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Virologe Christian Drosten rechnet mit deutlich höheren Corona-Infektionsraten im Herbst. Das werde die Krankenhäuser wieder erheblich belasten. Seiner Meinung nach wird die Politik mindestes bis Jahresende nicht um Maßnahmen herumkommen.

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Drosten: Der nächste Corona-Winter kommt

Virologe Christian Drosten rechnet mit deutlich höheren Corona-Infektionsraten im Herbst. Das werde die Krankenhäuser wieder erheblich belasten. Seiner Meinung nach wird die Politik mindestes bis Jahresende nicht um Maßnahmen herumkommen.

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Von
  • Ulrich Trebbin

Der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité ist enttäuscht, dass sich in den letzten Monaten längst nicht so viele Menschen gegen Corona haben impfen lassen, wie er gehofft hatte. Notwendig wären seiner Meinung nach 80 Prozent, derzeit sind es aber nur 60 Prozent der Bevölkerung.

Drosten rechnet jedoch nicht damit, dass diese Impfquote in den nächsten Wochen drastisch nach oben geht. Das sagte er in der aktuellen Podcast-Folge des Coronavirus Update des NDR.

Wir werden deutlich steigende Inzidenzen sehen

Da einerseits die Wirkung der Impfung erst nach zwei Monaten voll durchschlägt und anderseits die Politik weniger auf die Inzidenz achtet, erwartet der Virologe für Herbst und Winter deutlich steigende Inzidenzen. Das werde die Intensivstationen, Notaufnahmen und Normalstationen wieder mehr belasten und auch zu Lasten aller übrigen Patienten gehen.

Die Impfbereitschaft sei in Ländern wie Spanien und Italien deutlich höher als hierzulande, weil die Menschen dort viel schlimmere Auswirkungen des Coronavirus erlebt hätten und deshalb motivierter seien, sich impfen zu lassen. Einen wirklichen Lockdown, bei dem das Militär die Straßen absperrt, hätten wir in Deutschland nie gesehen, deshalb seien viele Menschen noch gleichgültig, was die Impfung angeht, glaubt Drosten.

"Die Politik wird um Maßnahmen nicht herumkommen"

Auch wenn Politiker derzeit - vielleicht auch aus wahltaktischen Gründen - verkünden, dass es keinen Lockdown mehr geben werde, ist sich Christian Drosten sicher, dass die Politik im Herbst und Winter nicht darum herumkommen werde, "eingreifendere Maßnahmen" zu verhängen, um die Kontakte in der Bevölkerung zu verringern. Den Begriff Lockdown vermied Drosten.

Deltavariante bringt doppelt so viele Infizierte ins Krankenhaus

Laut Drosten und einer im Wissenschaftsmagazin "The Lancet" erschienenen Studie hat sich über den Sommer gezeigt, dass die Deltavariante mehr als doppelt so viele Infizierte ins Krankenhaus bringt wie das ursprüngliche Virus. Außerdem verdoppele die Deltavariante das Sterblichkeitsrisiko der Infizierten.

Drosten: "Die Inzidenz zu verlassen, wäre ein Blindflug"

Drosten rät davon ab, die Inzidenz neben der Krankenhausampel vollkommen aus den Augen zu verlieren. Es sei richtig, sie nicht mehr zum alleinigen Maßstab für politische Entscheidungen zu machen, berücksichtigen müsse man sie aber weiterhin, so der Virologe: "Die Inzidenz zu verlassen, wäre ein Blindflug."

Hoffnung macht Drosten, dass sich bei den Jugendlichen eine höhere Impfbereitschaft zeigt als in älteren Alterskohorten. Wenn es nach Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek geht, sollten die Schüler die letzte Ferienwoche nutzen, um sich zumindest einmal impfen zu lassen.

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Vollständig geimpfte Kinder und Jugendliche müssen sich in der Schule nicht mehr auf Corona testen lassen. Das hat der bayerische Gesundheitsminister Holetschek heute nochmal betont.

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