| BR24

 
 
© Ronald Burger

Die Wildbiene des Jahres 2019: die Senf-Blauschillersandbiene

Das Kuratorium "Wildbiene des Jahres" hat für 2019 eine Art ausgewählt, die eine echte Erscheinung ist: Die Flügel und der Hinterleib der Senf-Blauschillersandbiene (Andrena agilissima) schimmern blau. Die Weibchen besitzen an den Hinterbeinen sogenannte Schienenbürsten in Weiß. Ihre Pollenhosen sind dagegen hellgelb, weil die Biene hauptsächlich den so gefärbten Pollen des Acker-Senfs erntet. Vor allem die Männchen sind rasante Flieger, daher kommt der wissenschaftliche Name "agilissima".

Die Wildbiene des Jahres 2019 ist selten geworden

Die Senf-Blauschillersandbiene fliegt auf Kreuzblütler, zu denen etwa auch Weiß-Senf, Barbarakraut und Ölrettich gehören. Infolge einer intensiven Feldwirtschaft, die auf wenige Kulturpflanzen ausgerichtet ist und in der vermehrt Herbizide eingesetzt werden, sind die Nahrungspflanzen der Senf-Blauschillersandbiene an vielen Orten knapp geworden oder ganz verschwunden.

Für die Senf-Blauschillersandbiene blüht der Raps zu früh

Zusammen mit rund 80 anderen Arten gehört die Senf-Blauschillersandbiene auch zu den Bestäubern von Raps. Allerdings kann die Wildbiene des Jahres nicht immer davon profitieren, dass diese Ölpflanze so großflächig ausgesät wird: Oft ist die Rapsblüte bereits vorüber, bevor ihre Hauptflugzeit beginnt. Die Wildbiene sammelt zwar auch mehr als einen Kilometer von ihrem Nistplatz entfernt Nektar und Pollen, doch die passenden Nahrungsflächen liegen mittlerweile oft zu isoliert und zu weit weg. Wie alle Sandbienen baut Andrena agilissima ihr Nest im Erdboden. Besonders gerne an regengeschützten Plätzen in Sand, Löss oder Lehm.

Die Wildbiene des Jahres findet nicht genügend Verstecke und Nahrung

Die Senf-Blauschillersandbiene ist vielerorts futter- und heimatlos geworden. Deswegen wurde die bedrohte Art zur Wildbiene des Jahres 2019 gekürt. Durch ein verbessertes Angebot an Kreuzblütlern, die tatsächlich während der Flugzeit der Sandbiene von Anfang Mai bis Anfang Juli blühen, könnte dieser Art wirksam geholfen werden, berichtet der Arbeitskreis Wildbienen-Kataster. Von einer Vielfalt an Blüten auf den Feldern würde nicht nur die Senf-Blauschillersandbiene profitieren, sondern auch viele andere Insekten.

So wird die "Wildbiene des Jahres" gewählt

Das Kuratorium "Wildbiene des Jahres" wählt seit 2013 jedes Jahr eine Wildbienenart aus. Zur Jahresbiene wird eine Art nicht nur, weil sie besonders interessant oder unbekannt ist. Oft möchte das Gremium mit der Wahl auf den bedrohten Bestand einer Art aufmerksam machen. Zugleich soll uns die Wildbiene des Jahres die spannende, den meisten weitgehend unbekannte Welt der nützlichen Wildbienen näher bringen. Das Kuratorium "Wildbiene des Jahres" ist beim Arbeitskreis Wildbienen-Kataster angesiedelt, einer Sektion des Entomologischen Vereins Stuttgart 1869 e.V.

Darum gibt es so viele verschiedene Arten des Jahres

Neben der Wildbiene werden alljährlich von verschiedenen Organisationen weitere Jahreswesen gekürt: Es gibt zum Beispiel auch das Tier des Jahres, den Fisch des Jahres, das Insekt des Jahres, den Vogel des Jahres, das Höhlentier des Jahres, den Baum des Jahres, die Blume des Jahres, und sogar den Boden, das Waldgebiet und die Mikrobe des Jahres.

"Unserer Ansicht nach verdeutlicht die Vielzahl an 'Jahreslebewesen' nur allzu eindrücklich die prekäre Lage unseres Planeten." Birte Strobel, Sprecherin der Zoologischen Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz (ZGAP)

Insgesamt werden jedes Jahr ab Herbst mehr als 30 Arten des Jahres verkündet. Mit einem ernsten Hintergrund: Die Art des Jahres soll ein Jahr lang Aufmerksamkeit bekommen, nicht nur, weil sie besonders, sondern oft auch gefährdet ist. Die Verbände und Stiftungen wollen damit über Missstände aufklären und die Bevölkerung wie auch politische Entscheidungsträger sensibilisieren. Manche Arten wie die Spinne oder Mikrobe des Jahres werden bestimmt, um deren Image aufzubessern: Spinnen sind eigentlich gar nicht eklig und nicht alle Bakterien gefährlich.

"Der Wert der Auszeichnung liegt wohl vorrangig im Bereich der Sensibilisierung und Umweltbildung - die natürlich nicht bei der Einzelart hängenbleiben darf, sondern auch den Lebensraum und die Rahmenbedingungen mit adressieren soll." Kerstin Elbing, Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland (VBIO)