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Dürre, Kalchreuth in Mittelfranken: Die anhaltende Trockenheit ließ dieses Sonnenblumenfeld verdörren.

Die große Dürre in diesem Jahr hat für Landwirte vielerorts durchaus dramatische Folgen. So zum Beispiel auch in Oberfranken. Dort hat Landwirt Hermann Greif in Pinzberg unter dem Wassermangel zu leiden. Statt meterhohen grünen Beständen aus Zwischenfrüchten – gesät um den Boden zu verbessern – sind die Äcker vertrocknet. Auch seine restliche Ernte sei schlecht gewesen, beklagt Greif. Er hat 50 Prozent weniger Mais geerntet und je nach Acker 30 bis 50 Prozent weniger Getreide und das auch noch mit schlechterer Qualität. Und auch beim Heu waren es zwei Drittel weniger.

Viel zu wenig Regen – regional kaum Futter für die Tiere

"Meine Kollegen haben schon ein Riesenproblem. Denn nur der erste Schnitt bei uns heuer war wirklich ein Schnitt, bei dem sie zu 80 Prozent eine Ernte einfahren konnten. Schon der zweite Schnitt und auch der dritte Schnitt sind fast Totalausfälle", so der Landwirt. Das bedeute, dass vor allem Landwirte mit Tierhaltung extreme Probleme haben. "Manche haben sogar schon angefangen, Tiere zum Schlachten zu geben. Und mit der Winterfütterung jetzt schon begonnen, obwohl wir jetzt draußen noch Gras hätten, aber heuer im Jahr 2018 eben nicht,“ so Hermann Greif weiter. Normalerweise fallen in Pinzberg 700 Millimeter Regen im Jahr, bisher waren es noch nicht mal die Hälfte.

2018: Extreme Trockenheit

Wie außergewöhnlich trocken es heuer auch im Herbst in Deutschland ist, zeigt der Dürremonitor des Leipziger Helmholtz-Instituts für Umweltforschung (UFZ). Klimaforscher Andreas Marx, der daran arbeitet, stellt fest: "2018 ist in unseren Daten das größte Trockenereignis, das wir bis jetzt gesehen haben." Für den Dürremonitor werden laufend verschiedene Klimadaten wie Windstärke, Niederschläge, Bodenfeuchte in unterschiedlichen Tiefen sowie die Temperaturwerte ausgewertet. Daten von über 1.700 Messstationen und 500 Klimastationen des Deutschen Wetterdienstes, der Europäischen Umweltagentur (EEA), der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), des Bundesamtes für Kartographie und Geodäsie (BKG), des European Water Archives, der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) sowie der NASA fließen in das hydrologische Modell mit ein.

Auch im September: extreme bis außergewöhnliche Dürre

In diesem Jahr begann es regional schon sehr früh, an Niederschlägen zu fehlen. Anfang August 2018 litten laut des UFZ bereits 80 Prozent der Fläche Deutschlands sowohl im Oberboden als auch über die gesamte Bodentiefe unter Dürre. Der Höhepunkt wurde erst am 24. September überschritten. Im September waren es noch 70 Prozent der Fläche Deutschlands für die das UFZ eine extreme bis außergewöhnliche Dürre diagnostizierte. Und eine wesentliche Besserung ist aufgrund des "großen Bodenwasserdefizits" auch nicht in Sicht, so das UFZ.

Dürremonitor Deutschland: Zwei Karten vom 9. September 2018. Die außergewöhnliche Dürre ist im Gesamtboden deutlich rot über ganz Detuschland.

Dürremonitor Deutschland: Zwei Karten vom 9. September 2018. Die außergewöhnliche Dürre ist im Gesamtboden deutlich rot über ganz Detuschland.

