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Die Geschichte der Müllabfuhr | BR24

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Wo es Menschen gibt, gibt es Müll. Dementsprechend unterschiedlich gingen im Laufe der Jahrhunderte die Gesellschaften mit Müll um.

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Die Geschichte der Müllabfuhr

Heutzutage holen Müllmänner und manchmal auch Müllfrauen ab, was wir in unsere Mülltonnen werfen. Doch wie war das früher, als es noch keine geregelte Müllabfuhr gab? Ein Blick zurück in Zeiten mit Jauchengruben, Rennsäuen und Harritschwagen.

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Die Müllentsorgung ist bei uns streng geregelt: Müll wird getrennt und recycelt, der Rest verbrannt. Aber vor allem wird der Müll abgeholt. Früher, als es noch keine geregelte Abfallentsorgung gab, war das nicht so einfach. Aber auch vor einer organisierten Abfallentsorgung, die in München erst ab 1891 begann, wussten sich die Menschen zu helfen. Die Art, ihren Müll wieder los zu werden, war mal mehr, mal weniger originell. Aus hygienischer Sicht allerdings durchweg katastrophal.

Die Abfallentsorgung aus dem Fenster

In der Regel flog einem der Müll im Mittelalter buchstäblich um die Ohren. Die Leute warfen das, was sie loswerden wollten, einfach aus dem Fenster. Der Regen spülte den Abfall dann aus der Siedlung. Nicht nur aus hygienischer Sicht war diese Methode aufgrund der fehlenden Kanalisation bedenklich. Passanten auf den Straßen liefen Gefahr, von den heruntergeworfenen Gegenständen getroffen und verletzt zu werden.

Jauchegruben im Garten der Stadthäuser dienten der Abfallentsorgung

Deutlich gesitteter entsorgten dagegen Stadtbewohner des Mittelalters ihren Abfall. Denn viele der Stadthäuser hatten nicht nur Fenster zur Entsorgung ihres Mülls, sondern auch einen Garten. Der Abfall wurde dort in eine Jauchegrube geworfen und über Wochen und Monate angesammelt. Ein Bauer holte den zu Dünger gewordenen Abfall dann ab und brachte ihn aufs Feld. Das Wort "Müll" war bis vor 200 Jahren im süddeutschen Raum übrigens gar nicht bekannt. Abfall hieß "Unrat".

Im Mittelalter war die Wiederverwertung groß

Im Mittelalter war das Aufkommen von Unrat allerdings recht gering. Alle möglichen Materialien wurden wiederverwertet, einfach, weil sie knapp waren. Was als Müll damals wirklich anfiel waren Asche und alles, was der Mensch so ausstößt: also hauptsächlich Fäkalien und Abwasser.

Spezielle Art der Müllabfuhr: Rennsäue

Später wurden in München zur Müllentsorgung sogenannte Rennsäue durch die Stadt getrieben. Sie fraßen die festen Abfälle. Die Vorstellung eines Recyclings, bei dem die Rennsäue den Abfall fressen und der Mensch später die Rennsau, hat aber nicht ganz funktioniert. Auch aus hygienischer Sicht war dieses Modell nicht tragbar.

Beginn der Müllabfuhr in München

So begann 1891 die Münchner Müllabfuhr mit dem System, wie wir es heute kennen: Jeder Bewohner muss etwas bezahlen, dafür kommt die Müllabfuhr und nimmt das Material mit. Ende der 1890er-Jahre wurde dann die sogenannte staubfreie Müllabfuhr eingeführt: Es wurden Systeme entwickelt, die verhindern, dass beim Auskippen der Mülleimer in den Wagen die ganze Straße eingestaubt wird.

Schmied aus Giesing entwickelt Harritschwagen

Den ersten Mülleinsammelwagen zur staubfreien Müllentsorgung hat ein Schmied aus Giesing konstruiert. Es handelte sich dabei um einen von einem Pferd gezogenen sargähnlichen Müllbehälter auf zwei Rädern. Oben und unten war der Wagen mit Luken versehen, über die man den Müll einfüllen und wieder ausleeren konnte. Fast ein halbes Jahrhundert holten die sogenannten Harritschwagen den Müll aus der Stadt. Ihr Name leitete sich vermutlich vom englischen Wort "carriage" für "Kutsche" ab. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurden sie von motorisierten Fahrzeugen abgelöst.

Zum Nachhören: "Die Geschichte der Müllabfuhr - Der Kampf gegen Abfall" von Martin Trauner gibt es im Podcast-Center von radioWissen.