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Dracula-Ameise - die schnellste Bewegung im Tierreich | BR24

© Adrian Smith

Die Mundwerkzeuge einer Dracula-Ameise (Mystrium camillae)

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    Dracula-Ameise - die schnellste Bewegung im Tierreich

    Die Kiefer der Dracula-Ameise schnappen mit bis zu 90 Metern pro Sekunde auf. Das ist die schnellste bisher gemessene Bewegung eines Tieres. US-Wissenschaftler nutzten dazu Hochgeschwindigkeitskameras und Röntgenstrahlen.

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    Der Kiefer der Ameise Mystrium camillae bewegt sich 5.000 Mal schneller als ein Wimpernschlag und 1.000 Mal schneller als ein Fingerschnippen. Das ist Weltrekord im Tierreich! Damit überholt die sogenannte Dracula-Ameise die bisherigen Anwärter auf Platz eins in Sachen Schnappkiefer: die Schnappameisen (Odontomachus) und die Fangschreckenkrebse (Stomatopoda).

    Ameisen-Kiefer erzeugen Spannung

    Die Kiefer von Ameisen heißen Mandibeln. Diese Mundwerkzeuge bestehen bei der Dracula-Ameise nicht aus mehreren Teilen wie etwa Feder, Riegel und Hebelarm, sondern nur aus einem Stück. Der schnellste Schnappkiefer der Welt presst die Mandibeln zum Schnappen gegeneinander und erzeugt damit eine Art Federspannung, die frei wird, wenn eine Mandibel über die andere gleitet. Warum machen die Tiere das? Um Beute zu schlagen und andere Tiere abzuwehren:

    "Die Ameisen nutzen diese Bewegung, um andere Arthropoden [Gliederfüßer] zu schlagen, sie auf diese Weise vermutlich zu betäuben, sie gegen Tunnelwände zu schleudern oder wegzudrücken." Andrew Suarez, Professor für Tierbiologie und Insektenkunde, Universität von Illinois

    Technik macht Ameisen-Rekord sichtbar

    Die überraschten Gegner werden dann betäubt abtransportiert und an Ameisenlarven verfüttert. Das hat Andrew Suarez von der Universität von Illinois gemeinsam mit Kollegen des Smithsonian National Museum of Natural History und des North Carolina Museum of Natural Sciences herausgefunden und ihre Erkenntnisse im Dezember 2018 im Fachblatt "Royal Society Open Science" veröffentlicht. Die Forscher kamen den rekordverdächtig schnellen Tieren mit Hochgeschwindigkeitskameras und Röntgenbildern auf die Schliche, die die Bewegung der Dracula-Ameisen sicht- und messbar machten. Die Kameras nahmen dabei mit einer Frequenz von 480.000 Bildern pro Sekunde auf. Beim Vergleich von Ameisenkiefern fiel den Wissenschaftlern die Spezialisierung der Dracula-Ameise auf:

    "Durch den Vergleich der Kieferform von schnappenden Ameisen mit beißenden Ameisen haben wir zudem gelernt, dass nur eine kleine Änderung der Form nötig ist, damit der Kiefer eine neue Funktion entwickelt: als Feder zu fungieren." Fred Larabee, Insektenforscher, Smithsonian Institut

    Woher Dracula-Ameisen ihren Namen haben

    Ihren Namen hat die Dracula-Ameise, die in Südostasien und Australien zu finden ist, übrigens aufgrund einer schaurigen Angewohnheit: Erwachsene Tiere nehmen keine feste Nahrung mehr zu sich, sondern knabbern ihre eigenen Larven an und saugen ihr Blut. Zwar nur etwas und die Larven nehmen keinen Schaden, unter Ameisen ist das trotzdem eher ungewöhnlich.