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Die Turteltauben sind gefährdet | BR24

© picture alliance/imageBROKER

Zwei Turteltauben (Streptopelia turtur). Turteltauben sind laut der Roten Liste der Brutvögel Deutschlands stark gefährdet.

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    Die Turteltauben sind gefährdet

    "Na, ihr Turteltäubchen!" Bei uns Menschen gibt es viele solcher Exemplare, doch in der Natur wird das Turteln seltener: In den letzten 25 Jahren hat der Bestand der Turteltauben um zwei Drittel abgenommen. Die Vögel gelten als stark gefährdet.

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    Liebevoll schnäbelnde und turtelnde Täubchen gelten als Sinnbild der Liebe und sind gerade zum Valentinstag ein beliebtes Kartenmotiv. Turteltauben gibt es tatsächlich - allerdings ist ihre Lage alles andere als rosig: In Deutschland hat der Bestand der Streptopelia turtur um zwei Drittel abgenommen. Der fliegende Liebesbote findet sich inzwischen als stark gefährdete Art in Deutschland auf der Roten Liste der Brutvögel wieder. 2015 ist die ehemals ungefährdete Art auf der weltweiten Roten Liste direkt in der Kategorie "gefährdet" gelandet, die Vorwarnstufe hat sie überflogen. Sollte die Wildtaube weiter so abstürzen, hat es sich bald ausgeturtelt.

    "Wir haben in den letzten 25 Jahren zwei Drittel der Turteltauben verloren. Wenn diese Entwicklung so weiter geht, werden unsere Enkel dieses Tier nicht mehr in der freien Natur kennen lernen können." Steffi Lemke, naturschutzpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag

    Aus Großbritannien ist die Turteltaube bereits verschwunden

    Lemke betont, es sei alarmierend, wie schnell der Bestand zurückgehe und dass eine ursprüngliche Allerweltsart wie die Turteltaube auf der Internationalen Roten Liste lande. Wie der NABU berichtet, ist Großbritannien inzwischen "nahezu Turteltauben-frei".

    Die Turteltaube verliert ihren Lebensraum - oder gleich ihr Leben

    Laut UN-Experten macht den Tieren vor allem der Verlust an Brut- und Lebensräumen zu schaffen. Außerhalb Deutschlands werden sie zudem gejagt. Dem NABU zufolge konnten Wissenschaftler nachweisen, dass in der Europäischen Union jährlich rund 1,5 Millionen Turteltauben geschossen werden. In Griechenland, Frankreich und Italien zum Beispiel sei die Jagd auf die Vögel zugelassen. Kleiner oder zumindest weniger gut erforscht sei der Einfluss von Chemikalien aus der Landwirtschaft, von Krankheiten und vom Klimawandel auf das Leben der Turteltaube. Auch, inwieweit sie an Konkurrenz in ihrem Lebensraum leidet, sei noch nicht ausreichend untersucht.

    Turteltauben wurden für das ICARUS-Projekt besendert

    Um zu verstehen, wie die heimischen Turteltauben ziehen, wo sie rasten und wie man sie besser schützen kann, wurden einige Tiere vom NABU, seinem maltesischen Partnerverband BirdLife Malta und der Justus-Liebig-Universität Gießen mit Sendern ausgerüstet. Die Sender interagieren mit einer Antenne auf der Internationalen Raumstation ISS. Das Projekt ICARUS (International Cooperation for Animal Research Using Space) ermöglicht es so, die globalen Wanderbewegungen der Turteltauben in hoher Auflösung zu beobachten und ihre Lebensweise genauer zu untersuchen.

    "Die Art ist die einzige ziehende und international gefährdete Taubenart Mitteleuropas. Turteltauben werden im gesamten Mittelmeerraum auf dem Zug zu Hunderttausenden legal und illegal abgeschossen, obwohl sie bereits durch den Lebensraumverlust in ihren europäischen Brutgebieten sehr selten geworden sind. Wir erhoffen uns Klarheit darüber, welchen Zugweg die heimischen Vögel wählen, damit wir unsere Schutzbemühungen an den Rastplätzen gezielt ausrichten und wissenschaftlich abgesicherte Vogelschutzforderungen an die EU-Kommission stellen können." Leif Miller, NABU-Bundesgeschäftsführer, im August 2018 zum ICARUS-Projekt

    Die Route der Turteltauben

    Turteltauben überwintern in der Sahelzone südlich der Sahara. Laut NABU lassen erste Beobachtungsdaten vermuten, dass die Tauben aus Westeuropa über die Iberische Halbinsel nach Westafrika ziehen. Die Turteltauben aus Ost- und Zentraleuropa wandern wahrscheinlich über Italien, Malta, Zypern, Tunesien und Libyen, um dann im östlichen Sahel zu überwintern. Wie die Turteltauben ziehen, kann man auf dem Turteltauben-Blog des NABU beobachten.

    Nicht nur die Turteltaube ist gefährdet

    Dass die Turteltaube immer seltener anzutreffen ist, ist allerdings nur ein Beispiel für den Rückgang der Artenvielfalt in Deutschland. Erst Ende Januar wurden Daten veröffentlicht, wonach seit 1980 rund 56 Prozent aller Feldvögel in Europa verschwunden sind. Doch auch viele andere Tiere und Pflanzen sind bei uns immer seltener anzutreffen: der Kuckuck, der Feldhamster, die Schmetterlinge, die Wildbienen und die Wildpflanzen sind nur einige Beispiele.