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Die Grippesaison beginnt: impfen oder nicht impfen? | BR24

© BR/Margarete Jall

Der Dokumentarfilm "Eingeimpft" von David Sieveking spaltet die Zuschauer.

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Die Grippesaison beginnt: impfen oder nicht impfen?

Auch in der heutigen Zeit ist impfen wichtig - nicht nur bei Kindern, auch für Erwachsene gibt es wichtige Impfungen. Aber welche Impfungen sollte man als Erwachsener haben? Wissen Sie eigentlich, gegen was sie geimpft sind?

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Infektionskrankheiten wie Polio und Diphterie spielen in unserem Alltag kaum noch eine Rolle. Dennoch sind Impfungen nach wie vor wichtig. Gerade bei Kinderkrankheiten wie Masern. Bekommt man sie als Erwachsener, drohen schwere Komplikationen. Aber wie sieht es aus - mit dem Wissen um den eigenen Impfschutz? Wenn man nicht sicher ist, gegen was man geimpft ist, hilft ein Besuch beim Hausarzt.

Gerade herrscht Hochbetrieb in der Münchner Praxis von Dr. Markus Frühwein. Er ist Allgemein- und Reisemediziner und impft täglich gegen Tropenkrankheiten wie Gelbfieber, aber auch gegen die Grippe oder Masern. Seinen Patienten empfiehlt er ein Standardprogramm: "Da gehören in Deutschland dazu: Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten und Polio. Jeder sollte gegen Mumps, Masern, Röteln einen wirksamen Schutz haben. Gerade in Bayern auch FSME, also die Zecken-Impfung."

Grippeimpfung für ältere Menschen

In Deutschland werden die offiziellen Empfehlungen zum Impfen von der Ständigen Impfkommission, kurz Stiko, ausgegeben. Auf der Liste steht bei Personen über 60 auch die Impfung gegen Grippe sagt Dr. Markus Frühwein: "Die Grippe-Impfung ist eine gute Impfung für alle, die durch eine Grippe besonders gefährdet sind. Das sind alte, chronisch kranke, immunsuprimierte Menschen. Ich kann die Impfung nur empfehlen, ich mach die selbst auch immer, auch unser Personal ist geimpft."

Allerdings bietet auch der jetzt von den Krankenkassen bezahlte vierfach-Impfstoff keinen hundertprozentigen Schutz. In den letzten Jahren wirkte die Impfung meist nur bei rund der Hälfte der Patienten. Bei älteren Menschen sogar schlechter als bei Jüngeren. Eigentlich ist man gewohnt, dass eine Impfung sehr sicher gegen einen Erreger immunisiert - wie etwa bei den Masern. Vielleicht ist es auch diese Unsicherheit, die bei vielen Menschen für Skepsis beim Thema Impfen sorgt.

Nicht jede Impfung sinnvoll

Impfen an sich zu verteufeln, davon hält der Münchner Arzt Steffen Rabe nichts. Genausowenig von Panikmache. Aber er findet, dass die offiziellen Empfehlungen bei manchen Impfungen zu weit reichen: "Klassisches Beispiel Wundstarrkrampf, wo die Ständige Impfkommission empfiehlt, alle zehn Jahre ein Auffrischung zu machen, dann ist das eine deutliche Diskrepanz zur Empfehlung der WHO. Der Weltgesundheitsorganisation, die ja nicht gerade der Hort der Impfkritik ist, sagt, wenn man einmal im Leben sechs Impfungen davon bekommen hat, die letzte war im jungen Erwachsenenalter, reicht das in aller Regel."

Aluminium in der Impfung

Jede Impfung zählt, heißt es in einer Broschüre der Impfkommission. Aber jede Impfung kann auch Nebenwirkungen haben, von einer leichten Rötung an der Einstichstelle bis zu Krankheitssymptomen wie Fieber und Gelenkschmerzen. Und: Impfungen wie etwa die gegen Wundstarrkrampf können problematische Stoffe enthalten, sagt der Münchner Arzt Steffen Rabe: "In jeder Wundstarrkrampf-Impfung ist zum Beispiel Aluminium als Wirkverstärker drin. Eine Substanz die in den letzten Jahren sehr in die Diskussion gekommen ist."

Tatsächlich würden einige Impfstoffe, etwa die gegen Diphtherie und Tetanus, ohne Aluminium nur schlecht oder gar nicht wirken. Das Europäische Arzneibuch gibt eine Höchstdosis von 1,25 mg pro Dosis an. Die hier zugelassenen Impfstoffe liegen jedoch deutlich unter diesem Grenzwert, im Bereich von 0,125 bis 0,82 mg Aluminium pro Dosis. Hinzukommt, dass diese Impfstoffe intramuskulär, nicht intravenös verabreicht werden, so dass zu keinem Zeitpunkt das gesamte Aluminium im Blut verfügbar ist. So gibt es das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) in Langen an. Das PEI ist das deutsche Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel.

Unklarer Impfstatus - Blut abnehmen

Bei Erwachsenen mit unsicherem Impfstatus, etwa bei den Masern oder Windpocken, empfiehlt Steffen Rabe deshalb vor einer Impfung eine Blutentnahme: "Ich würde in dem Fall zum Beispiel nachschauen, ob noch ein Schutz vorhanden ist, das können wir bei vielen Impfungen sehr, sehr genau aus dem Blut ablesen. Nicht bei allen, bei vielen. Und davon abhängig machen, ob denn zum Beispiel eine routinemäßige Auffrischung notwendig ist oder nicht."

Eine Impfpflicht gibt es - anders als in Frankreich und Italien - in Deutschland nicht. Jede Impfung ist eine individuelle Entscheidung, die jeder für sich oder seine Kinder trifft - bei einigen Krankheiten hat man dabei aber auch eine gesellschaftliche Verantwortung.