Alpenvorland dank Sturm feucht, Norddeutschland extrem trocken

Wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) erklärt, fielen im vergangenen Sommer über Deutschland gemittelt mit rund 130 Liter pro Quadratmeter nur 54 Prozent des üblichen Niederschlags. Auch im September gab es in den meisten Regionen zu wenig Regen. Ausnahme waren die Gebiete, bei denen Stürme viel Niederschlag brachten, wie etwa das Sturmtief Fabienne, das im Alpenvorland dafür sorgte, dass dort örtlich mehr als 100 Liter pro Quadratmeter im gesamten Monat gemessen wurden. Dagegen fiel in weiten Teilen des Nordens und Nordostens Deutschlands im September weniger als die Hälfte des langjährigen Mittels an Niederschlag (unter 20 l/qm). Dies spiegelt sich auch im standardisierten Niederschlagsindex (SPI) in den Monaten April bis September wider: Die Karte zeigt die Dürre in Deutschland tiefrot gefärbt. Der SPI liegt für das gesamte Land unter -1 und damit weit unter dem Soll. Laut DWD-Definition entspricht das einer sogenannten landwirtschaftlichen Dürre, bei der es zwei Monate und länger trocken ist und weniger Wasser als im langjährigen Mittel im Boden enthalten ist. Diese Ereignisse verringern zumeist die Pflanzenproduktivität und erhöhen das Waldbrandrisiko.

Was stellt der Dürremonitor dar?

Der Dürremonitor erfasst den ständig aktualisierten Zustand des Bodens, abhängig von der Bodenbeschaffenheit und –art. Angegeben werden Feuchtigkeitswerte des Oberbodens in bis zu 25 Zentimetern Tiefe – dieser Boden kann schneller auf kurzfristig Niederschlagsereignisse reagieren – und in einer Bodenschicht bis circa 1,8 Meter Tiefe. Herauskommt der sogenannte Bodenfeuchtindex SMI. In Karten stellt der Dürremonitor fünf Trockenklassen dar: ungewöhnlich trocken, moderate Dürre, schwere Dürre, extreme Dürre und außergewöhnliche Dürre. Dabei bezeichnet Dürre die Abweichung der Bodenfeuchte vom langjährigen Zustand im jeweiligen Monat. Der statistische Vergleich bezieht sich auf einen Zeitraum von 1951 bis 2015.

Durch Klimawandel: Häufiger Dürren und extremes Wetter

Extreme Wetterereignisse wie anhaltende Dürre und Hochwasser werden sich nach Meinung der UFZ-Forscher noch häufen, wenn die Erde sich weiterhin erwärmt. In einer aktuellen Studie hat Stephan Thober vom UFZ die Entwicklung der Dürren unter dem Einfluss des Klimawandels untersucht. Sein Ergebnis: Im historischen Zeitraum 1971 bis 2000 gab es durchschnittlich ungefähr zwei Dürremonate pro Jahr. Eine Erwärmung von 3 Grad im Vergleich zu diesem Zeitraum würde für Teile Süddeutschlands eine Verdoppelung der Dürredauer bedeuten. "Bei einer Erderwärmung von 3 °C muss für landwirtschaftliche Flächen in Süddeutschland (z.B. Rheinland-Pfalz und Saarland, Baden-Württemberg und Bayern) mit einer deutlichen Verringerung der Wasserverfügbarkeit für Pflanzen von bis zu 20 mm (entspricht 20 Liter pro Quadratmeter) gerechnet werden." Besonders betroffen von den negativen Veränderungen sei der Herbst, so die Studie.

Sollte die Erderwärmung allerdings weniger als 2 °C betragen, sind die Änderungen laut der Studie wesentlich geringer: In Norddeutschland betragen die Änderungen in diesem Fall weniger als 5 mm und in Süddeutschland weniger als 10 mm. Insgesamt stellt die Studie fest, dass negative Veränderungen bei einer Erwärmung zwischen 2 °C und 3 °C signifikant zunehmen. Deshalb sei auch für Deutschland eine Begrenzung auf unter 2 °C von großem Vorteil.