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Studie zeigt: Mütter trifft der Lockdown besonders hart | BR24

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Bildrechte: pa/dpa/ Julian Stratenschulte

Die Pandemie trifft zwar viele, manche beeinträchtigt sie aber besonders und das nicht nur körperlich, mit Husten, Fieber, Atemnot, sondern auch seelisch. Es geht um die Lebenszufriedenheit. Das Leibniz-Institut hat erforscht, wer besonders leidet.

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Studie zeigt: Mütter trifft der Lockdown besonders hart

Die Pandemie trifft nicht alle gleich - auch was die Lebenszufriedenheit angeht, gibt es große Unterschiede. Eine neue Studie zeigt, wer im Lockdown besonders an Wohlbefinden eingebüßt hat: Die Frauen, gerade auch solche mit jüngeren Kindern.

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Von
  • Bettina Weiz

Für Judith Kärtner ist jeder Tag eine Zerreißprobe. Einerseits möchte sie ihre Arbeit gut machen. Die Münchnerin organisiert seit Dezember Gesundheitskampagnen vom Homeoffice aus. Ihr Laptop steht auf dem Küchentisch. Andererseits möchte sie auch das Beste für ihre drei Kinder. Die sind bei geschlossenen Schulen und Kitas im Lockdown auch viel zuhause. "Für mich ist es die Hölle. Ich habe in jede Richtung ein schlechtes Gewissen", sagt sie. Sie sei genervt und unzufrieden.

Ihr Mann dagegen findet, er könne mit der Situation gut umgehen und mache das Beste daraus. Er ist zwar auch im Homeoffice, hat aber von morgens bis abends Videokonferenzen. Während sie in Teilzeit ist, arbeitet er weiterhin Vollzeit, schon weil er mehr verdient und sein Einkommen für die Familie daher wichtiger ist. Da ist die Familie kein Einzelfall.

Lebenszufriedenheit im Lockdown allgemein geringer

Auf den ersten Blick haben in der Pandemie alle an Lebenszufriedenheit eingebüßt. Das zeigt eine neue Studie des Leibniz-Instituts für Bildungsverläufe in Bamberg. Für diese wurden rund 1.500 berufstätige Männer und Frauen während des Lockdowns im Sommer, nach ihrer Zufriedenheit mit der Arbeit, der Familie und dem Leben gefragt.

Die Besonderheit: Von den Befragten lagen schon Daten aus der Zeit vor der Pandemie vor und zwar aus dem Nationalen Bildungspanel (NEPS). Damit können die aktuellen Angaben verglichen werden.

Mütter verlieren im Lockdown besonders an Lebenszufriedenheit

Auf den zweiten Blick ergeben sich deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern und zwischen Menschen mit und ohne Kinder unter 14 Jahren im Haushalt, so Gundula Zoch. Die Soziologin war an der Studie beteiligt. "Wenn wir uns dann verschiedene Gruppen anschauen, fällt aber besonders stark auf: Es sind die Mütter, die deutlich unzufriedener mit ihrer Lebenssituation allgemein sind". Väter dagegen verlören viel weniger an Lebenszufriedenheit. Generell seien sie vor und während der Pandemie von allen Befragten diejenigen gewesen, die mit ihrem Leben sowie ihrer Familie am zufriedensten waren.

Frauen stemmen überwiegenden Teil der Familienarbeit

Im Lockdown haben zwar auch Männer häufiger als zuvor bei der Familien- und Sorgearbeit mit angepackt, schließlich war bei geschlossenen Schulen und Kitas erheblich mehr zu tun, aber verschiedene Studien belegen, dass insgesamt die Frauen den überwiegenden Teil der Familienarbeit stemmen. "Gerade bei Kleinkindern sehen wir, dass auch berufstätige Mütter deutlich häufiger alleine betreuen. Bei Grundschulkindern und älteren Kindern finden wir dann schon eher, dass sich etwa rund ein Drittel der Befragten auch die Betreuung und die Versorgung teilen", erklärt Zoch. Frauen seien klar eher diejenigen, die zugunsten der Familie beruflich kürzer treten würden.

Frauen machen sich im Lockdown häufiger Sorgen

Zugleich machen sich Frauen deutlich mehr Sorgen als Männer - auch um ihren Beruf. "Die Angst vor einem Jobverlust, vor Einkommensverlust war bei Frauen deutlich stärker ausgeprägt", weiß Zoch aus ihrer Forschung. "Wir finden in unseren Daten, dass bereits zu Beginn der Pandemie sich Frauen deutlich häufiger Sorgen gemacht haben über die Folgen der Corona-Krise, auch für die Gesellschaft insgesamt, also: 'schafft das das Schulsystem, schafft das das Gesundheitssystem?'"

Insbesondere Frauen berichten von Einsamkeit im Lockdown

Die ständigen Sorgen sind laut Zoch eine Erklärung für die besonders starke Unzufriedenheit der Frauen. Ein zweiter Faktor: Einsamkeit. Gerade Frauen gaben in der Studie an, dass sie sich im Lockdown mit den Kontaktbeschränkungen und oft auch der Mehrarbeit für die Familie einsam oder in manchen Situationen auch außen vor gefühlt haben. Offenbar ziehen Mütter viel Kraft aus sozialen Kontakten, etwa zu Freundinnen oder Kolleginnen.

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