß, stieg ganz von der Leiter und sprach seine berühmten Worte:

"Ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein großer für die Menschheit." Neil Armstrong

Kritik an den Kosten, die Gesellschaft gespalten

Für die NASA waren die 60-er aufregende Jahre: Hunderttausende Techniker und Ingenieure kämpften darum, einen Menschen zum Mond zu bringen. Sie sollten Amerikas Ehre retten, im kalten Krieg, im Weltraum. Aber die 60-er waren auch die Jahre von Rassenunruhen, von Bürgerrechts-Debatten, dem Vietnam-Krieg. Wenige Wochen nach der Landung auf dem Mond versammelten sich im Bundesstaat New York rund 400.000 Leute, zum Woodstock-Festival.

Die amerikanische Gesellschaft war gespalten, ob das, was die Ingenieure da taten, wirklich wichtig und richtig war. Besonders für die Bürgerrechts-Bewegung war das Mondprogramm ein Beispiel dafür, wie große Summen für politische Prestige-Projekte vergeudet wurden.

Die Zukunft: Noch mal auf den Mond – oder gleich zum Mars?

Wie auch immer - Apollo 11 hat das gesetzte Ziel erreicht: Die USA waren die ersten auf dem Mond. Das Apollo-Programm wurde eingekürzt, der Mond verschwand als Ziel aus dem Auge. 2010 erklärte Präsident Obama, auf dem Mond sei man schon gewesen – jetzt gehe es zum Mars.

Die Trump-Regierung änderte das: Sie setzte den Mond wieder auf die Agenda. Im Frühjahr legte sie sogar noch nach und beschleunigte den Zeitplan. Vize-Präsident Mike Pence erklärte in Alabama:

"Auf Anweisung des Präsidenten der Vereinigten Staaten ist es das Ziel dieser Regierung und der USA, wieder amerikanische Astronauten zum Mond zu bringen - innerhalb der nächsten fünf Jahre." Mike Pence

Ein Fluggerät zum Mond gibt es schon: Die Orion-Kapsel, die von der neuen Schwerlast-Rakete SLS ins All befördert werden soll. Das Programm liegt allerdings weit hinter dem Zeitplan, die Rechnungsprüfer haben gerade erst wieder milliardenschwere zusätzliche Kosten kritisiert.

Wo soll die nächste Reise also hingehen? Selbst Apollo-Veteranen sind unterschiedlicher Meinung: Frank Borman umrundete mit Apollo 8 den Mond. Er sagte, der Mond sei auch heute genau das richtige Ziel. Michael Collins von Apollo 11 sagt dagegen: Fliegt am Mond vorbei, fliegt zum Mars.

© dpa-Bildfunk / Roland Witschel

Die Mondlandung als weltweites Medienereignis